Das Pokaltagebuch der Steinadler. Teil 3.
Liebes Tagebuch!
Die Weihnachtsfeiertage sind zum Glück Geschichte. Diese Zeit des Müßiggangs und der Faulenzerei entsprechen so gar nicht meiner inneren Einstellung. Zumal am nächsten Wochenende mit dem Final Four im Handball-Landespokal DAS sportliche Großereignis für uns Steinadler ansteht. Ich weiß ja nicht, wie die anderen Fuffen die letzten Tage verbracht haben. Ich für meinen Teil bin topfit Dank einer Diät aus Fillinchen, Harzer Roller und Hallorenkugeln. Noch aus Magdeburger Sportschul-Zeiten, als unser Trainer Eisen-Harry Jahns uns damit zu echten Athleten formte. Ich wünschte, er würde auch heute unser Training leiten.
Stattdessen sollen wir machen, was unsere "Trainer" Göran Böhm und Tobias Kurtz uns vorschreiben. Kannst du dir das vorstellen, liebes Tagebuch?! Das ist ja gerade so, als würden zwei Pinguine Albatrossen den Traum vom Fliegen erklären. Tobias Kurtz - pah! Dem mussten wir doch damals in Magdeburg immer Gruppentaktik mit ein paar Handpuppen vermitteln und wehe, es waren mehr als zwei Puppen. Und jetzt soll der MIR vorschreiben, was ich zu tun habe!!!! Dieser Wichtigtuer kam neulich in die Halle stolziert und erklärte angeberisch, er hätte ein paar brandneue Influences aus einem Film "Deutschland. Ein Sommermärchen." oder so hieß der. Und dann ist er vor uns auf und ab gewackelt und faselte in seinem Phantasie-Englisch davon, dass wir zuerst unseren Circlerun activaten sollten am besten mit Medicinballs. Das ging dann die ganze Zeit so weiter, aber da hatte ich mich schon längst ins innere Exil zurückgezogen.
Das sind aber nicht die schlimmsten Entwicklungen rund um unsere Steinadler, liebes Tagebuch. Da ist ja auch noch Göran Böhm, der sich um unsere Vermarktung kümmern will. Du weißt ja, liebes Tagebuch, wie ich dazu stehe. Fragwürdiges Marketing kenne ich noch aus meinen Zweitligazeiten in Dessau, als sie damals unseren Vereinsnamen um das aggressivste und angsteinflößendste Tier ergänzt haben, dass man sich vorstellen kann. Aber vielleicht war ich ja auch der einzige Spieler, der "The Beavers" für eine Handballmannschaft nicht so richtig passend fand.
Göran Böhm dozierte jedenfalls, wir müssten ein Mindset vorbereiten und die Relationship mit den Stakeholdern verbessern. Er hätte schon den Workflow promotet und Milestones gefixt, um maximal virale Impacts zu generieren. Er müsse nur rechtzeitig ein paar Dinge gegreenlightet bekommen, es wäre eben kein nine-to-five Job als Teammanager der Steinadler. Dann gab er uns noch mit auf den Weg, wir sollten bereit sein, die Abschiedstoleranz im Team zu liften, schließlich hätten wir einen großen Kader und nicht alle könnten spielen. Er würde dafür permanent die Quality Mismatches bei Onsite Locations monitoren. Jedenfalls verteilen wir nun jeden Tag ein paar Flyer, die Göran mit Word 97 zurechtgeschustert hat, in der Brandenburger Straße. Ob das den nötigen Return on Investement generiert, weiß ich nicht...
Dein André Langen

