MAZ: "Der Spagat fällt nicht immer leicht"
Alexander Haase, der Co-Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft, befindet sich derzeit mit dem Team in der heißen Phase der EM-Vorbereitung: Im Interview spricht der 41-Jährige, der auch als Lehrer-Trainer in Potsdam arbeitet, über das nicht immer einfache Pendeln zwischen den Extremen, die EM-Favoriten und einen ungerechtfertigten Vorwurf.
Stuttgart. Wohl kaum jemand bewegt sich so zwischen den Extremen der Handballwelt wie Alexander Haase: Im Alltag ist der 41-Jährige Lehrertrainer an der Sportschule in Potsdam, außerdem ist er als Co-Trainer der National-Mannschaft tätig, die sich gerade auf die Europameisterschaft in Kroatien vorbereitet. Im Interview spricht Haase, der außerdem als sportlicher Leiter den 1. VfL Potsdam betreut und beim Landesverband für den Leistungssport zuständig ist, über den schwierigen Saisonstart des VfL und ein mögliches Engagement als Cheftrainer.
Guten Tag Herr Haase, wo erreichen wir Sie denn gerade?
Alexander Haase: Ich bin bei einem Medientermin in der Porsche-Arena in Stuttgart. Wir hatten einen Mannschafts-Fototermin – insofern passt ein Interviewtermin sehr gut.
Sie bewegen sich gerade wieder einmal auf der ganz großen Bühne des Handballs, Ihr Alltag dagegen sieht völlig anders aus. Wie schwer fällt der Spagat zwischen der Glamourwelt des Auswahlteams und dem Schulsport?
Der Spagat fällt natürlich nicht jeden Tag immer gleich leicht, das muss ich zugeben. Manchmal fehlt ein bisschen die Zeit, um sich auf die andere Ebene vorzubereiten und alles sacken zu lassen. Da muss man schnell den Schalter umlegen. Ich möchte aber keine der beiden Aufgaben missen. Ich freue mich auch jedes Mal sehr auf die Arbeit mit meiner B-Jugend-Mannschaft.
Ist das Training mit den Nachwuchsspielern auch deshalb wichtig, weil es Sie erdet?
Ich weiß nicht, ob ich geerdet werden muss. Die Arbeit mit den Jungs macht mir einfach sehr viel Spaß.
Derzeit ist Feinschliff auf allerhöchster Ebene gefragt, die Herren-Nationalmannschaft bereitet sich auf die EM vor: Wie sieht ein Tagesablauf aus?
Wir haben ein bis zwei Trainingseinheiten am Tag, es gibt teambildende Maßnahmen. Ich persönlich schaue mir beispielsweise derzeit auch Videos vom Testspielgegner Island an und habe auch unsere Gruppengegner im Blick.
Die Gegneranalyse ist eine Ihrer Aufgaben als Co-Trainer des Teams. Sie bekleiden das Amt inzwischen alleine, Ihr Kollege Axel Kromer ist in den Vorstand des deutschen Verbandes gewechselt. Wie ist es dazu gekommen?
Dass Axel Kromer eine neue Aufgabe übernehmen würde, war schon lange klar. Christian Prokop hat dann nach seinem Amtsantritt 2017 entschieden, nur noch mit einem Assistenztrainer weiterzuarbeiten. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Wahl auf mich gefallen ist und genieße es sehr, hier dabei zu sein.
Christian Prokop wechselte vom SC DHfK Leipzig zum deutschen Auswahlteam: Im 28-Kader, der derzeit das Vorbereitungsprogramm absolviert, stehen jeweils fünf Spieler des SC DHfK und der Füchse Berlin, für die Sie früher tätig waren. Kritiker könnten Ihnen vorwerfen, dass Sie Akteure Ihrer ehemaligen Clubs bevorzugen.
Damit hätten sie aber Unrecht.
Warum?
Weil die Auswahl rein sportliche Gründe hat. Gerade Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren mit vielen jungen deutschen Spielern in der Bundesliga etabliert. Und die Füchse sind seit Jahren Spitze in der Bundesliga. Es sind auch vier Kieler im Kader. Bei anderen Spitzenclubs sind viele Positionen mit starken ausländischen Akteuren besetzt und das spiegelt sich dann eben auch zahlenmäßig wider.
Sie arbeiten in mehreren Positionen im Hintergrund oder in der zweiten Reihe: Könnten Sie sich vorstellen, auch wieder als Cheftrainer zu arbeiten? Aus welcher Liga müsste ein Angebot kommen?
Ja, klar wäre das vorstellbar. Ich bin da natürlich offen für alles.
Wie beurteilen Sie als Vorstandsmitglied Leistungssport des HVB die Hinrunden des Oranienburger HC und des VfL Potsdam in der dritten Liga Nord?
Die Ergebniskurven waren zunächst extrem unterschiedlich: Der OHC ist sehr gut gestartet, dann aber Richtung Mittelfeld gerutscht – zuletzt hat er aber die Kurve wiederbekommen. Bei uns war es genau umgekehrt. Einem schwachen Start folgte eine super Serie mit 12:2 Punkten in Folge. Nach dem deutlichen Sieg im ersten Spiel gegen den VfL Potsdam hätte ich dem OHC sogar noch eine stärkere Rolle zugetraut, aber das könnte ja in der Rückrunde noch kommen.
Als sportlichen Leiter des 1. VfL Potsdam muss Sie der schwierige Start mit 1:13 Punkten sehr beschäftigt haben.
Ja, das hat mir die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet, klar. Ich war aber immer davon überzeugt, dass wir in die Erfolgsspur zurückkehren werden.
Zurück in die schillernde Welt der Nationalmannschaft: Wer sind für Sie die Titelfavoriten bei der EM in Kroatien?
Es gibt aus meiner Sicht acht Mannschaften, die das Turnier gewinnen können. Dazu zählen natürlich die aktuellen Träger der drei großen Titel: Frankreich als Weltmeister, Dänemark als Olympiasieger und wir als Europameister. Auch Norwegen, Kroatien als Gastgeber, Slowenien und Spanien sind natürlich immer gefährlich. Ungarn unter Ljubomir Vranjes könnte ebenfalls eine gute Rolle spielen.
In welche Leistungsklasse würden Sie den Auftaktgegner Montenegro einsortieren?
Ein sehr unangenehmer Gegner. Dazu kommt: Es ist unheimlich wichtig, dass der Auftakt gut gelingt. Deshalb wird die Partie viel schwieriger, als manch ein Außenstehender vermuten mag.
Von Lars Sittig
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