Stadionsprecher-Legende Udo Scholz: Von Dortmund über den Betzenberg zu den Adler Mannheim
Von Tillmann Bauer
Friedelsheim. Udo Scholz hat die Welt gesehen. Besser: Er hat die Stadien der Welt gesehen. Scholz, 78, ist in den Arenen zu Hause. Ob Fußball, Handball oder Eishockey. Er ist immer direkt am Spielgeschehen. Früher und auch noch heute. Er gibt dem Live-Sport eine Stimme und ein Gesicht, und er hat wirklich schon alles erlebt - die schönen aber auch die negativen Seiten des Sports.
"Meine Familie hat immer gesagt: Udo, Du babbelst so viel, schreib’ es doch einfach mal auf", so Scholz. Die lebende Stadionsprecher-Legende hat also ein Buch verfasst. Es trägt den Titel "Ein Leben für das Mikrofon", ist im Gerhard-Hess-Verlag erschienen und beinhaltet auf rund 200 Seiten viele lustige Anekdoten aus seinem Leben als Stadion- und Hallensprecher.
So erzählt der in Lüdenscheid geborene Scholz von seinen Anfängen als Stadionsprecher bei Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga. Gemeinsam mit dem BVB feierte er die Deutsche Meisterschaft, den Pokalsieg und 1966 sogar den Europapokal-Triumph. Dann ging es für Scholz Richtung Süden: Es kam die Zeit auf dem Betzenberg, im Fritz-Walter-Stadion beim FC Kaiserslautern. Der große Durchbruch: Scholz erfand dort 1986 den berühmten Schlachtruf "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" beim Spiel gegen den großen FCB.
Egal, wo gerade etwas Wichtiges in der Sportwelt passierte, Scholz war mit dabei. "Es war immer Leben in der Hütte, wir haben Real Madrid mit 5:0 geschlagen - das war schon unglaublich." Zeitgleich begann Scholz nach Anfrage von SGL-Manager Uli Roth als Hallensprecher bei der SG Leutershausen an der Bergstraße auch den Handballsport zu begleiten - noch heute sitzt er bei den "Roten Teufeln" hinter dem Mikrofon. Zu seiner großen Liebe, dem Eishockey, kam er erst 1994. Ein Highlight, wie der unerfahrene Udo Scholz damals sein erstes Eishockey-Spiel beim MERC, den heutigen Adlern aus Mannheim, im Friedrichspark kommentierte - ohne jegliche Ahnung von der Sportart zu haben.
Der ehemalige Adler-Manager Marcus Kuhl hatte ihn spontan angerufen und gesagt, er solle das mal probieren. Scholz erinnert sich genau: "Der Schiedsrichter kam auf mich zugefahren und machte eine komische Handbewegung." Dass damit eine Zeitstrafe gemeint war, wusste er nicht - also sagte er sie nicht durch. Dann war Pause: "Da habe ich den Zuschauern eine schöne Halbzeit gewünscht." Dabei ist ein Eishockey-Match in Drittel eingeteilt - und es war gerade einmal das erste gelaufen.
Doch so holprig der Start auch war, es sollte nicht die letzte Eishockey-Partie sein, die er für die Adler begleiten durfte. Noch heute, über 20 Jahre später sitzt er am Spielfeldrand und fiebert bei jeder Partie, jeder Aktion in der SAP-Arena mit. Aufhören? Das möchte Scholz noch nicht.
"Ich hoffe, ich kann noch ein bisschen weitermachen, ich habe noch einiges vor", lacht er, "wenn ich mit den Adlern zehn Titel gewonnen habe, trete ich gerne ab - da fehlen aber noch zwei. Eine Meisterschaft mit den Adlern feiern, das ist wirklich unglaublich und eines der schönsten Dinge, die ich erleben durfte."
Doch auch außerhalb der Arenen hat Scholz noch Aufgaben zu betreuen; er engagiert sich sozial. Mit dem Projekt "Adler helfen Menschen" hat er zwei Kindervesperkirchen ins Leben gerufen - in Heidelberg und Ludwigshafen bekommen dadurch 160 Kinder täglich eine warme Mahlzeit. "Das ist mir wichtig, ich möchte helfen und etwas zurückgeben", so die Sprecher-Legende.
Und so sitzt er nun in seiner eigenen Weinstube in Friedelsheim in der Pfalz, präsentiert sein Buch, schwelgt in Erinnerungen, erzählt mit seiner lauten und präsenten Stimme Geschichten von früher - und erinnert sich an jedes Detail, als wäre es erst gestern gewesen...

