DFB-Star Antonio Rüdiger bei Fußball-WM: Jetzt soll er es wieder richten
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Antonio Rüdiger war einst Abwehrchef der Nationalmannschaft und stand anschließend bei der DFB-Elf sogar kurz vor dem Aus. Jetzt soll er Nico Schlotterbeck ersetzen. Ist er dafür bereit? David Schafbuch berichtet aus New York Es ist noch gar nicht so lange her, da schien die Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft von Antonio Rüdiger am seidenen Faden zu hängen. Anders waren die Worte von Nationaltrainer Julian Nagelsmann im Mai 2025 nicht zu deuten gewesen: "Er weiß meine Meinung, dass es nicht gut ist und dass das Limit auch erreicht ist. Er weiß auch, dass das nicht mehr passieren darf, sonst hat es größere Konsequenzen. Wir sind sehr transparent", sagte Nagelsmann damals bei einer Pressekonferenz in Herzogenaurach. Rüdiger hatte zuvor im spanischen Pokalfinale vollkommen die Beherrschung verloren und dabei den Schiedsrichter beleidigt und mit einer Rolle Tape beworfen. Daraufhin wurde der Verteidiger von Real Madrid für sechs Spiele gesperrt. Später sagte der 33-Jährige der "Süddeutschen Zeitung", dass er sein Verhalten bereue. "Es steht außer Frage, dass mein Verhalten falsch und absolut überzogen war – dafür gibt es keine Ausreden", so Rüdiger im vergangenen Sommer. WM 2026: Alle Informationen im Newsblog David Raum: "Du kannst es nie allen recht machen" In der Nationalelf ist das Thema offenbar ausgeräumt. Allerdings war der gebürtige Berliner unter Nagelsmann auch sportlich schon länger nicht mehr die erste Wahl: Der Bundestrainer hatte schon Monate vor der Weltmeisterschaft in der Innenverteidigung auf Jonathan Tah vom FC Bayern und Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund gesetzt. Doch da Schlotterbeck wegen einer Bänderverletzung ausfällt, wurde Rüdiger für den BVB-Mann bereits im Spiel gegen die Elfenbeinküste eingewechselt. Auch am Donnerstag gegen Ecuador wird Rüdiger in der Startelf stehen, während für Schlotterbeck das Turnier verletzungsbedingt zu Ende ist. Für Rüdiger eröffnet sich damit nach einigen schwierigen Monaten eine neue Chance in der Nationalmannschaft. Das Vertrauen von Nagelsmann scheint er sich nicht nur sportlich, sondern auch mit Verhaltensänderungen erarbeitet zu haben. Dabei hat Rüdiger auch abseits seines Ausraters keine einfache Saison hinter sich: Der 33-Jährige war längere Zeit mit Knie- und Oberschenkelverletzungen ausgefallen. Die letzten vier Länderspiele verpasste er im vergangenen Jahr verletzungsbedingt. In drei von vier Freundschaftsspielen der DFB-Elf spielte der Mann von Real Madrid seit Jahresbeginn keine einzige Minute. "Der neue Chef" Denn Nagelsmann hatte sich im März festgelegt. Die Innenverteidigung des DFB-Teams heißt seitdem Schlotterbeck und Tah. Für Rüdiger blieb nur noch ein Platz auf der Bank. Missgunst oder Neid waren aber von Rüdiger nicht zu hören. Einfach sei es zwar nicht, auf der Bank zu sitzen. Aber es sei Schlotterbeck und Tah gegönnt, sagte Rüdiger jüngst. Zu der Rolle von Tah bekannte der Verteidiger auch, dass der Bayern-Profi "der neue Chef" sei. Dass er jetzt unter besonderer Beobachtung steht, sei ihm allerdings auch bewusst. Nach einigen kontroversen Aktionen haftet ihm ein Bösewicht-Image an. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das so ist", sagte er dazu. Gründe dafür gab es aber auch abseits seines Eklats im spanischen Pokalfinale reichlich: Denn Rüdiger ist nicht erst seitdem für seine aufbrausende Art bekannt. Im Dress des VfB Stuttgart war er einst vom Platz geflogen, weil er seinem Gegner einen Leberhaken verpasst hatte. Einen Fan, der ihn um ein Autogramm gebeten hatte, hatte er mehrfach als "Spasti" beleidigt. Im vergangenen Jahr provozierte der Spieler von Real Madrid die Fans des Stadtrivalen Atlético mit einer "Kopf ab"-Geste. Die Uefa brummte ihm daraufhin ein Spiel Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro auf. Horst Hrubesch, der Rüdiger einst in der Juniorennationalmannschaft trainiert hatte, erinnerte sich, dass der Abwehrspieler früher stets gefährdet war, eine Rote Karte zu kassieren. Nicht wenige Experten hatten nach dem Ausraster im spanischen Pokalfinale gefordert, dass Rüdigers Zeit im DFB-Team vorbei sein müsse. Nagelsmann hatte es allerdings bei einer letzten Verwarnung belassen – und äußerte sich in den letzten Tagen positiv über den Verteidiger. Gegen die Elfenbeinküste habe es Rüdiger "sehr gut gemacht", hatte der Bundestrainer nach dem Sieg geurteilt. Auch vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador (Mittwoch, 22 Uhr, Liveticker bei t-online) hat der Trainer entschieden, dass Rüdiger von Beginn an ran darf. Auch von den Verletzungen sei bei dem 33-Jährigen nichts mehr zu spüren. Rüdiger gehe es "sehr gut" und er sei "körperlich auf einem Topniveau", sagte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor der Partie. "Noch nicht am Ende" Allerdings sei da noch etwas anderes: Nagelsmann hob hervor, dass sich Rüdiger auch gut in der Mannschaft verhalten habe, obwohl er zuletzt nicht mehr zum Zug gekommen war. Es freut ihn, dass ein solches Verhalten auch mit Spielzeit belohnt werden könne. Eine ähnliche Entwicklung attestierte dem Verteidiger zuletzt auch Lothar Matthäus . Der Weltmeister von 1990 habe den Eindruck, dass Rüdiger "ruhiger" geworden sei, "und deswegen sollte man ihm nicht nur diese Chance geben, sondern auch Vertrauen zu ihm haben", sagte Matthäus dem Sender RTL. Dieses Vertrauen scheint auch sein Verein weiter in ihn zu setzen: Trotz einer verletzungsgeplagten Saison hat Rüdiger erst vor wenigen Tagen verkündet, ein weiteres Jahr bei Real Madrid zu spielen. "Ich bin hier noch nicht am Ende", hatte Rüdiger dazu auf seiner Instagram-Seite geschrieben. Das scheint wohl auch auf die Karriere in der Nationalmannschaft zuzutreffen.

