Kraichgau-Triathlon: Deutscher Doppelsieg beim Ironman-Festival
Von Hans-Joachim Of
Bad Schönborn. Was für ein Rennen. Welch ein sportliches Spektakel der Spitzenklasse! Beim Triathlon-Festival Ironman 70.3 Kraichgau auf der Mitteldistanz wurden am Sonntag die "üblichen Verdächtigen" und Top-Athleten ihrer Favoritenrolle gerecht und distanzierten die Konkurrenz teilweise deutlich. Der zweifache Hawaii-Champion Jan Frodeno (36) verpasste zwar den von Andreas Raelert gehaltenen Streckenrekord um lediglich fünf Sekunden, kam in 3.49.05 Stunden als Erster ins Ziel und verwies den amtierenden, fünf Jahre jüngeren, Weltmeister von 2017, Patrick Lange (3.55.35) auf Platz zwei.
Auch der Drittplatzierte Nicholas Kastelen kam bei Temperaturen, die um die Mittagszeit die 30 Grad-Marke erreichten, noch unter vier Stunden. Für den Australier wurden 3.57.13 Stunden gestoppt. Der als Mitfavorit gehandelte Andi Böcherer (35) wurde Vierter, Lokalmatador Markus Rolli aus Waghäusel errang Platz fünf. Die Frauenkonkurrenz dominierte Vorjahressiegerin Laura Philipp (31) aus Heidelberg, die mit 4.20.50 Stunden einen neuen Streckenrekord aufstellte und am Ende sagenhafte elf Minuten Vorsprung vor der zweifachen Ironman-Gewinnerin Daniela Sämmler (4.31.16) hatte. Die "Fliegende Holländerin" und Vorjahreszweite Yvonne Van Vlerken (39) musste mit dem dritten Platz (4.34.58) Vorlieb nehmen und wurde von den Zuschauern wie alle Sportler für ihre tolle Leistung im Kraichgau, dem "Land der 1 000 Hügel", gefeiert und bejubelt.
Bei der Siegerehrung verneigte sich die Konkurrenz und duschte den strahlenden Sieger Jan Frodeno mit Gerstensaft. "Es ist ein ganz besonderes Gefühl, auf dieser anspruchsvollen Wahnsinnsstrecke zu gewinnen. Beim Rennen habe ich versucht, jede Sekunde zu genießen", freute sich der weit enteilte, erstmals im Kraichgau gestartete Champion. Ironman-Geschäftsführer Björn Steinmetz: "Das war eine Machtdemonstration von Jan Frodeno. Er ist am Ende immer noch gelaufen wie ein junges Reh".
Auch Laura Philipp strahlte mit der Sonne um die Wette und bekundete nach der Siegerehrung lachend: "So oft wie heute, habe ich meinen Namen auf der Strecke noch nie gehört". Steinmetz zollte der Ausdauersportlerin, die 2018 bereits ihr drittes Rennen gewann, großes Lob: "Laura läuft im Moment weltweit in ihrer eigenen Liga". Philipp genoss das "Bad in der Menge" und jubelte ausgelassen. "Es ist ein großartiges Gefühl, mit drei Siegen zu starten. Heute war ein sehr guter Renntag", merkte die gelernte Physiotherapeutin an.
Ironman-"Erfinder" Björn Steinmetz zeigte sich wie auch Renndirektor Simon Jung glücklich: "Dieses Wochenende war beste Werbung für den Triathlonsport. Wir als Organisationsteam verneigen uns vor den hervorragenden Leistungen der Profis und Amateure". Dabei galt der besondere Dank vor allem auch den vielen freiwilligen Helfern in den Städten und Gemeinden, die ein solches Spektakel erst ermöglichten. Tatsache ist, dass die Begeisterung, die teilweise Volksfeststimmung annimmt, alle Sportler beflügelt und zu Höchstleistungen anspornt. Die Mitteldistanz über 1,9 Kilometerschwimmen im Hardtsee Ubstadt-Weiher, 90 Kilometer auf dem Fahrrad sowie der finale Halbmarathon über 21,1 Kilometer hatten über 2 500 Athleten aus 47 Nationen in Angriff genommen.

