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ARD-Krimi: Stadtvertreter sehen zu wenig LU im Ludwigshafen-Tatort

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		ARD-Krimi:  Stadtvertreter sehen zu wenig LU im Ludwigshafen-Tatort

Von Marco Partner

Ludwigshafen. Es ist ein all-sonntägliches Ritual. Ob zu Hause oder in Studentenkneipen: Seit über 50 Jahren fiebert Fernsehdeutschland mit den Kommissaren. Der Tatort ist Kult und auch Ludwigshafen seit über 30 Jahren im TV-Fadenkreuz. Wie aber wird die Chemiestadt in der ewigen Krimi-Reihe eigentlich dargestellt? Was macht der Tatort für das Image der Stadt?

In der letzten LU-Folge "Hetzjagd" sehen die Zuschauer zu Beginn die Sonne über der Hochstraße aufgehen. Die Kamera fliegt über die Konrad-Adenauer-Brücke und am Mosch-Hochhaus am Berliner Platz vorbei. Im Hintergrund ist sogar der Donnersberg zu erkennen. Dann aber sieht man die Ermittlerinnen Lena Odenthal und Kollegin Johanna Stern nur noch das Rheinufer hoch und runter fahren, scheint sich Ludwigshafen ganz auf Industrie- und Flussidylle zu beschränken. Einmal geht es nach Mannheim, einmal in eine schicke Villa an einem Hang mit Weitblick. Aber nur Einheimische fragen sich wohl, wo dieser Hügel in der flachen BASF-Metropole eigentlich sein könnte.

Die Kritik ist fast so alt wie der Ludwigshafener Tatort selbst. Außer den eingestreuten Hafen- und Hochstraßen-Einblendungen sei wenig von der Stadt zu sehen. Gedreht werde fast nur in Baden-Baden. Dort ist die fiktive Polizeistation aufgebaut, wo auch die Fernseh-Ermittler aus Stuttgart und Freiburg ihre Mordfälle aufklären. "Zu wenige Szenen spielen in Ludwigshafen. Insbesondere Szenen mit Charme werden eher in Baden-Baden oder in der Nähe von Karlsruhe gedreht. Von unserer Stadt werden eher die Problemstellen gezeigt. Hafen und chemische Industrie dienen bestenfalls als Hintergrund", sagt Markus Lemberger vom Ludwigshafener Stadtmarketing LUKOM.

Am Montag danach sei der LU-Tatort natürlich Gesprächsthema bei der Arbeit. Man sei stolz darauf, mit Lena Odenthal (seit 1989 gespielt von Ulrike Folkerts) die dienstälteste Tatort-Kommissarin zu haben. "Montags sind aber eher die Schwächen des Drehbuchs Thema an der Büro-Kaffeemaschine. Oder die Frage, wer welche Orte erkannt hat", verrät Lemberger.

Dabei hat die Tatort-Regie die Beschwerden durchaus schon beherzigt. 2017 wirkten für die Folge "Babbeldasch" Theaterschauspieler der Hemshofschachtel mit. Auf geschriebene Dialoge wurde verzichtet, stattdessen auf Improvisation gesetzt – und überwiegend im Stadtteil Hemshof gedreht. Ein Spielplatz, eine Bäckerei oder der Waldfriedhof in Friesenheim wurden in Szene gesetzt.

Bei der 2020 erschienenen Folge "Leonessa" bildet die Pfingstweide mit ihren Plattenbauten und kleinen Betonbrücken die Kulisse. Problemviertel vielleicht, aber durchaus ein authentischer Drehort für Ludwigshafen. "Wir verbringen mittlerweile circa fünf Drehtage in LU und drehen dort vor allem markante Außenmotive: Rheinbrücken, Hochstraße, Hafengebiet, Rheingalerie, Fußgängerzone, Rathaus", verrät Tatort-Redaktionsleiter Ulrich Herrmann vom SWR. Auch Laiendarsteller kämen zum Einsatz, um das sprachliche, dialekt-typische Kolorit im Tatort zu stärken. "Die Schauspieler schätzen Ludwigshafen als eine sehr ehrliche, vitale Stadt, mit einem rauen, schönen Charme, geprägt natürlich durch den chemischen Industriegiganten BASF. Für unsere Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts ist sie zu einer filmischen Heimat geworden.

Mit der "echten Polizei" habe es noch keinen Kontakt gegeben. "Aber manchmal werden Dreharbeiten angemeldet, wenn diese einen Einsatz auslösen könnten. Zum Beispiel, wenn beim Dreh Schüsse abgegeben oder Straßensperrungen vorgenommen werden", erklärt Polizei-Pressesprecherin Ghislaine Werst. Verwechslungsgefahr bestehe nicht. Auf der Straße habe noch nie jemand nach Kommissarin Odenthal gefragt. Das Stadtmarketing würde sich etwas mehr LU-Realismus wünschen. "Es gäbe eine fantastische Chance zum ,Film im Film’ mit einer Szene auf dem Deutschen Filmfestival auf der Parkinsel. Leider besteht kein Interesse", bedauert Lemberger.

Vielleicht aber ist der Reiz, die Original-Schauplätze aufzuspüren und wiederzuerkennen, beim Publikum gar nicht so groß. Merchandising oder spezielle Touren im Zusammenhang mit der Krimi-Reihe gebe es nicht, auch keine Nachfrage danach an der Tourist-Information. Der Tatort ist Kult, doch dieser Brauch endet meist dort, wo er beginnt. Auf der Couch, vor dem Fernseher.

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