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Fachstelle Sucht Walldorf: Spielerisch den eigenen Umgang mit Alkohol hinterfragen

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		Fachstelle Sucht Walldorf:  Spielerisch den eigenen Umgang mit Alkohol hinterfragen

Von Sabine Hebbelmann

Walldorf. Über die Risiken des Alkoholkonsums auf neue Art informieren und möglichst viele Menschen zum Nachdenken über ihren eigenen Umgang mit Alkohol anregen: Das möchte die Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation (BWLV) in Walldorf.

Daher lädt sie zum "Tag des offenen Gartens" am kommenden Montag ein. Anlass ist die bundesweite "Aktionswoche Alkohol". Die Gelegenheit nutzt das Walldorfer Team, das sich neu aufgestellt hat, auch dazu, sich und sein Angebot vorzustellen. Die zwei Sozialarbeiterinnen und zwei Sozialarbeiter haben je eigene Schwerpunkte. Kerstin Abeck und Bernd Schumann sind systemische Therapeuten, Margit Müller ist Suchttherapeutin und Stefan Thorn kümmert sich mit der mobilen Jugendarbeit des Vereins Postillion um Themen wie Mediensucht und Prävention an Schulen. Dankbar zeigt sich Müller gegenüber der Vermieterin, der Stiftung der evangelischen Kirchengemeinde: "Sie hat uns ermöglicht, die Außenfassade zu renovieren sowie den Garten auf Vordermann zu bringen."

Unkompliziert und niederschwellig Leuten helfen, lautet die Devise. "Wir sind für alle offen, die Fragen und Probleme im Zusammenhang mit Sucht haben, auch für Angehörige", sagt Abeck. Die Beratung ist kostenlos, es gilt die Schweigepflicht.

Am "Tag des offenen Gartens" soll der Umgang mit Alkohol spielerisch thematisiert, die Hemmschwelle für eine Beratung gesenkt werden. Mit "Rauschbrillen" lässt sich erfahren, wie stark die Einschränkungen sind, bei einem Quiz winken Preise, Infomaterial klärt auf und es gibt Kaffee und Kuchen.

Genusskonsum könne sich schleichend zu sehr regelmäßigem Konsum entwickeln, etwa wenn es bei der Arbeit stressig sei, warnen die Berater. Alkohol sei kein geeignetes Mittel gegen Probleme oder Einschlafschwierigkeiten. "Sobald die Droge zu einem Bewältigungsmechanismus wird, ist das ein Alarmzeichen", betont Thorn und Abeck rät dazu, rechtzeitig zu handeln und die Beratung in Anspruch zu nehmen. "Das Thema wird oft tabuisiert, die wenigsten kommen, um zu fragen: ,Ich mache mir Sorgen um meinen Alkoholkonsum, ist das noch ok?’"

"Wir helfen Ratsuchenden, Entscheidungen für sich zu treffen, zum Beispiel weniger zu trinken", sagt Abeck. Unterstützen könne die Fachstelle beispielsweise mit Reduktionsplänen. Begleitende Probleme können zur Sprache kommen und Familienmitglieder oder Partner in die Beratung einbezogen werden.

Aber wie viel darf man eigentlich trinken? Ein Glas Wein oder ein kleines Bier enthalten bereits zehn Gramm Alkohol, ab zwölf Gramm schon erhöht sich das Krankheitsrisiko für Frauen, für Männer wiederum ab 24 Gramm. An wenigstens zwei Tagen pro Woche sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden, rät die Fachstelle.

Zu ihrem Angebot zählt auch die Vorbereitung auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (abgekürzt: MPU), die man bestehen muss, wenn man seinen Führerschein wiederhaben will, nachdem man mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt wurde. Das Walldorfer Team sieht sich zudem als Anlaufstelle bei auffälligem Medienkonsum, etwa wenn Eltern sich Sorgen machen, wenn ihr Kind gar nicht mehr vom Computer wegkommt.

Für Angehörige und Betroffene besteht die Möglichkeit zu Familiengesprächen, zum Beispiel sprechen Jugendliche mit einem Berater, Eltern parallel dazu mit einem anderen. Thorn, der seit Oktober im Team mitarbeitet, geht regelmäßig ins Jugendzentrum Jump: "Über die mobile Jugendarbeit ist es gelungen, Vertrauen aufzubauen", berichtet er.

Alkohol könne viele Krankheiten, Depressionen und Ängste sowie die Zerstörung von Organen verursachen. Trotzdem machten sich viele Eltern erst Sorgen, wenn es um illegale Drogen gehe, berichtet Thorn: "Sie fragen: ,Mein Sohn kifft, was soll ich tun?’ Keiner ruft an und sagt: ,Mein Kind kam betrunken nach Hause’. Alkohol kennt man, er ist gesellschaftlich akzeptiert. Das ist erschreckend, denn Alkohol ist ein gefährliches Nervengift und macht abhängig."

Info: Der "Tag des offenen Gartens" der Fachstelle Sucht findet am Montag, 16. Mai, von 13 bis 17 Uhr in der Friedensstraße 9 in Walldorf statt.


Norbert Knopf, Grünen-Politiker in Walldorf, fordert "mehr Geld in die Suchtberatung"

Stuttgart/Walldorf. (RNZ) Die bundesweite "Aktionswoche Alkohol" nimmt auch Grünen-Landtagsabgeordneter Norbert Knopf zum Anlass, seiner Sorge Ausdruck zu verleihen: "Wir müssen mehr Geld in die Suchtberatung investieren", fordert er: Der Kampf gegen die "Volksdroge Nummer eins" benötige mehr Mittel.

Der in der Grünen-Fraktion des Landtags für die Suchtpolitik zuständige Abgeordnete fordert eine solide Finanzierung der Suchtberatung, wie sie auch in den Fachstellen Sucht in Wiesloch und Walldorf angeboten wird. "Das Land sollte zusätzliche Stellen fördern – auch im Rhein-Neckar-Kreis gibt es beispielsweise in Sinsheim noch Bedarf – und die vorhandenen Stellen finanziell besser ausstatten." Aktuell wird die Suchtberatung vom Land mit 17 900 Euro je Stelle gefördert, dieser Betrag wurde aber seit 1999 nicht angepasst, so Knopf. Die Landesstelle für Suchtfragen fordert daher für den Haushalt 2023/24 eine Erhöhung der Landesmittel auf 25 000 Euro pro Vollzeit-Fachkraft.

Norbert Knopf besucht am kommenden Montag ab 13 Uhr den Infonachmittag der Suchthilfe-Außenstelle in Walldorf und sucht dort den Austausch sowohl mit Fachleuten als auch Bürgerinnen und Bürgern.

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