Rhein-Neckar Löwen gegen Minden: Hinten stabil, vorne trickreich und pfeilschnell
Von Daniel Hund
Mannheim. Der Außenring leuchtete. Er erstrahlte endlich mal wieder in gelb und blau. Den Farben der Rhein-Neckar Löwen. Seit Mitte Juni sah sie so schon nicht mehr aus, die Mannheimer SAP Arena. Damals waren die Löwen letztmals im "Ufo" am Ball. Jubelten. Feierten. Tanzten den Meister-Blues.
Gestern hatte sie nun der Bundesliga-Alltag wieder: 4639 Zuschauer, GDW Minden als Gegner - ganz großes Handball-Kino ist anders. Aber das Ergebnis stimmte: Die Löwen krallten sich beide Punkte, gewannen mit 37:22 (20:11) und zeigten, dass auch in der Saison 2017/18 mit ihnen zu rechnen ist. "Wenn wir über 60 Minuten konzentriert spielen, sind auch solche Ergebnisse möglich", lächelte Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter, nach getaner Arbeit, "außerdem war es natürlich super, dass wir mal wieder daheim gespielt haben. Wir hatten schon einen langen SAP-Arena-Entzug."
Hans, 52, aus Ludwigshafen war besonders auf einen gespannt: Momir Rnic, 29, den neuen Mann von der Königsposition, der "Frührentner" Kim Ekdahl du Rietz in dieser Saison ersetzen soll. "Er hat ja Super-Anlagen, wirkte in den ersten beiden Auswärtsspielen aber noch etwas übermotiviert", sagte Hans rund 30 Minuten vor Spielbeginn. Da steuerte er gerade den Stehplatz-Bereich an. Dort, wo die Treuesten der Treuen stehen. Die mit den Trommeln und den Klatschpappen. Und die waren bei der Heimpremiere sofort wieder auf Betriebstemperatur, gaben Vollgas.
Genau wie die Asse auf der Platte, die legten los wie die Feuerwehr. Hinten stabil, vorne trickreich, pfeilschnell. 5:1 stand es nach sechs Minuten. Früh deutete sich ein Schützenfest an. Gäste-Trainer Frank Carstens wirkte da schon recht verzweifelt und hatte kurz darauf erst einmal genug gesehen: Er zog die Notbremse, wollte den Löwen-Express zumindest kurzzeitig stoppen und bat zur Auszeit.
Erste Krisengespräche standen also an, Ideen mussten her. Mittel und Wege gegen das drohende Debakel der Ostwestfalen in der Kurpfalz. Gefunden wurden sie nicht. Es ging weiter mit Einbahnstraßen-Handball. Nach 13 Minuten leuchtete ein 9:2 vom Mega-Videowürfel in der SAP Arena. Und auch Rnic, das Sorgenkind, war diesmal voll auf Ballhöhe. Mal glänzte er als Torschütze, mal als Passgeber. Gefürchtet ist aber vor allem sein rechter Wurfarm. Der ist ein echter Dampfhammer. Ansatzlos knallt er mit ihm die Bälle aufs Tor. Bis zur Pause probierte er es zweimal - und zweimal zappelte der Ball kurz darauf im Netz. Richtig, besser geht’s nicht.
Jerry Tollbring, 21, ebenfalls neu in der Löwen-Manege, war vielleicht noch einen Tick besser. Auf der linken Außenbahn war der junge Schwede kaum zu halten. Acht Tore gingen auf seine Kappe.
Und ein paar Minuten nach der Schlusssirene in Mannheim war es dann sogar ein perfekter Abend: Der THW Kiel, der Topfavorit auf den Titel, kassierte zuhause ein 29:31 gegen Hannover ...
Spielfilm: 2:0, 6:1, 9:2, 11:4, 13:7, 19:10, 20:11 (Halbzeit), 24:12, 27:13, 32:16, 34:18, 36:20, 37:22 (Endstand)
Rhein-Neckar Löwen: Schmid 9/6, Radivojevic 2, Baena 2, Tollbring 8, Rnic 2, Mensah Larsen 4, Pekeler 2, Groetzki 4, Reinkind 3, Taleski 1.

