Handball Champions League: Rhein-Neckar Löwen loben die Reform
Wien. (dpa/dh) Die Reform der Champions League im Handball ist beschlossene Sache - doch bei den deutschen Topvereinen hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. Ab der Saison 2020/21 spielen nur noch zwölf Teams in der Königsklasse um den wichtigsten Titel auf dem internationalen Parkett, teilte die Europäische Handball-Föderation (EHF) am Freitag mit. Für die deutschen Topvereine bedeutet dies mindestens einen Startplatz weniger und noch mehr Terminstress.
Künftig sind nur noch die Meister der acht besten Nationen sowie vier weitere Mannschaften, die mit Wildcards ausgestattet werden sollen, in der Champions League dabei. Darunter wird eine European Handball League mit 24 Teams eingeführt. Der EHF-Pokal ersetzt dann als dritter Wettbewerb den derzeitigen Challenge Cup. "Mit diesen Änderungen wird die EHF in der Lage sein, ein umfassendes ganzjähriges Angebot von sportlichen Highlights anzubieten, das die Fans fasziniert", sagte EHF-Präsident Michael Wiederer in einer Mitteilung der Dachorganisation.
Die Rhein-Neckar Löwen stehen dem neuen Modus positiv gegenüber. Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann sagt im RNZ-Gespräch: "Ich finde es generell gut, dass da etwas passiert. Dass die Klubs nun ein Mitspracherecht bekommen, ist ein Meilenstein. Und wenn man ehrlich ist, ist die Champions League derzeit nicht sonderlich attraktiv, wenn von acht Mannschaften in der Gruppe sechs weiter kommen." Aber auch: "Ein Nachteil ist sicherlich, dass dann nochmals sechs Spiele mehr anstehen. Dazu muss eine Lösung gefunden werden." Eine Idee sei, dass die deutschen Vertreter beispielsweise erst später in den DHB-Pokal eingreifen müssen.
Der geplante Modus in der Königsklasse sieht zunächst ein Ligasystem vor, in dem jeder zweimal gegen jeden spielt. Die besten Acht qualifizieren sich für das Viertelfinale. Danach folgt das Final 4, das seit 2010 in Köln ausgetragen wird. Bis zum Triumph müssen die Vereine damit 26 Spiele absolvieren - sechs mehr als bisher.
Als feste Spieltage in der Champions League, die mittelfristig auf 16 Mannschaften aufgestockt werden könnte, sind Dienstag und Mittwoch vorgesehen. Dies würde mit dem Donnerstag als Bundesliga-Spieltag kollidieren und die HBL vor weitere Terminprobleme stellen.
In der neu geschaffenen European League werden die Teilnehmer in vier Gruppen zu je sechs Teams gelost, die jeweils besten Vier erreichen das Achtelfinale. Es folgen das Viertelfinale und das Final 4. Der EHF-Cup soll im K.o.-Modus ausgetragen werden.
Auch die Frauen-Wettbewerbe werden reformiert - allerdings nicht so umfassend. Die Champions League steigt weiter mit 16 Teams, die künftig aber in zwei Vorrundengruppen zu je acht Mannschaften die Viertelfinalisten ermitteln. Die European League wird im derzeitigen Modus des EHF-Pokals ausgetragen.
Abgerundet wird die internationale Handball-Revolution durch die bereits zuvor beschlossene Aufstockung der Europameisterschaft, die ab 2020 mit 24 statt bisher 16 Teams stattfindet. Die EHF erhofft sich dank der zahlreichen Neuerungen Millionen-Erlöse aus den TV-Rechten, die für den Zeitraum von 2020 bis 2030 ausgeschrieben worden sind. Bislang gibt es laut EHF-Angaben 25 Interessenten.

