EHF droht deutschen Handball-Topklubs: Champions League bald nur noch mit einem deutschen Klub?
Von Daniel Hund
Heidelberg. Die EHF Champions League mit nur noch einem deutschen Handball-Klub? Was sich im ersten Moment völlig abwegig anhört, könnte schon bald Realität sein. Das ist das Ergebnis einer Tagung, die am Dienstagabend in Wien stattfand. An ihr nahmen die Top-Klubs der Königsklasse und die EHF teil.
Bislang hatte Deutschland zwei fixe Startplätze und eine Wildcard. Die EHF will das nun ändern und droht der Handball-Bundesliga (HBL). Vor allem der neue deutsche TV-Vertrag mit Sky ist der EHF ein Dorn im Auge. Dieser sieht nämlich vor, dass die Bundesliga-Partien nur noch donnerstags, sonntags und in Ausnahmefällen auch samstags ausgetragen werden dürfen. Was die Spielpläne der Königsklasse durchkreuzt. Die Rhein-Neckar Löwen müssen dies am Wochenende ausbaden: Samstag steigt das Bundesliga-Spiel in Leipzig, Sonntag müssen die Gelben in Barcelona ran. Ein Unding, das es so noch nicht gegeben hat.
Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann war bei der Champions-League-Sitzung in Wien. Gestern war sie im RNZ-Gespräch noch leicht geschockt: "Ich bin sprachlos im Moment. Es muss eine Lösung im Sinne des Handballs gefunden werden." Und weiter: "Es sollte jeder einen Schritt auf den anderen zugehen."
Für die Löwen stand die Bundesliga in den vergangenen Jahren stets über allem. Doch auch auf die Königsklasse will niemand verzichten. "Aus der Mannschaft hört man immer wieder, dass man in dieser Saison gerne beim Final Four in Köln dabei wäre", berichtet Kettemann. Zudem sei die Aussicht auf die Königsklasse auch immer ein wichtiges Faustpfand bei der Verpflichtung neuer Spieler: "Die Jungs kommen ja nicht zu uns, weil wir ihnen besonders viel Geld zahlen. Sie kommen auch wegen der Chance auf die Königsklasse." Sagt Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen. "Man muss das Ganze ja auch mal kritisch hinterfragen. Ich wüsste gerne mal, was mit dem Welt-Handball passiert, wenn Deutschland nur noch einen Startplatz hätte. Denn die Bundesliga ist nach wie vor die stärkste Liga der Welt", ergänzt der lange Blonde.
Bislang ist ja aber auch noch nichts passiert. Es steht eine Drohung der EHF im Raum - nicht mehr und nicht weniger. Michael Roth, der aus Weinheim stammt und als Trainer beim ambitionierten Bundesligisten MT Melsungen arbeitet, sieht das ähnlich. Der Ex-Krösti betont: "Ehrlich gesagt kann ich es mir nicht vorstellen, dass sich die EHF eine Ausgrenzung der deutschen Vereine erlauben könnte."
Er selbst spielt mit seiner MT nicht in der Champions League. Das soll sich aber ändern. "Ab 2020 wären wir auch gerne dabei, aber diese Pläne könnten wir natürlich erst einmal wieder begraben, wenn tatsächlich nur noch der Meister dabei wäre", sagt Roth.
Die HBL pocht derzeit darauf, dass der Umfang der Champions League, mit ihrer aufgeblähten Gruppenphase, reduziert werden müsse. Roth beurteilt die Lage ähnlich, spricht aber auch die Problematik in Deutschland selbst an: "Hier wird auch nichts dafür gemacht, um die Belastung der Spieler zu minimieren. Weniger Spiele und eine kleinere Bundesliga würden helfen. Aber so lange keiner auf etwas verzichten will, wird sich die Situation nicht ändern."

