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Heidelberger Architekt: Molli Stichs im Alter von 80 Jahren gestorben

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Von Micha Hörnle

Heidelberg. Man sollte es nicht glauben, aber Molli Stichs hatte tatsächlich einen "richtigen" Vornamen: Hans Peter. Der war aber vollkommen irrelevant, weil alle (und zwar nicht nur ihm Nahestehende) ihn "Molli" nannten - wohl wegen seiner von Kindheit an kräftigen Statur.

Stichs hat, bis auf sein Architekturstudium in Karlsruhe, sein gesamtes Leben in Heidelberg zugebracht: Er wuchs als Kriegshalbwaise in Neuenheim auf; seine Tante war die einst bekannte Grafikerin Hanna Nagel.

Da er ein eher mäßiger Schüler war, rettete ihm das zeichnerische Talent die spätere Karriere: In Karlsruhe unter dem legendären Egon Eiermann musste man Zeichnungen einreichen - und Stichs wurde genommen, wie er im Oktober 2005 seinem Freund und Klassenkameraden Michael Buselmeier bei "Erlebte Geschichte erzählt" berichtete.

Mit Buselmeier teilt er auch die Politisierung in der 1968er-Zeit - und den Umstand, dass er lange Zeit nicht mit OB Reinhold Zundel konnte. Mit seinem Büropartner Hans Jörg Schröder - eigentlich war Stichs eher Schröders Angestellter - prägte er das Stadtbild: zunächst die Terrassenhäuser im neuen Stadtteil Emmertsgrund, dann die Neubebauung der abgebrannten Herrenmühle. Sein bekanntestes Gebäude entstand aber erst um die Jahrhundertwende: die "Print Media Academy", die Visitenkarte der Heidelberger Druckmaschinen am Hauptbahnhof.

Mit Tagungen und Kongressen hatte es Stichs immer: Er war nicht nur Anfang der 80er Jahre für die Sanierung der Stadthalle verantwortlich, 2005 entwarf er für seinen alten Geschäftspartner Roland Ernst - für den er das IBM-Forschungszentrum und das Penta-Hotel (heute "Marriott") baute - ein rotes Ei als Konferenzzentrum am Neckar, genau zwischen den beiden Gebäuden am Bergheimer Neckarufer. Daraus wurde nichts, aber immerhin das Büro seiner Söhne entwarf an dieser Stelle die Erweiterung des Marriott-Hotels.

Im Gegensatz zu seinem Lehrer Eiermann mit seinem kühl-funktionalen Stil ließ sich Stichs nicht festlegen: Seine Häuser hatten kleine Giebel und verspielte Erker (wie an der Herrenmühle) oder mal ein Tonnendach auf dem IBM-Haus. Dass Stichs früh einen Hang zum Größeren hatte, zeigen seine Teilnahmen an den Wettbewerben fürs Olympische Dorf und für die Neue Pinakothek in München - beides nicht gebaut.

2001 übernahmen Frank Stichs, eines von Mollis zwei leiblichen Kindern, zusammen mit Jan van der Velden-Volkmann (dessen Mutter Anne Molli Stichs geheiratet hatte) das Büro SSV, in dem der Senior noch eine Weile mitarbeitete. Aber ein erster schwerer Schlaganfall vor knapp zehn Jahren raubte ausgerechnet ihm, dem Impulsiv-Eloquentem, die Sprache. Erst vor wenigen Wochen ereilte ihn ein zweiter Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte.

Die Trauerfeier für Molli Stichs findet am Montag, 25. Juni, um 15.30 Uhr in der Hauskapelle des Bestattungshauses Kurz-Feuerstein in der Vangerowstraße statt. Ein passender Ort, denn fast alles in dieser Gegend hat er gebaut: IBM, Hotel und den GGH-Komplex gegenüber.

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