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100 % Abstiegskampf

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Alle Warnungen der vergangenen Woche haben nichts genutzt. Wie Jens Castrop im Anschluss an das 2:2 gegen den 1.FC Heidenheim einräumte, hat Borussia den Tabellenletzten womöglich auf die leichte Schulter genommen und somit fahrlässig die Vorentscheidung auf den Klassenerhalt liegen gelassen. Eine schwächere Partie ist jeder Mannschaft zuzugestehen – gerade nachdem sie zuletzt gegen St. Pauli und Köln wichtige Punkte in direkten Duellen eingefahren hat. Es ist allerdings nicht zu akzeptieren, wenn dies offensichtlich durch eine mangelhafte Einstellung zustande gekommen ist. In der Stunde zwischen den Spielminuten 15 und 75 war Borussia dem Gast spielerisch wie kämpferisch meilenweit unterlegen. Nur dem einmal mehr überragenden Moritz Nicolas war es zu verdanken, dass der zwischenzeitliche Rückstand nicht höher als 1:2 ausfiel, sodass durch ein glückliches Flippertor noch immerhin das Unentschieden gesichert werden konnte.

Die Pfiffe einiger Zuschauer während der Partie dürfen daher nicht überraschen und sollten auch von Eugen Polanski nicht kritisiert werden. Die Fans haben die Mannschaft monatelang auch in schlechteren Phasen unterstützt und eine Vielzahl schwacher Auftritte hingenommen. Was die Fans aber nicht akzeptieren können ist der Eindruck, dass in einer für den Verein prekären Situation nicht jederzeit 100 % Einsatz abgerufen werden. Es muss an dieser Stelle immer wiederholt werden: Borussia ist personell nicht mehr so stark aufgestellt wie noch vor 10 Jahren, als man zeitweise mit halber Kraft gegen kleinere Teams gewinnen konnte. Alles unter 100 % ist zu wenig und gefährdet Borussias Platz in der Bundesliga. Dessen sollte sich auch Polanski bewusst sein, der daher besser damit gefahren wäre, seine Mannschaft und sich selbst in die Pflicht zu nehmen als die Zuschauer.

Selbstkritik wäre nicht zuletzt aufgrund der (über)mutigen Personalentscheidung angesagt, ausgerechnet im Spiel gegen den Tabellenletzten auf den immer noch gefährlichsten Stürmer zu verzichten. Grundsätzlich hat Haris Tabakovic in den vergangenen Monaten gute Gründe für eine Rückversetzung auf die Bank geboten – in den letzten vier Monaten erzielte er nur noch vier Treffer. Es ist aber wenig verständlich, dass dies ausgerechnet im Heimspiel gegen den Tabellenletzten passiert, zumal Tabakovic durch den Länderspielerfolg Selbstbewusstsein getankt hatte. Wenn man sich aber trotzdem dafür entscheidet, zunächst dem frischeren Machino eine Chance bieten zu wollen, so wäre hierfür eine entsprechende Spielidee nötig gewesen, die die bislang kaum erkennbaren Stärken des Japaners hätte zur Geltung bringen können.

Bei aller berechtigter Kritik am Trainer sollte nach einer Partie aber nicht gleich wieder die übliche Diskussion aufgemacht werden. Ja, der FSV Mainz 05 hat unter Urs Fischer einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Ein Trainerwechsel ist aber nicht immer und überall ein Allheilmittel, das kurzfristig Punkte garantiert – wie zuletzt Bremen und Wolfsburg erfahren haben. Sofern sich die Tabellenlage in den kommenden Wochen nicht noch dramatisch verschlechtert, sollte die Saison daher möglichst mit Polanski beendet werden. Anschließend muss eine kritische Analyse über den Saisonverlauf und die zukünftigen Perspektiven erfolgen, die dann auch den Trainer einschließt.

In den kommenden Wochen muss es aber einzig und allein darum gehen, den Fokus zu 100 % auf den Abstiegskampf zu legen und möglichst aus eigener Kraft die Klasse zu halten. Das aktuell halbwegs solide wirkende Punktepolster auf die Plätze 16 und 17 könnte trügerisch sein, denn gerade im Endspurt einer Saison sind überraschende Ergebnisse an der Tagesordnung. Es wäre fahrlässig sich allein darauf zu verlassen, dass der FC St. Pauli und der VfL Wolfsburg bis zum letzten Spieltag weiter durch die Saison stümpern wie bisher. Sollte einer der beiden doch noch einen Zwischenspurt mit zwei bis drei Siegen in Folge einlegen, kann es für die Fohlenelf in der Form des vergangenen Samstags ganz schnell wieder eng werden. Denn mit einer solchen Leistung wird keiner der verbleibenden Gegner besiegt werden können.

Dies gilt insbesondere für die nächsten beiden Gegner, die sich derzeit in überragender Form präsentieren. Sollte es gegen Leipzig und Mainz zwei Niederlagen geben, was selbst in guter Verfassung keine Sensation wäre, könnte der Druck auf die Mannschaft immens steigen. Wenn dann auf einmal die bislang so zielsicher schwächelnde Konkurrenz anfängt zu punkten und der bereits so gut wie sicher geglaubte Klassenerhalt akut in Gefahr gerät, wird es psychologisch schwierig. Die Mannschaft sollte sich dieses Risikos bewusst sein und muss darauf in jeder der noch ausstehenden Partien mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit des Abstiegskampfes reagieren, die sie am vergangenen Samstag leider vermissen ließ.

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