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Weinheim: Aus Nummern wurden wieder Menschen

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		Weinheim:  Aus Nummern wurden wieder Menschen

Von Nadine Rettig

Weinheim. Es waren bewegende Projekte, die die zehnte Klasse und die Kursstufe 1 des Privatgymnasiums Weinheim kürzlich in einer schulinternen Ausstellung bestaunten. Schöpfer eben jener Projekte waren die neunten Klassen der Schule. Im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Unsere Geschichte – Notre histoire" des französischen Instituts in Erfurt hatten sich die Schüler während einer Projektwoche mit dem Schicksal französischer Zwangsarbeiter auseinandergesetzt, die im Zweiten Weltkrieg ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden waren.

Herausgekommen sind elf Projekte, bei denen sich jede Gruppe mit dem Leben eines einzelnen Häftlings beschäftigt hat. Diese Projekte stellten die Geschichten und Gesichter hinter jenen vor, die lange Zeit nur ein Name und eine Häftlingsnummer waren. Dabei beteiligten sich die Schüler auch an der Initiative #everynamecounts der Arolsen Archives, mit deren Hilfe eine digitale Datenbank der Verfolgten des Nationalsozialismus entstehen soll, damit eben jene Namen und Gesichter nicht in Vergessenheit geraten.

"Es ist ein wichtiger Beitrag für die Forschung und gegen das Vergessen", lobte Geschichtslehrerin Julia Augustat, die die Projektwoche an der Schule mit der Französischlehrerin Stefanie Glos und Geschichtslehrer Alexander Wolff geleitet hat. Von dem, was die Schüler aus ihrem kleinen Input gemacht haben, waren die drei Lehrer begeistert. Denn die Ergebnisse, welche die elf Gruppen an diesem Nachmittag den älteren Klassenstufen präsentierten, waren nicht nur einfallsreich und einprägsam, sondern auch tief berührend. Jede Gruppe hatte sich etwas anderes überlegt, um dem von ihnen präsentierten Häftling eine Stimme zu geben. Mal als Dokumentarfilm, mal als Comic oder auch als nachgestellter Instagram-Account. So wurden die Leben und grausamen Schicksale von den Schülern aufgearbeitet.

"Ich war wirklich überrascht, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, ein Video zu gestalten", staunte die Zehntklässlerin Leslie Rihm. Sie und ihre Mitschüler fungierten als Jury für einen schulinternen Wettbewerb, bei dem die drei in ihren Augen besten Umsetzungen ausgezeichnet wurden. An dem gesamten Projekt gefiel ihr besonders gut, dass jede Gruppe sich dem Schicksal eines Individuums annahm. "So ist es noch mal viel intensiver und greifbarer", fand sie. Auch für die Schüler, die die Projekte gestalteten, war es eine intensive Erfahrung, so tief in das Leben eines KZ-Insassen einzutauchen. "Es ist wichtig, stets vor Augen zu haben, dass es sich um eine verstorbene Person handelt, die noch Nachfahren haben könnte", betonte eine Schülerin. Ihre Gruppe hatte das Leben eines Häftlings in Form eines Instagram-Accounts nacherzählt, dort jedoch auch ausführlich geschildert, um was für ein Projekt es sich handelt.

Stefanie Glos war glücklich darüber, mit wie viel Fingerspitzengefühl sich die Schüler dem Thema angenähert hatten: "Sie haben die Zeit sehr gut genutzt und viel recherchiert." Das sollte belohnt werden. Denn im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs erreichten zwei der Projekte des Privatgymnasiums Weinheim den dritten und den ersten Platz. Der dritte Platz ging an Amelie Arents, Frauke Haltermann, Nina Kießling, Alicia Reichel und Caja Zeiss. Den ersten Platz – und damit eine Reise nach Berlin zum französischen Botschafter – sicherten sich Sebastian Adler, Jeremias Jost, Theodor Traser und Hannes Wetzel. Beide Gruppen hatten sich für die Erstellung von Instagram-Accounts entschieden.

Schulintern sicherten sich Till Bender, Leonardo Heldermann, Sören Schmidt und Daniel Tormo mit einem "Explainity-Video" den dritten Platz. William Gratzer, Lukas Ruppert, Julius Schneider und Levin Sprauer belegten mit einem "Stop-Motion"-Lego-Kurzfilm den zweiten Platz, während der Dokumentarfilm von Paula Hunenbart, Emily Krause, Anne Reuland und Jana Wittrock den Sieg holte. Wie stolz Julia Augustat auf die Leistung der Schüler war, wurde bei der Siegerehrung mehr als deutlich. "Wir haben großartige Projekte gesehen, die viel mehr sind als normale Wettbewerbsbeiträge. Ihr habt den Opfern, die nur noch eine Nummer waren, ihre Gesichter und ihre Geschichte wiedergegeben – und ein Stück ihrer Würde."

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