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Rhein-Neckar Löwen: Handball kann (gegen Minden) so einfach sein

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Von Daniel Hund

Mannheim. So entspannt hat man ihn selten gesehen: Trainer Nikolaj Jacobsen lächelte, machte Witze, klatschte immer wieder Beifall. Richtig, der Jacobsen, der ansonsten 60 Minuten unter Starkstrom steht, wenn seine Rhein-Neckar Löwen über die Platte rasen. Grollt und schmollt.

Gegen GWD Minden war am Mittwochabend nun alles anders. Da gab der Däne den Gute-Laune-Onkel, war tiefenentspannt. Das lag am Spiel, am Einbahnstraßen-Handball, mit dem die Gelben GWD Minden regelrecht überrollten. Auch Ex-Handball-Star Frank von Behren, der in Minden als Sportlicher Leiter arbeitet, war nach der 22:37-Pleite seiner Mannschaft noch leicht irritiert: "Die Wucht, mit der die Löwen uns heute geschlagen haben, war schon beeindruckend."

Frank Carstens, sein Trainer, sprach hernach von einer "einstündigen Lektion". Von einem "Klassenunterschied".

Widersprechen konnte man beiden nicht. Es war eine Gala in zwei Akten. Hochgeschwindigkeits-Handball in Perfektion. Schade nur, dass es für diese Machtdemonstration lediglich zwei Punkte gab.

Doch das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit, denn irgendwie waren es doch vier Zähler. Die anderen zwei wurden gewissermaßen an der Ostsee eingefahren. Im hohen Norden strauchelte nämlich zeitgleich der ruhmreiche THW Kiel, der Topfavorit auf den Titel, der Verein mit dem größten Etat in Deutschland. Mit 29:31 musste sich der Rekordmeister dem TSV Hannover-Burgdorf beugen. "So richtig geärgert hat mich das natürlich nicht", grinste Jacobsen bis über beide Ohren. Aber nur kurz, schnell war er wieder Mahner und Warner: "Jetzt", sagte er, "jetzt müssen wir auch Hannover im Auge haben, die haben jetzt Flensburg und Kiel bezwungen."

Nun folgt ein volles Programm

Zurück zu den Löwen, hin zu einem, der sich sofort in die Herzen der Fans gespielt hat: Jerry Tollbring. Gerade mal 21 Jahre hat der auf dem Buckel, auf dem linken Flügel ist er aber schon jetzt ein Großer. Vor dem gegnerischen Tor gleicht er einer Maschine, arbeitet präzise und unaufgeregt.

"An ihm werden wir über Jahre viel Freude haben", sagt Jacobsen. Der Anhang feierte den achtfachen Torschützen bereits bei seiner Heim-Premiere mit "Jerry-Jerry-Sprechchören".

Da staunte auch Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen, nicht schlecht. Der Zwei-Meter-Mann mit einem Lächeln auf den Lippen: "Jerry hat hier offenbar sofort einen Super-Eindruck hinterlassen."

Man könnte glatt vergessen, dass er eigentlich nur die Nummer zwei ist. Der Backup des verletzten Altmeisters Gudjon Valur Sigurdsson. Doch der wird am nächsten Wochenende zurück erwartet. Und das hat es in sich: Freitags muss der Meister in Gummersbach ran, sonntags kreuzt der FC Barcelona in der SAP Arena auf. Die Titelhamster aus Katalonien also, Angst haben die Löwen aber keine. Die Gala gegen Minden macht Mut - und die war übrigens generalstabsmäßig geplant. Jacobsen hatte Anfang der Woche das Training umgestellt. Ihm gefiel nicht, was er in Flensburg gesehen hatte. Zu behäbig, viel zu langsam ging es dem Meistermacher in Richtung gegnerisches Tor. Also wurden Tempo-Gegenstöße geübt, überfallartige Aktionen. Immer wieder und wieder. Und das fruchtete: Gegen Minden glückten alleine in der ersten Halbzeit acht Tempo-Gegenstoß-Tore. Handball kann so einfach sein...

Aber eben auch anstrengend. An diesem Wochenende rücken deshalb die Familien in den Fokus: "Das wird für lange Zeit das letzte Mal sein, die nächsten Wochen sind richtig vollgepackt", blickt Roggisch voraus, stöhnt aber nicht. Denn sie arbeiten gerne, diese Löwen. Die Sucht nach Erfolgen treibt sie an.

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