Real droht K.o.: Ans Wunder glauben oder Hauptsache Blamage vermeiden?
Die Ausgangslage
- Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League – und schwieriger könnte die Aufgabe kaum sein! Nach der 1:2-Niederlage am vergangenen Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu steht der 15-fache Rekordsieger der Königsklasse bereits kurz vor dem Aus. Nicht nur lassen die zwei Patzer in LaLiga vor und nach dem Hinspiel gegen die Bayern (1:2 auf Mallorca und 1:1 gegen Girona) wenig Hoffnung zu, sondern es ist vor allem die Instabilität und Inkonstanz in der entscheidenden Saisonphase, welche die Königlichen als klarer Außenseiter nach München reisen lässt (Mittwoch, 21 Uhr, im REAL TOTAL-Liveticker und Watchalong und bei DAZN). Trotz der durchaus positiven Bilanz der letzten Duelle in der Allianz Arena mit drei Siegen (2018, 2017, 2014) und einem Remis (2024) lautet das Motto diesmal fast schon: Schadensbegrenzung. Bereits im Viertelfinal-Hinspiel hatten die Münchner unter dem Strich mehr gefährliche Möglichkeiten und zeigten vor allem beim zweiten Treffer des Abends, wie sehr sie ein schläfriges Real bestrafen können. Für das Rückspiel in der Allianz Arena müssen die Königlichen darauf hoffen, dass Mbappé und Co. ihre Chancen auch trotz teils durchwachsener Form allesamt nutzen, um sich – sollte es nicht reichen – erhobenen Hauptes verabschieden zu können. Nicht nur stellt eine Aufholjagd gegen diese formstarken Bayern eine wahre Mammutaufgabe dar, sondern auch die Statistik ist diesmal klar gegen die Königlichen: Seit der Einführung der Champions League (1992/93) kamen nur sieben von 115 Teams, nachdem sie das Hinspiel zu Hause verloren hatten auch in die nächste Runde – Real gelang sowas ohnehin nur einmal im Europapokal. Die Wahrscheinlichkeit, dass Real Madrid am Mittwoch in München doch noch für ein Wunder sorgen kann, liegt dabei gerade einmal bei 6,1 Prozent. Natürlich haben die Königlichen bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie für magische Nächte in der Champions League sorgen können, doch damals waren noch Akteure wie Kroos, Modric, Joselu und Co. im Kader vertreten, welche im Hier und Jetzt schmerzlich vermisst werden. In München muss die Mannschaft von Cheftrainer Álvaro Arbeloa daher noch einmal voll fokussiert und vor allem kaltschnäuzig auftreten, um eine historische Blamage, wie den 8:2-Kantersieg der Bayern gegen den FC Barcelona (Saison 2019/20) nicht am eigenen Leib zu erfahren.
Der Gegner
- Für Bayern hingegen könnten die Vorzeichen für das Rückspiel gegen Real Madrid kaum besser sein. Nicht nur beendeten die Münchner mit ihrem 2:1-Sieg im Hinspiel Madrids Serie von neun Spielen ohne Niederlage gegen die Bayern, sondern auch in der Allianz Arena ist die Mannschaft von Vincent Kompany eine Klasse für sich. In dieser Saison konnten die Münchner bislang jedes Europokal-Heimspiel gewinnen, schossen dabei im Schnitt 3,2 Tore und auch in insgesamt 44 Pflichtspielen verlor man nur zweimal (gegen Arsenal und Augsburg). Während in der vergangenen Saison sowohl Real als auch Bayern im CL-Viertelfinale ihre Koffer packen mussten, scheint diesmal für die Münchner der Einzug in die Runde der letzten Vier zum Greifen nah zu sein. Auch die Generalprobe in der Bundesliga am vergangenen Samstag gegen St. Pauli konnte man mit einem souveränen 5:0-Auswärtssieg für sich entscheiden. Dabei rotierte Cheftrainer Kompany mit insgesamt sieben Änderungen im Vergleich zum Hinspiel ordentlich durch und konnte noch dazu Harry Kane über die gesamte Spielzeit schonen. Und auch mit Blick auf den Kader hat der Belgier die Qual der Wahl. Nicht nur bleibt Sven Ulreich (Adduktorenprobleme) der einzige Ausfall der Bayern, sondern auch die frisch zurückgekehrten Profis wie Alphonso Davies und Jamal Musiala konnten bereits im Hinspiel aber auch gegen St. Pauli wieder Spielpraxis sammeln, letzterer kam am vergangenen Samstag auch per Kopf zu einem Torerfolg. Für die Bayern ist daher alles angerichtet, um sich gegen die Königlichen nach 2012 endlich wieder in der K.o.-Phase der Champions League durchzusetzen und sicherlich auch ihre Revanche für das Halbfinal-Aus 2024 zu nehmen.
Voraussichtliche Startelf: Neuer – Stanišić, Upamecano, Tah, Laimer – Kimmich, Pavlović – Olise, Gnabry, Díaz – Kane.
Personelles und voraussichtliche Aufstellung
- Für das Rückspiel in München muss Arbeloa neben den beiden Langzeitverletzten Thibaut Courtois und Rodrygo Goes noch dazu auf den angeblich kranken Rául Asencio und den gesperrten Aurélien Tchouaméni verzichten. Dafür ist im Vergleich zum Hinspiel Ferland Mendy wieder im Aufgebot vertreten und könnte theoretisch auch von Beginn an als Linksverteidiger auflaufen. Auch Kylian Mbappé, welcher sich gegen Girona (1:1) eine mit drei Stichen genähte Platzwunde zugezogen hatte, ist mit dabei, um gegen die Münchner auf Torejagd zu gehen. Éder Militão dürfte wie Jude Bellingham im Vergleich zum Hinspiel in die Startelf zurückkehren, während Eduardo Camavinga anstelle von Tchouaméni im Mittelfeld zum Einsatz kommen könnte. Mit Blick auf die Startelf könnte es im Vergleich zum Hinspiel daher zu einigen Veränderungen kommen, wenn aber auch nicht allzu viel.
- Verletzt: Thibaut Courtois (Muskelverletzung), Rodrygo Goes (Kreuzbandriss), Raúl Asencio (unbekannt)
- Gesperrt: Aurélien Tchouaméni (Gelb)
Die Stimmen zum Spiel
Álvaro Arbeloa (Cheftrainer Real Madrid): „Ich weiß nicht, wie viele Mannschaften von sich behaupten können, den Europapokal 15 mal gewonnen zu haben. Als Trainer von Real Madrid glaube ich, wie der gesamte Verein, an ein Weiterkommen. Mir ist in den vergangenen Tag kein einziger Fan über den Weg gelaufen, der nicht an einen Sieg glaubt. Alle glaube daran. Wir wissen natürlich wie schwer es werden wird und niemand weiß, was morgen geschieht, aber wir werden unser Bestes geben und sind davon überzeugt, dass wir gewinnen werden.“
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Vincent Kompany (Cheftrainer Bayern München): „Sicherlich eine der großen Sachen ist, dass wir Real sehr respektieren. Das haben wir schon vor dem Bernabéu so gemacht, das machen wir immer noch. Wir bereiten uns auf die beste Version von Real vor, die hat man wohl gegen Manchester City gesehen. Die Ergebnisse gerade sind kein Abbild des Talentes, das sie in sich tragen. Es ist immer noch eine der besten Mannschaften Europas. Aber was ist mit der Geschichte von Barcelona, von Atletico, Liverpool, Bayern, Arsenal? Jeder kann eine Geschichte erzählen, als sie etwas Unglaubliches gemacht haben. Wir auch! Als wir gegen Inter verloren haben und nach Mailand gefahren sind, waren wir uns zu 100 Prozent sicher, dass wir gewinnen können. Das tut Real nun auch. Aber wir wissen auch, wie wir ihnen wehtun können. Ich glaube fest daran, dass wir gewinnen können – über alles andere können wir danach sprechen, davor gebe ich sowas keinen Raum!“
Statistiken und Besonderes
- GESAMTBILANZ: Der FC Bayern und Real Madrid trafen insgesamt bereits 29 Mal im Europokal aufeinander, 23 Mal davon in der Champions League. Die Bilanz beider Mannschaften könnte dabei nicht ausgeglichener sein – dreizehnmal siegten die Münchner, viermal gab es ein Remis und zwölfmal gewannen die Madrilenen. Torverhältnis: 46:44 aus Sicht der Königlichen. Mut machend: In den letzten vier Duellen in München konnte Real dreimal als Sieger vom Platz gehen (2018, 2017, 2014), das letzte Gastspiel endete mit einem Remis (2024).
- REAL BRAUCHT EIN WUNDER: Die Königlichen konnten zwar die letzten neun CL-K.o.-Duelle gegen deutsche Teams allesamt für sich entscheiden und sich auch in der Champions-League-Ära in allen sieben Viertelfinals gegen deutsche Vertreter durchsetzen, doch diesmal sieht die Lage deutlich pessimistischer aus. Denn seit Einführung der Champions League (1992/93) kamen nur sieben von 115 Teams noch weiter nachdem sie das Hinspiel zu Hause verloren hatten. Für den Einzug in die Runde der letzten Vier braucht Real daher ein Wunder in der Allianz Arena.
- GELB-ALARM: Kylian Mbappé, Jude Bellingham, Vinícius Júnior, Álvaro Carreras und Dean Huijsen müssen im Rückspiel aufpassen, denn sie sind Gelb vorbelastet. Gelbe Karten werden in der Champions League erst nach dem Viertelfinale gelöscht, somit könnten gleich fünf Akteure der Königlichen bei einer erneuten Verwarnung ein mögliches Halbfinal-Hinspiel verpassen.
- SCHIEDSRICHTER: Zum dritten Mal in dieser Saison wird Slavko Vinčić (46) eine Partie der Königlichen leiten, so wie schon beim 2:1-Sieg gegen Benfica und beim 1:0-Sieg in der Ligaphase gegen Juventus. Noch dazu war der Slowene bei Real Madrids letztem Champions-Leauge-Titel in London auf dem Platz, in welchem sich die Madrilenen mit einem 2:0-Sieg gegen den BVB behaupten konnten. Insgesamt pfeift der 46-Jährige schon seit 2016 in der Champions League und wird diesmal im VAR-Bereich unterstützt von Pol van Boekel.
- WIEDERSEHEN: In der Geschichte von Real Madrid und den FC Bayern haben bereits neun Spieler die Seiten gewechselt. Mit David Alaba steht aktuell ein Spieler im Kader der Königlichen, die zuvor in München spielten: Alaba lief dabei von 2008 bis 2021 für die Münchner auf. Auch Legenden wie Toni Kroos, Xabi Alonso, Paul Breitner oder Arjen Robben dürften besonders interessiert hinschauen.
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