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Sandhausen gegen Heidenheim: Wie Phönix aus der Asche

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		Sandhausen gegen Heidenheim:  Wie Phönix aus der Asche

Von Claus Weber

Sandhausen. Der SV Sandhausen war nicht wiederzuerkennen. Giftig, willig, aggressiv trat der Fußball-Zweitligist im Baden-Württemberg-Derby gegen den 1. FC Heidenheim auf. Hochkonzentriert, effektiv und torhungrig. "Genauso, wie wir es uns von Anfang an vorgestellt hatten", sagte Jürgen Machmeier nach dem 4:0 (2:0)-Sieg, mit dem die Kurpfälzer eine beängstigende Negativserie beendeten. Nach fünf Niederlagen mit 0:17 Toren musste man schon das Schlimmste befürchten. Der SVS im freien Fall – und nun die Auferstehung wie Phönix aus der Asche.

Vermutlich hat auch der Präsident seinen Anteil an der wundersamen Wandlung. Schonungslos offen sprach Machmeier vor dem Spiel die Probleme an. Bei der Zusammenstellung des Kaders seien Fehler gemacht worden. "Vielleicht haben wir zu viel des Guten gewollt", sagte er und meinte damit die Abkehr von der bisherigen Vereinsphilosophie, junge, hungrige Spieler aus unteren Klassen zu verpflichten. Stattdessen kamen Altstars. Bei Dennis Diekmeier war das vor zwei Jahren gut gegangen.

Aber zu viele Routiniers hatten nun offenbar das Mannschaftsgefüge durcheinandergebracht. "Die Balance ist verloren gegangen", gab Machmeier zu. Tugenden wie Gier, Leidenschaft und Opferbereitschaft, die den SV Sandhausen bislang ausgezeichnet hatten, ebenfalls. "Spieler, die von oben gekommen sind, haben das SVS-Gen noch nicht verinnerlicht, nämlich, dass wir uns alles hart erarbeiten und erkämpfen müssen." Der Chef sprach davon, dass man zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer im Team habe. Er selbst trage Mitschuld: "Denn ich war genauso begeistert wie Ex-Trainer Uwe Koschinat oder der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca."

Nun müsse man die Scherben zusammentragen und das Beste daraus machen. Das ist Machmeier, Kabaca, dem neuen Trainer Michael Schiele, vor allem aber der Mannschaft jetzt offenbar gelungen. "Wir haben hart gearbeitet und viel miteinander geredet", sagte Julius Biada, der gegen Heidenheim überragender Anführer war. Der 28-jährige Spielmacher erzielte nicht nur das 1:0, sondern erzwang auch die frühe Rote Karte gegen Heidenheims Kevin Sessa. Dennoch blieb er bescheiden: "Es ist natürlich leichter, wenn dir in der 9. Minute ein Ball vor die Füße fällt, und auch der Platzverweis hat uns in die Karten gespielt."

Das 4:0 aber nur auf die nummerische Überlegenheit der Sandhäuser zurückführen, wollte selbst Frank Schmidt nicht. "Das wäre mir zu einfach, auch weil wir das 0:2 nach einem Standard kassiert haben", sagte der Heidenheimer Trainer und gab zu: "Der Sieg war hochverdient, wir hatten von Anfang an Probleme, Sandhausen war schneller und giftiger, und Biada haben wir überhaupt nicht in den Griff bekommen."

Der Mittelfeld-Mann erklärte das Erfolgsrezept so: "Wir wollten als Mannschaft mehr Power ins Spiel bringen, die Bälle schon in hohen Zonen erobern, um den Weg zum gegnerischen Tor zu verkürzen." Das ist gelungen.

Der Sieg ist nicht nur wichtig für die Tabellensituation – Sandhausen verließ übers Wochenende die Abstiegszone –, sondern vor allem auch fürs Selbstbewusstsein. "Ich hoffe, dass das der Frustlöser war", sagte Biada und berichtete: "Die Stimmung hat sich schlagartig verändert. Viele Spieler, die zuletzt wenig zu lachen hatten, sind mit einem breiten Lächeln durch die Kabine gelaufen."

Es gab viele Gewinner am Freitagabend. Neben Biada auch Alexander Rossipal. Der 24-jährige Ex-Hoffenheimer war eigentlich schon aussortiert, sollte im Sommer gehen. Jetzt könnte er zur festen Größe werden und Diego Contento auf der linken Außenbahn verdrängen. Sein fulminanter Freistoßtreffer zum 3:0 war wie ein Bewerbungsschreiben.

Oder Rick Wulle. Der langjährige Ersatztorwart zeigte auch gegen Heidenheim zwei, drei Glanzparaden und erspart seinem SV Sandhausen nach der Trennung von Martin Fraisl wohl die Suche nach einer neuen Nummer eins. "Er hat eine tadellose Leistung gezeigt", lobte Mikayil Kabaca, "kein Trainer der Welt würde Wulle in dieser Form aus dem Tor nehmen."

Wird nun alles gut am Hardtwald? Biada hält den Ball flach. "Die großen Ziele haben wir uns in den letzten Wochen leider selbst zerschossen", meinte der Spielmacher, "jetzt müssen wir schauen, den SVS in der Liga zu halten. Das sollte gelingen, denn wir haben enorme Qualität im Kader."

Das Spiel am Sonntag (13.30 Uhr) bei Jahn Regensburg ist richtungsweisend. Kann der SV Sandhausen an die jüngste Top-Leistung anknüpfen, könnte man mit dem Tabellen-Vierzehnten aus der Oberpfalz nach Punkten gleichziehen. Es wäre der nächste Schritt aus der Krise.

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