SV Sandhausen: Testspiel in der Handball-Hochburg St. Leon
Von Wolfgang Brück
St. Leon. Als die Profis des Karlsruher SC aus dem Bus stiegen, bekamen sie einen Schreck und wären am liebsten sofort wieder umgekehrt. Der VfB St. Leon konnte damals nur einen Hartplatz anbieten. Das war vor 40 Jahren, als der Verein zum zehnjährigen Bestehen die prominenten Gäste eingeladen hatte.
Am Samstag (17 Uhr) ist Zweitligist SV Sandhausen zu Besuch und es hat sich viel getan in der früheren Handball-Hochburg. Medienchef Bernd Wirth zählt auf: "Wir haben einen Natur- und einen Kunstrasen und falls nötig können wir die beiden Plätze des Förderzentrums für den Frauenfußball mitbenutzen."
Nicht nur die Infrastruktur beim Jubilar ist beneidenswert. Auch die sportliche Entwicklung kann sich sehen lassen. 2010 stieg der VfB St. Leon in die Landesliga auf. Seitdem mischt er oben mit. Zweimal gelang die Teilnahme an der Relegation zur Verbandsliga, zuletzt vor ein paar Wochen. Da scheiterte man knapp an Reichenbach.
Der Aufschwung hat viel mit Benjamin Schneider zu tun. Der Sohn des früheren Vorsitzenden Kurt Schneider, der leider zu früh verstarb, gilt als großes Trainer-Talent. Man traut ihm höhere Aufgaben zu, doch Schneider blieb seinem Verein bisher treu.
Ein besonderes Geschick wird dem Coach im Umgang mit jungen Spielern nachgesagt. Es ist jedenfalls ganz schön mutig, dass der Vizemeister auch vor der kommenden Runde in hohem Maße auf den Nachwuchs setzt. Mit Milan Groß aus Baiertal und Fabian Rausch aus Zuzenhausen kamen nur zwei etwas gereifte Akteure, der Rest ist aus den Talentschuppen von Baiertal, Walldorf und Hockenheim: Lukas Jochim und Dominik Polak fürs Tor, die Mittelfeldspieler Philipp Amann und Paul Brömmer sowie Angreifer Dennis Gerber.
Das Saisonziel ist mit Augenmaß gewählt. Bernd Wirth: "Es dürfte schwer bis nahezu unmöglich werden, den zweiten Platz zu wiederholen. Vereine wie Eppelheim, Bammental und Wieblingen haben gewaltig aufgerüstet." So wechselte der St. Leoner Torjäger Christian Grün nach Eppelheim, inwieweit Abwehrchef Patrick Vogelbacher nach zwei Kreuzbandrissen noch mal zurück kommt, muss abgewartet werden.
Neben dem morgigen Spiel gegen den letztjährigen Zweitliga-Zehnten Sandhausen bietet der knapp 800 Mitglieder starke Verein ein reichhaltiges Programm anlässlich des 50-jährigen Jubiläums. So lädt VfB-Chef Helmut Lawinger die schwarz-gelben Ehren- und Gründungsmitglieder am Mittwoch, 5. Juli, ins Klubhaus ein. Anhand alter Fotos sollen Erinnerungen wach werden. Zum Beispiel an die Goldenen achtziger, als der VfB St. Leon im Eiltempo aus der B-Klasse bis in die Landesliga stürmte. Trainer war damals Bernd Kretz, die Götzmänner Klaus, Roland und Theo schrieben Fußball-Geschichte.
Bernd Wirth weiß noch mehr: Wolfgang Overath, der 1986 mit einer Traditionsmannschaft 20:3 gegen eine Kombination des FC Rot und des VfB St. Leon gewann, der frühere Hoffenheim-Kapitän Andrfeas Beck, der im April 2009 das Ensinger-Stadion einweihte, Nationaltrainerin Steffi Jones, die einen Monat später das Frauen- und Mädchenzentrum seiner Bestimmung übergab oder die Profis von Borussia Dortmund bei einem Training - sie alle waren schon mal beim VfB St. Leon, der überdies mit Chantal Fuchs und Julika Bergholz zwei Nationalspielerinnen stellte.
Mit rund 500 Zuschauer rechnet Bernd Wirth morgen gegen Sandhausen. Für den Zweitligisten, der seit Sonntag im Training steht, ist es der erste Test und man darf vor allem auf die inzwischen acht Neuzugänge gespannt sein.

