Rhein-Neckar-Löwen: Ein Feuerwerk der Außenspieler
Von Daniel Hund
Magdeburg. Stimmungs-Tempel gibt’s in der Handball-Bundesliga einige. Die Getec-Arena in Magdeburg ist einer von ihnen. Beim Altmeister ist immer Alarm, die Fans sind der achte Mann. Fanatisch stehen sie hinter ihrem Verein. Klatschen und pfeifen, schüchtern die Gegner ein. Die Rhein-Neckar Löwen bekamen davon gestern mal wieder eine Kostprobe. Doch die Gelben blieben cool, waren im Tunnel und gaben die richtige Antwort: Mit 32:29 (15:11) stürmte der Meister die SCM-Heimfestung. "Wir wollten in einer der schwierigsten Hallen in Deutschland zwei Punkte und das ist uns gelungen", lachte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen.
Der Meistermacher schickte sofort die Elite raus. Und die legte los wie die Feuerwehr: Drei Versuche, drei Treffer. Ein schnelles 3:1 war der Lohn (3.). Weiter ging es mit zwei Hauptdarstellern, die von ihren Reflexen leben. Magdeburgs Jannick Green und Löwe Mikael Appelgren, die Hexer-Fraktion. Beide glänzten mit atemberaubenden Paraden in Serie, schienen kurzzeitig unbezwingbar zu sein. Vor allem Appelgren, der Schwede, der mit der langen blonden Löwen-Mähne, schaukelte sich in einen rauschähnlichen Zustand hoch.
Das zeigte sich auch am Ergebnis. Mit 7:4 lagen sie nach 15 Minuten vorne, die Löwen, wirkten stabil, waren hellwach. Eben genau die Zutaten, die es braucht, um in Magdeburg etwas reißen zu können. Doch die Heim-Sieben blieb dran. Michael Damgaard sei Dank. Der Däne machte einen Super-Job. Im Rückraum ist er ein Alleskönner. Seine Pässe sitzen, seine Würfe treffen. Tore am Fließband sind seine Spezialität. Bis zur Pause schenkte er den Badenern fünf Treffer ein.
Jacobsen ärgerte das - und er stellte ab der 20. Minute dann um. Der Taktikfuchs opferte den Keeper und stürmte mit sieben Feldspielern. Überzahl war das Motto. Und mittlerweile weiß ganz Handball-Deutschland: Wenn Jacobsen etwas macht, dann macht er es richtig. Aus einem engen Spiel wurde plötzlich ein entspanntes. Mit Löwen, die bis auf fünf Tore wegzogen. In die Pause ging es mit einem Vier-Tore-Vorsprung (15:11).
Stimmt, ein Polster ist anders. Andererseits muss man beim SCM erst mal so führen. Das schaffen nicht viele. Ein Meister schon. Und der spielte selbstbewusst weiter. Begeistern konnten diesmal auch die Außen: Gudjon Valur Sigurdsson und Patrick Groetzki brannten auf den Flügeln ein Feuerwerk ab. Zusammen brachten sie es auf zwölf Tore. Groetzki fünf, Sigurdsson sieben. Trotzdem stand gestern einer über allen. Nämlich Appelgren. Seine Form lässt die Gegner erzittern. Mal ist er auf dem falschen Bein, mal liegt er schon - drin ist der Harzball deshalb aber noch lange nicht. "Manchmal zahlt sich ein Videostudium eben aus", lachte der Löwen-Keeper.
Dass es am Ende kein Schützenfest wurde, lag an den Löwen selbst. Die leisteten sich in der Endphase einige technische Fehler und unkonzentrierte Abschlüsse.
Magdeburg: Quenstedt 1, Musa, Chrapkowski 2, Musche 1, Pettersson 2, Christiansen 2, Mertens 1, Bezjak 3, Weber 2/2, Kalarash 2, Damgaard 8, Zelenovic 3.
Löwen: Groetzki 5, Mensah 4, Schmid 7/2, Pekeler 4, Baena 4, Sigurdsson 7, Petersson 1.
Spielfilm: 1:3, 2:5, 8:9, 9;14, 11:15 (Halbzeit), 14:16, 16:20, 19:25, 23:26, 24:30, 26:31, 29:32 (Endstand).

