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Rhein-Neckar Löwen: Andy Schmid wirft sein Team an die Tabellenspitze

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Von Daniel Hund

Wetzlar. Am Ende war es eine Party, ein gelb-blaues Fan-Fest: Unten auf der Platte schickten die Rhein-Neckar Löwen eine La-Ola-Welle nach der anderen auf die Reise. Oben wurden derweil die bekannten Schlachtgesänge angestimmt. "Auswärtssieg, Auswärtssieg", schallte es durch die Rittal-Arena in Wetzlar. Die war da schon längst in badischer Hand, erobert von bissigen Löwen. Von deutschen Handball-Meistern, die auf dem besten Weg sind den Titel-Hattrick zu schaffen. Mit 31:24 (14:10) waren die Gelben soeben über die so heimstarke HSG hinweggefegt.

Selbst Andy Schmid, der Chef in der Löwen-Manege, schien ein wenig berauscht von der eigenen Gala zu sein: "Das war heute schon sehr, sehr gut von uns", lächelte der Denker und Lenker, "hier ist es immer richtig schwer, deshalb sind das auch ganz wichtige Punkte für uns."

Und wie wichtig die sind! Sie verhalfen den Löwen am Sonntag ganz nebenbei noch zum Gipfelsturm: Berlin kassierte in Hannover ein 27:33 - dank der besseren Tordifferenz zogen Schmid und Co. nun an den Hauptstädtern vorbei, sind Spitzenreiter. Klar, nur eine Momentaufnahme, allerdings eine schöne. Das nickt auch Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen ab: "Ich freue mich immer, wenn ich Tabellen-Erster bin, am liebsten bin ich aber zum Schluss ganz vorne."

Der Anfang in Wetzlar war zäh, durchwachsen. Hinten drin fehlte die Stabilität. Da waren Riesen-Löcher im Löwen-Abwehrriegel. Vorne gab Schmid den Alleinunterhalter. Drei der ersten vier Löwen-Treffer steuerte der Schweizer bei. 4:4 stand es da (5.). Und so ging es weiter. Eng. Umkämpft. Auf Augenhöhe. Bis, ja bis einer besser in die Partie fand, der bis dahin kein Faktor war. Nämlich Torhüter Mikael Appelgren, der Löwen-Hexer. Unterstützt durch die eigene Defensive zeigte er vier Paraden in Serie und verhalf den Löwen so zu einem 5:0-Lauf. Von 5:6 auf 10:6 (18.). Gut sah’s nun aus. So einfach, so selbstverständlich. Und das in einem echten Hexenkessel, in dem die Großen gerne mal straucheln. Auch der Rekordmeister THW Kiel ging hier in dieser Saison schon baden.

Dass den Löwen ähnliches passieren könnte, schien ausgeschlossen zu sein. Die marschierten nämlich weiter, schossen sich in der 23. Minute ein 12:6 heraus. Ein Sechs-Tore-Polster, das bis zur Pause noch auf vier Treffer zusammen geschmolzen ist (14:10). Schmid wurmte das ein wenig: "Eigentlich müssen wir da bereits mit sechs oder sieben Toren führen", sagte er.

Aber musste man sich wirklich Sorgen machen? Nicht wirklich. Selbst ohne Alexander Petersson, der wegen starkem Fieber gar nicht erst nach Wetzlar gereist war, spielten die Löwen ihren Stiefel runter. Und für die Highlights sorgte weiterhin ein gewisser Herr Schmid. Stark spielt der bekanntlich immer, diesmal befand er sich aber im Tunnel, rauschte nur so über die Hessen hinweg: Neben vielen genialen Pässen erzielte er zwölf Treffer selbst. "Einfach überragend", fand Wetzlars Trainer Kai Wandschneider.

Weiter geht es für die Löwen am Mittwoch mit einer Art Freilos. Und genau darin liegt die Gefahr: Um 19.30 Uhr treffen die Löwen im Achtelfinale auf den TuS Ferndorf. Ein Drittligist, der die Jacobsen-Sieben in der Gummersbacher Schwalbe Arena empfangen wird. Verlieren kann man da eigentlich nicht. Das weiß auch Jacobsen, sagt es aber nicht. Er macht seinen Job, warnt: "Wichtig ist, dass wir auch diesen Gegner ernstnehmen. In der Dritten Liga sind sie ungeschlagen."

Wetzlar: Holst 5/4, Hermann 4, Bjornsen 4, Kohlbacher 3, Ferraz 3, Lindskog 2, Cavor 2, Forsell 1.

Rhein-Neckar Löwen: Schmid 12, Sigurdsson 5/3, Mensah Larsen 4, Pekeler 4, Reinkind 4, Groetzki 1, Guardiola 1.

Spielfilm: 2:2, 6:5, 6:10, 6:12, 10:14 (Halbzeit), 12:18, 16:23, 18:25, 24:29, 24:21 (Endstand)

Zuschauer: 4421.

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