Rhein-Neckar Löwen: Rnic will den Meistertitel gewinnen
Von Michael Wilkening
Kronau. Momir Rnic weiß, wie groß die Lücke ist, die er ausfüllen soll. "Kim hat in der vergangenen Saison überragend gespielt", sagt der Serbe und seine Mimik verrät, wie beeindruckt er von den Leistungen des Mannes war, der die Rhein-Neckar Löwen inzwischen verlassen hat. Kim Ekdahl du Rietz war fünf Jahre lang ein zentraler Baustein beim aktuellen Deutschen Handball-Meister und vermutlich würde sich jeder Spieler schwer damit tun, ihn zu ersetzen. Rnic hat die Herausforderung angenommen und ein Jahr Zeit, die Verantwortlichen bei den Badenern von sich zu überzeugen.
In den ersten Testspielen während der Vorbereitung auf die neue Saison hat der 29-Jährige schon gezeigt, welche Qualitäten ihn auszeichnen. Mit gewaltiger Kraft aus dem Rückraum gelingen ihm spielerisch wirkende Tore. Und genau die erhoffen sich die Rhein-Neckar Löwen auch in den kommenden Monaten, wenn die Mannschaft in drei Wettbewerben gefordert ist. "Ich baue darauf, dass mich Andy Schmid durch starke Kreuzungen in gute Wurfpositionen bringt und ich dann meine Stärke ausspielen kann", sagt Rnic.
Schon nach wenigen Trainingseinheiten hat er den Eindruck gewonnen, den richtigen Schritt begangen zu haben. "Ich glaube, in einer so guten Mannschaft habe ich noch nie gespielt", sagt der Mann aus dem linken Rückraum, der in Deutschland drei Jahre bei Frisch Auf Göppingen und drei Jahre bei der MT Melsungen unter Vertrag stand.
Jetzt ist er bei einem Verein angekommen, der Titel gewinnen kann - und Rnic will Titel gewinnen. "Dafür werden wir in den nächsten Monaten alles geben, damit die Fans wieder etwas zu feiern haben", sagt er. Die erste, wenn auch kleine, Chance dazu gibt es bereits am 23. August, wenn es in Stuttgart gegen den Pokalsieger THW Kiel um den Sieg im Supercup geht. "Bis dahin wird unser Zusammenspiel hoffentlich noch besser, bis dorthin wollen wir bereit sein", sagt Rnic.
Nicht nur beim Kampf um den Supercup, sondern von dort an in jedem Pflichtspiel wird es für den Rückraumspieler darum gehen, mitzuhelfen, die Ziele mit der Mannschaft zu erreichen.
Gleichzeitig muss sich der Serbe selbst ins Schaufenster stellen, denn sein Vertrag bei den Löwen läuft nur bis zum 30. Juni 2018. Die Ausgangslage ist schwierig, sofern der Spieler nicht in der Lage ist, egoistische Gedanken auszublenden. Rnic macht nicht den Eindruck, dieser Gefahr erliegen zu können.
Frühzeitig hatte der Klub die Verpflichtung von Steffen Fäth ab 2018 bekannt gegeben, der wie der Serbe im linken Rückraum spielt. Es könnte also darauf hinauslaufen, dass Rnic zu diesem Zeitpunkt einen neuen Arbeitgeber benötigt. Oder doch nicht? "Ich werde alles tun, um die Leute hier zu überzeugen", sagt er entschlossen.
Möglicherweise wollen sich die Rhein-Neckar Löwen in einem Jahr im Rückraum noch etwas breiter aufstellen und für diesen Fall will er die erste Option sein.
Gefallen hat er an seinem neuen Klub schließlich längst gefunden. "Das Umfeld, die Trainingshalle, die Teamkameraden, das ist alles wirklich traumhaft", berichtet Rnic. Und die hohen Erwartungen, die wegen seines Vorgängers an ihn gerichtet sind, lösen in dem 29-Jährigen aktuell noch keine Nervosität aus. Momir Rnic ist überzeugt von seinen Fähigkeiten - und das ist auch nötig, wenn er die großen Ziele gemeinsam mit den Löwen erreichen will.

