Geniestreich der Rhein-Neckar Löwen: "Sieben gegen Sechs - das haben wir clever gemacht"
Szeged. (dpa-lsw) Am Ende waren sie einfach nur noch genervt. Die Spieler von Pick Szeged wussten nicht mehr, was sie machen, wen sie decken sollten. Denn immer und immer wieder war ein Spieler der Rhein-Neckar Löwen frei. Konsequent agierte der Handball-Bundesligist am Sonntag in der Champions-League-Partie beim ungarischen Vizemeister mit dem siebten Feldspieler - es war der entscheidende taktische Schachzug und bescherte dem deutschen Meister einen 34:31 (19:14)-Sieg.
«Sieben gegen Sechs - das haben wir clever gemacht», freute sich Trainer Nikolaj Jacobsen nach seinem Geniestreich, der drei Tage zuvor bereits aufgegangen war. Bei der Bundesligapartie in Magdeburg hatte der Trainer nach 20 Minuten ebenfalls konsequent bei eigenem Ballbesitz den siebten Feldspieler aufs Parkett geschickt, seine Mannschaft gewann 32:29. «Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. In Szeged gewinnt man nicht so einfach», sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch. Denn was die Nordbadener da in Überzahl machten, war gut überlegt und endete fast immer mit einem Tor.
«Die Löwen sind so schon stark genug. Aber mit dem siebten Feldspieler sind sie ja praktisch gar nicht mehr zu schlagen», sagte Sky-Experte Stefan Kretzschmar noch nach der Partie in Magdeburg. Wenige Tage später bestätigte sich das in Szeged. Der neunfache Torschütze Andy Schmid führte klug Regie, fand immer wieder den freien Mann oder schloss einfach selbst erfolgreich ab.
Erst in der Schlussphase ließ es der Deutsche Meister ein wenig schleifen, was Schmid am meisten ärgerte. «Wir gewinnen mit drei Toren Differenz, aber eigentlich hätten es sieben oder acht Tore sein können. Das ärgert mich, weil ich schuld daran bin. Ich habe drei, vier Bälle weggeschmissen», sparte der Weltklasse-Akteur nicht mit Selbstkritik.
Durch den Erfolg bleiben die in der Champions League noch ungeschlagenen Löwen mit 10:2 Punkten im Kampf um den Gruppensieg, den Fokus legt der Meister allerdings weiterhin auf die nationalen Wettbewerbe - zumal es der November in sich hat. Nach zuletzt vier Partien in der Fremde stehen nun noch fünf weitere Auswärtsspiele in Serie an.
Am nächsten Samstag kommt es zunächst zur schweren Bundesligapartie beim SC DHfK Leipzig. Nur 24 Stunden später sind die Löwen in der Königsklasse beim FC Barcelona gefordert. Ein schwieriger Spagat, der an die Substanz geht. Doch beim Spiel Sieben gegen Sechs lassen sich ein paar Kräfte sparen.

