Handball-Champions League: Mensah Larsen entwickelt sich bei den Rhein-Neckar Löwen zum Leistungsträger
Von Daniel Hund
Mannheim. Es hatte etwas von Abschied. Gut, der ganz große Herzschmerz kam nicht auf. Dafür aber eine Extraportion Fassungslosigkeit. Denn das, was den Rhein-Neckar Löwen in den nächsten Wochen und Monaten blüht, ist schwer in Worte zu fassen: Es folgen neun Auswärtsspiele in Folge. Reisestress pur! Und der lässt Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen nachdenklich werden. "Ich habe so etwas noch nie erlebt und kann es auch nicht verstehen, dass so etwas überhaupt festgelegt wird." Grübelt der Däne im RNZ-Gespräch und legt nach: "Für uns kann diese Zeit teuer werden." Oder anders: In den kommenden neun Partien kann viel verspielt werden, können Titelträume platzen wie Seifenblasen.
Selbst die erneute Champions-League-Gala gegen den RK Zagreb, den die Badener am Donnerstagabend mit 31:24 in der SAP Arena abfertigten, konnte Jacobsen nicht aufmuntern. Dabei hat er dort viel von dem gesehen, was er gerne sieht: eine Abwehr, die einem Bollwerk glich, einen Spielmacher, der vorne drin einen Zauberpass nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte und Ergänzungsspieler, die ihre Chance nutzten. Ein nahezu perfekter Handball-Abend also, doch der überraschte eigentlich nicht. Jacobsen ohnehin nicht. Der Meister-Trainer: "Wir haben derzeit einfach das Selbstvertrauen, das du brauchst, um solche Leistungen konstant abrufen zu können."
Es scheint fast so, als könnte Jacobsen machen, was er will - es klappt einfach. Selbst Spieler wie ein Filip Taleski, 21, oder Harald Reinkind, 25, sind plötzlich mehr als nur Alternativen. Sie zünden, und zwar vorne und hinten. Sie treffen und verteidigen auf höchstem Niveau.
Gleiches gilt für Mads Mensah Larsen, 26. Der Däne ist auf dem besten Weg, sich vom ewigen Talent zum absoluten Leistungsträger zu entwickeln. Gegen Zagreb brannte er mal wieder ein Feuerwerk ab. Im Königsklassen-Duell traute er sich viel und wurde belohnt. Sechs wuchtige Treffer aus dem Rückraum gingen auf seine Kappe. Gut möglich, dass er am Ende auch im zweistelligen Bereich gelandet wäre - wenn Jacobsen ihn gelassen hätte. Doch der Trainer ging auf Nummer sicher, setzte Mensah Larsen nur dosiert ein. Schuld ist seine Vorgeschichte, die starken Rückenschmerzen, die ihn zuletzt komplett außer Gefecht gesetzt hatten. Nach dem Zagreb-Spiel war der Olympiasieger von 2016 dann einfach nur happy: "Ich habe mich noch vor ein paar Wochen in einem kleinen Loch befunden, jetzt ist das Selbstvertrauen aber zurück."
Pünktlich zum Start des Auswärtsmarathons, der für die Löwen am Sonntag ab 12.30 Uhr in Wetzlar beginnt, will Mensah Larsen nun noch ein paar Prozent drauf packen. Leicht wird’s bei den Hessen nicht. Vor ein paar Wochen bekam dort auch der ruhmreiche THW Kiel auf die Ohren. Mit acht Toren Differenz (22:30) zogen sie gegen Wetzlar den Kürzeren. Doch die Löwen können es eben auch auswärts: Am letzten Samstag schossen sich Andy Schmid und Co. in der Königsklasse zu einem 35:22 in Kristanstad. Jacobsen erinnert sich gerne daran zurück: "Dort haben wir mit acht Mann und 13 Toren Unterschied gewonnen."

