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Fahrenbach: Wie der Pfarrer Bautrockner für die Flutopfer organisiert

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		Fahrenbach:  Wie der Pfarrer Bautrockner für die Flutopfer organisiert

Von Ursula Brinkmann

Mosbach/Fahrenbach/Ahrweiler. Die Flutwelle im Ahrtal hat auch eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Ein Stein beim großen Wiederaufbau sind Bautrockner. Das berichtete ein Fahrenbacher, der vom Hilfseinsatz an der Ahr in den Odenwald zurückgekehrt war. In seiner Kirchengemeinde erfuhr so auch Michael Roth-Landzettel, woran es im Katastrophengebiet besonders mangelt: Einerseits komme die Hilfe nicht an, weil die Strukturen überfordert seien und jeder irgendwie seine Sache selbst organisieren müsse, andererseits fehle so vieles. Damit stürzte sich der evangelische Pfarrer in ein Mammutprojekt, das ihn zum Dauertelefonierer, Organisator, Spendensammler, Vermittler, Logistiker, Versicherungsfachmann und schließlich zum Lkw-Fahrer machte. Immerhin darin hatte er Erfahrung: "Als Student habe ich Lieferantenfahrten übernommen."

Die ersten beiden Fahrten mit Bautrocknern an Bord ist nur der vorläufige Schlusspunkt hinter eine Aktion, die viele Mithelfer und Unterstützerinnen auf den Plan rief – in Fahrenbach, in Neckargerach (Roth-Landzettels Pfarrstelle vor Fahrenbach), im Kirchenbezirk Mosbach, beim Diakonischen Werk Baden in Karlsruhe und im Ahrtal. Bis Roth-Landzettel dort Abnehmer und vor allem Verteiler beisammen hatte, waren die Ohren vom vielen Telefonieren schon rot. Mehrmals kam er an den Punkt, an dem es schien, als wenn aller Wille zum Helfen nicht auf fruchtbaren Boden falle. Sei es, weil ein Kontakt zu einer Trocknungsfirma (die die Geräte hätte verteilen können) im betroffenen Gebiet schier unmöglich schien, über zig Ecken doch noch zustande kam, sei es, weil der 7,5-Tonner nicht alle Geräte auf einmal würde transportieren und in Ahrweiler nicht die in Aussicht gestellten 88 Geräte auf einmal hätten abgeladen werden können.

Klar war, dass der Bedarf an Bautrocknern immens ist. Rathäuser und Pfarrämter wurden eingeschaltet, Bauhöfe und Weingüter, Diakonie-Katastrophenhilfe und DRK, damit die Hilfe, die anlaufen sollte, auch ankommen kann. Mal waren die Trockner da und kein Geld, mal war es umgekehrt. Bautrockner wurden bei Mosbacher Firmen erfragt, angeboten, bestellt – und wieder abgesagt.

Letztlich hat sich doch noch alles gefügt. Mit der Neckarelzer Firma Etego, einem Klima- und Trocknungsspezialisten, wurde ein Fachbetrieb gefunden, der noch Gebäudetrockner zur Verfügung stellen konnte und dies auch tat – zu einem Preis, mit dem aus der Hilfsaktion nicht noch ein dickes Geschäft würde. Denn im Katastrophengebiet vor Ort hörte man schon von mehr als den doppelten Preisen, die teilweise verlangt würden.

Das Autohaus Gramling stellte und stellt einen Lkw kostenlos zur Verfügung, eine andere Spedition hätte zusammen mit einem größeren Fahrzeug sogar noch den Fahrer "mitgeliefert", und die Fahrschule Hahn ist ebenfalls bereit, einen 7,5-Tonner für die Fahrten ins Hochwassergebiet zu leihen.

Die Bautrockner dort hinzubringen, wo sie in den Häusern benötigt werden, war die nächste Hürde, die genommen werden musste. Der Leiter der Jugendherberge, Oliver Piel, empfing die erste Fuhre am Montag. Die zweite folgte am Mittwoch. Insgesamt wurden knapp 90 Bautrockner organisiert. Ihre Miete für einen Monat ergibt eine Summe von rund 40.000 Euro. So galt und gilt es, die finanzielle Seite des Hilfsprojekts zu stemmen. 16.000 Euro kamen ohne Umschweife von der Stiftung Diakonie Baden. Pfarrer Volker Erbacher, der die Abteilung Fundraising und Ökumenische Dienste leitet, schickte nicht nur Geld, sondern kam zum Aufbruch der ersten Lkw-Tour nach Mosbach. "Das ist eine tolle, konzertierte Aktion!"

In der eigenen und den Kirchengemeinden des Bezirks rührte Michael Roth-Landzettel die Werbetrommel. So kräftig, dass innerhalb kurzer Zeit zu dem Geld von der Diakonie 12.000 Euro aus Kirchengemeinden sowie weitere 10.000 von Privatpersonen eingingen. "Das sind die wesentlichen Pfeiler unseres Projekts", ist der Pfarrer tief beeindruckt. Eingesetzt wurden bisher 26.000 Euro, doch sollten keine Trockner mehr benötigt werden, so wird das gespendete Geld in andere nützliche Geräte, etwa Generatoren und Lüfter, investiert.

Als Mieter der Bautrockner tritt übrigens die Kirchengemeinde Fahrenbach auf, die die Geräte im Katastrophengebiet untervermietet. Jugendherbergsleiter Piel meldete nach der ersten Lieferung, dass alle Geräte umgehend Abnehmer gefunden hätten. Der Dank im Katastrophengebiet ist groß, die Hilfe, die noch benötigt wird, aber auch …

Info: Auf der Plattform www.betterplace.org/p98316 kann für dieses Hilfsprojekt gespendet werden, ebenso auf das Konto der Kirchengemeinde Fahrenbach: Sparkasse Neckartal-Odenwald, IBAN DE47.6745.0048.1001 5562 63, Verwendungszweck "Fluthilfe" (für eine Spendenbescheinigung zudem die Adresse angegeben).

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