Rhein-Neckar Löwen: Für Trainer Jacobsen ist die nahe Zukunft "der Wahnsinn"
Von Daniel Hund
Mannheim. "Man kann schon sagen, dass die Rhein-Neckar Löwen momentan den wohl besten Handball in der Liga spielen." Sagt Adalsteinn Eyjolfsson. Der Mann mit dem komplizierten Namen ist Trainer von Beruf. Und am Donnerstagabend stand er in der ersten Reihe, als die Löwen seinen TV Hüttenberg zerlegten, ihn mit einer 21:31-Pleite zurück auf die Autobahn schickten. Vor allem in der zweiten Halbzeit war es ein Klassenunterschied. Die Abwehr stabil, der Angriff ideenreich. Auf und davon zogen sie, die Löwen. Und das, obwohl diesmal eher andere glänzten. Trainer Nikolaj Jacobsen hatte die Rotationsmaschine angeworfen.
Gut, Kapitän Andy Schmid glänzte auch gegen Hüttenberg wieder als Regisseur. Aber seine Nebenleute waren andere: Harald Reinkind und Filip Taleski zum Beispiel. Reinkind zahlte das Vertrauen mit sieben Toren eindrucksvoll zurück - und auch Taleski zeigte sich. Der 21-Jährige probierte viel, nahm sich die Würfe, baute aber jedoch den einen oder anderen technischen Fehler mit ein. "Er ist ja aber auch noch sehr jung. Filip hat das wirklich gut gemacht", lobt Jacobsen.
Wenig später war die gute Laune beim dänischen Meistermacher dann aber verflogen. Ein kurzer Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate genügte, um ihm die Zornesfalten auf die Stirn zu treiben. "Das, was da auf uns zukommt, ist der Wahnsinn", grummelte er, "das ist eigentlich schon fast lächerlich." Was er meint? Na die neun Auswärtsspiele in Serie, auf die die Löwen unaufhaltsam zu steuern.
Das Champions-League-Duell am nächsten Donnerstag gegen Zagreb ist die vorerst letzte Partie vor dem eigenen Anhang. Gerade im November ist der Reisestress gigantisch. Jacobsen, der Nachdenkliche: "Da sind dann zudem vier, fünf richtig schwere Spiele dabei. Der November wird darüber entscheiden, ob es für uns in dieser Saison für ganz oben reicht, oder eben nicht."
Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Höhenflugs sind jedenfalls nicht schlecht. Denn trotz der fast schon unmenschlichen Flut an Spielen haben die Badener bislang keine schweren Verletzungen zu beklagen. Lediglich Mads Mensah Larsen war gegen Hüttenberg leicht gehandicapt. Schmerzen im Rücken zwangen ihn auf die Bank.
Mensahs Pech könnte das Glück von Momir Rnic sein. Dem eigentlichen Hoffnungsträger auf der Königsposition, der seit Saisonbeginn seiner Form hinterherläuft. Laut Jacobsen wird der Serbe wohl schon heute zurück ins Rampenlicht kehren. In Kristianstad. Bei den wieselflinken Schweden. Ab 17.30 Uhr ist nämlich mal wieder Champions-League-Zeit. Die Vorfreude hält sich aber in Grenzen. Schuld ist das kräftezehrende Monsterprogramm der letzten Tage. Jacobsen: "Ich habe den Jungs schon gesagt, dass es in Kristianstad nur über den Zusammenhalt gehen wird."
Hilfreiche Tipps kann sicher auch Löwen-Neuzugang Jerry Tollbring geben. Der Linksaußen wechselte im Sommer die Seiten, kam aus Kristianstad. Dementsprechend motiviert dürfte er heute an seiner alten Wirkungsstätte sein…

