MAZ: Vom Bankdrücker beim VfL zum Torjäger
Paul Weyhrauch wirft gegen HSV Hannover sieben Tore und führt das Team zum 30:24-Sieg gegen den HSV Hannover
Potsdam. Irgend etwas muss mit dem VfL Potsdam passiert sein. Vor drei Wochen zierten die Handballer mit drei Pünktchen das Tabellenende der 3. Liga. Seitdem wurden in drei Heimspielen der Tabellendritte Springe, Aufsteiger Hamburg-Barmbek und nun am Sonnabend vor 744 Zuschauern in der MBS-Arena auch der Fünfte, HSV Hannover, mit 30:24 (16:12) aus der Halle geschossen. Vom Abstiegskampf spricht keiner mehr, der VfL besetzt die Aufholspur.
Der Grund: Immer mehr Akteure pushen sich am Teamgeist der Mannschaft und nähern sich ihrem Leistungsvermögen. Gegen Hannover legte Paul Weyhrauch allen Ballast ab, flitzte leichtfüßig über den Hallenboden und schüttelte in der ersten Halbzeit bei sechs Versuchen sechs Tore aus dem Ärmel. Sogenannte leichte Tore mit Sprungwürfen. Der Rückraumspieler bildete mit Phil-Lukas Winter eine starke linke Angriffsseite.
Eine Woche vorher saß Weyhrauch auf der Bank
Dabei blies Weyhrauch eine Woche zuvor gegen Barmbek noch Trübsal. Der 27-Jährige saß 60 Minuten auf der Bank. Im anschließenden Training wurde ihm von Coach Daniel Deutsch versichert: „Du stehst gegen Hannover in der Anfangsformation.“ Das reichte, um den 1,93 Meter großen Spieler wachzukitzeln. Weyhrauch machte nach 42 Minuten Platz für andere und markierte in der Schlussphase seinen siebten Treffer.
Die Potsdamer gestatteten dem Gegner in beiden Abschnitten nur je zwölf Tore. Die Abwehr agierte erneut stark. Allen voran Torwart Angelo Grunz, der schon vor der Pause von den Fans gefeiert wurde. Weyhrauch: „Er ist ein Wahnsinnsrückhalt.“ Grunz agierte wie ein Hampelmann und entnervte bei seinen 14 Paraden die Angreifer aus Niedersachsen mit Paraden per Bein oder Arm. Er reckte die Faust, klopfte sich auf die Brust und trieb die Seinen wieder nach vorn. „Es gibt kaum einen Anbrüller von mir, die Abwehr vor mir hat sich stabilisiert.“ Laut Gunz hat das Mentaltraining zur Stabilität beigetragen. „Wir haben vor dem Spiel gegen Springe Drucksituationen simuliert und bei den Übungen Emotionen eingebracht“, so der 23-Jährige, der einst mit den Füchsen Berlin deutscher A-Jugend-Meister geworden war.
Deutsch hat nun mehr Spieler, die Verantwortung übernehmen
Trainer Deutsch kann jetzt die Verantwortung auf mehr Schultern verlagern. Die Zeiten, wo die erste Sieben nach der Pause ausgepowert war und die Wechselspieler den Faden verloren, sind vorbei. Gegen Hannover behauptete die Truppe im zweiten Abschnitt den Vier-Tore-Vorsprung und legte zum Ende sogar noch zu. Aufatmen bei Deutsch, der nach den Niederlagen manch schlaflose Nacht verbracht hatte.
„Wir spielen befreiter auf“, befand Weyhrauch. „Wir halten jetzt auch in der zweiten Halbzeit durch die Wechsel das Tempo hoch.“ Das gegenseitige Geben gehört dazu. „Wenn man das Vertrauen des Trainers spürt, dann liefert man auch“, sah er seinen Part.
Von Detlef Braune
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