Rhein-Neckar Löwen-Sieg über TSG Friesenheim: Die Füchse können kommen
Von Daniel Hund
Ludwigshafen. Kaum war es rum, das Handball-Derby zwischen der TSG Friesenheim und den Rhein-Neckar Löwen, da hatte Nikolaj Jacobsen schon sein Handy in der Hand. Der Däne fieberte mit, verfolgte via Smartphone den Liveticker vom Spitzenspiel, vom Knaller-Duell Berlin gegen Melsungen. Das war richtig spannend, endete mit einem 32:29-Sieg der Hauptstädter.
Die Geschichte von den Löwen und den Eulen ist hingegen schnell erzählt. Die Badener kamen, sahen und siegten. Feierten in der Vorderpfalz einen ungefährdeten 26:18 (14:7)-Erfolg. "Nach unserer sehr starken Anfangsphase war es heute vielleicht das Schwierigste, die Konzentration hochzuhalten", resümierte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Wunschlos glücklich war er nicht: "Wir", grummelte der Meistermacher, "wir haben für unser Niveau heute leider zu viele technische Fehler gemacht."
Die Stimmung war so, wie man sie sich wünscht, wenn zwei Vereine aus der unmittelbaren Nachbarschaft aufeinander treffen. Die Halle tobte, ganz viele Emotionen waren im Spiel. Und das schon weit vor dem Anwurf. Cool bleiben, nicht anstecken lassen von der Atmosphäre, lautete deshalb die Devise für die Löwen. Und die blieben cool, eiskalt schlugen sie zu. Hinten hexte Andreas Palicka, vorne spielten Andy Schmid und Co. den Friesenheimer Abwehrriegel schwindelig. In Zahlen: 10. Minute, Löwen 6, Friesenheim 1.
Benjamin Matschke, der Aufstiegstrainer der Eulen, hatte da schon einen leicht roten Kopf. Und der Frust musste raus: Auszeit! Aber es ging so weiter: Bei den Roten nahm die Verunsicherung von Minute zu Minute zu, bei den Gelben lief der Motor auf Hochtouren. Also tat Matschke das, was man als Handball-Trainer nicht gerne tut: Bereits in der 13. Minute - beim Stand von 1:9 - bat er zur zweiten Auszeit. Die fruchtete dann aber. Plötzlich war der Sturzflug der Eulen beendet, sie setzten zum Höhenflug an, holten auf, waren aber trotzdem nie auf Augenhöhe. In die Pause stiefelten die Löwen mit einem Sieben-Tore-Polster (14:7).
Was sollte da noch passieren? Nichts mehr! Friesenheim wehrte sich zwar tapfer, war aber chancenlos. Jacobsen verneigte sich trotzdem vorm Nachbarn: "Ich habe großen Respekt für ihre Leistung, sie haben nie aufgegeben und sind immer auf dem Gas geblieben."
Die Löwen werden nun erst einmal etwas auf die Bremse treten. Am heutigen Montag ist Regeneration angesagt - und zwar zusammen. Man trifft sich in einem großen Fitness-Center, trainiert ein wenig die Muckis, lässt die Bälle aber im Kronauer Trainingszentrum: "Ich denke, dass das ganz wichtig ist, die Jungs brauchen auch mal ein bisschen Abstand." Sagt Jacobsen, der laut Oliver Roggisch, dem Sportlichen Leiter der Löwen, ein Genie in der Trainingssteuerung ist. Es ist quasi die Ruhe vor dem Sturm, denn ab morgen rückt das Topspiel gegen die Berliner Füchse (Donnerstag, 19 Uhr, SAP Arena) in den Fokus. Manche können es kaum noch erwarten. Palicka zum Beispiel. Der hatte schon am Sonntag dieses Funkeln in den Augen, das es braucht, um in solchen Partien ans Optimum zu kommen. Der Schwede: "Genau für solche Spiele leben wir doch." Und weiter: "Keine Angst, wir werden ein Bomben-Spiel abliefern."
Neues gibt es auch in Sachen Trainer: Wie die RNZ gestern Abend aus gewöhnlich gut informierten Kreisen aus Dänemark erfahren hat, wird Jacobsen seinen bis 2019 laufenden Vertrag bei den Löwen nicht erfüllen. Er soll demnach schon im Sommer 2018 aufhören, um sich zunächst voll auf die dänische Nationalmannschaft konzentrieren zu können. Fakt ist: Geht Jacobsen tatsächlich vorzeitig, wäre das ein Riesen-Verlust. Er ist der Vater des Erfolgs. Meistermacher und Sympathieträger in einem. Andererseits wäre es auch verständlich. Denn seine Mission im Badischen hat er schon längst mehr als nur erfüllt. Normalerweise müsste man ihm ein Denkmal setzen. Eine XXL-Statue direkt vor der SAP Arena.
Spielfilm: 1:6, 1:9, 6:11, 7:14 (Halbzeit), 10:15, 13:21, 15:25, 18:26 (Endstand).
TSG Friesenheim: Dietrich 2, Scholz 1, Feld 4/2, Falk 3, Durak 1/1, Bührer 1, Schmidt 6.
Rhein-Neckar Löwen: Palicka 1, Schmid 3/1, Sigurdsson 3/2, Radivojevic 5, Mensah Larsen 6, Rnic 2, Pekeler 1, Guardiola 2, Petersson 3.

