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MAZ: Nächtliche Grenzerfahrung

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 Christian Barth vom VfL Potsdam absolvierte den Stubai-Ultratrail in Österreich. Das Rennen ist 63 Kilometer lang und startet nachts um 1 Uhr. Allein in der Dunkelheit stellte sich der 39-Jährige die Sinnfrage.

Potsdam. Mitten in der Nacht stellte sich Christian Barth die Sinnfrage: „Was mache ich hier eigentlich?“ Es war ungemütlich kalt. Über dem Stubaital (Österreich) lagen die Nacht und Regenwolken. Und doch kannte der Potsdamer nur eine Richtung: zum Ziel. Der 39-Jährige hat am Wochenende den Stubai-Utratrail absolviert – ein Rennen über 62,8 Kilometer mit mehr als 5000 Höhenmetern Aufstieg und 2600 Metern Abstieg. „Die Höhenmeter durch das Stubaital sind knackig.“ 12 Stunden und 51 Minuten war Christian Barth unterwegs.

Da kommen zwischendurch mal Zweifel auf. Insbesondere nachts, wenn die Müdigkeit an den Augenlidern hängt. Das Rennen war bereits nachts um 1 Uhr gestartet, um das Gewitterrisiko zu minimieren. „Wir waren schon um 23.30 Uhr am Start in Innsbruck“, erzählt Barth, der mit Freunden angetreten ist. Am Nachmittag hatte er sich noch einmal aufs Ohr gehauen, um Kraft zu sammeln für die schlaflose Nacht.

 Wadenkrampf nach 20 Kilometern

Die Strecke führte aus der Stadt hinaus in den Wald. Nur mit Stirnlampe war der Weg zu finden. Schon nach 20 Kilometern muckte die Wade mit leichten Krämpfen auf. Kein Grund anzuhalten. „Ich habe einfach ein bisschen Tempo rausgenommen“, erzählt Barth, der beim Handball-Drittligisten VfL Potsdam die Geschäftsstelle leitet. Ein Berg mit einer Höhe von 2500 Metern war die erste große Hürde. Und gleichzeitig eine Art Wachmacher. „Auf dem Gipfel hat mich die Sonne angestrahlt. Das sah toll aus.“ Vielleicht war es deshalb etwas leichter zu verkraften, als die Oberschenkel anfingen zu brennen. Trotz der Schmerzen konnte Barth die Stunden der Anstrengung auch genießen. „Man ist total bei sich und kann in den Körper hineinhören.“ Wichtig sei, das eigene Tempo anzulegen. „Man unterhält sich unterwegs mal mit einem der 250 Starter. Aber man geht grundsätzlich allein.“

Bis zu 30 Kilometer war Barth in der Vorbereitung auf den Stubai-Ultratrail gelaufen. Außerdem rannte er im Wildpark den Kellerberg hoch und runter, um sich an das Berglaufen zu gewöhnen. Beim Potsdamer Schlösserlauf hatte ihn ein Muskelfaserriss ereilt, doch dank Physiotherapie machte der Muskel schnell wieder mit.

Unbeschreiblicher Aufstieg auf Kilimandscharo

Barth wusste, was ihn im Stubaital erwartet. Er hat schon einige Berg-Herausforderungen angenommen. Vor ein paar Jahren quälte er sich über das Höllental, Klettersteige und einen Gletscher auf die Zugspitze. „Das war eine krasse Tour.“ 2014 ging es dann noch höher hinaus. Mit Freunden lief Barth auf den Kilimandscharo, mit 5895 Metern das höchste Bergmassiv Afrikas. „Wir waren fünf Tage unterwegs. In der Gipfelnacht habe ich mich nur noch hochgeschleppt. Als wir oben waren, war es unbeschreiblich. Man bekommt so viel Energie, wenn man merkt, was man alles schaffen kann.“

Nach dem Kilimandscharo wirkten die nächsten Abenteuer nur noch halb so groß. 2015 nahm Barth am Eiger-Ultratrail und 2016 am Zugspitz-Ultratrail teil. Beide Strecken sind rund 100 Kilometer lang. „Der Reiz ist es, Grenzen auszuloten. Ich bin ein Ausdauertyp und mag es, Herausforderungen zu bewältigen.“ Und das am liebsten in den Alpen. „Ich liebe die Berge und die sagenhafte Natur.“

Und das trotz der winterlichen Bedingungen im Ziel auf dem Stubaier Gletscher in 3150 Metern Höhe. Es schneite bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dennoch war Barth glücklich. Ein paar Tage plagte ihn anschließend noch der Muskelkater. Doch dann flackerten schon die ersten Ideen für weitere Herausforderungen auf. Damit war auch die Frage nach dem Warum beantwortet.

Von Ronny Müller

http://www.maz-online.de/Lokalsport/Potsdam/VfL-Potsdam/Naechtliche-Grenzerfahrung

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