Heidelberger Schlossbeleuchtung: Warum dieses Feuerwerk so geliebt wird (plus Fotogalerie)
Von Jonas Labrenz
Heidelberg. Schon um 20 Uhr - gut zwei Stunden, bevor das Feuerwerk startet - drängen sich am Samstag die Menschen am Geländer der Theodor-Heuss-Brücke, um den besten Platz zu finden. Darunter ist das Ufer bis zur Alten Brücke voll. Hunderte versuchen sogar noch fünf Minuten vor der ersten Rakete, gute Plätze für die erste Schlossbeleuchtung des Jahres zu ergattern - aber die sind da längst weg. Ein riesiger Menschenauflauf - für eine Veranstaltung, die es drei Mal im Jahr gibt. Und das schon seit Jahrzehnten. Was zieht die Menschen da eigentlich zum Neckar und lässt die Altstadt-Gassen für gut zwanzig Minuten wie leer gefegt zurück? Wir haben vor der ersten Schlossbeleuchtung des Jahres einfach mal am Neckarufer nachgefragt.
Der Romantiker: Mit Klappstühlen und Campingtisch unter dem Arm hatte sich Philip Hoepffner jahrelang auf den Weg zum Philosophenweg gemacht und dort um Punkt 19 Uhr den Tisch für seine damalige Freundin gedeckt. "Teller, Besteck, eine Kerze - das volle Programm", lacht Hoepffner. Seine erste Schlossbeleuchtung hat der 39-Jährige vor fast zwanzig Jahren gesehen, als junger Student. Und obwohl er zwischendurch in England und Malawi lebte: Hoepffner kam immer wieder zurück, um das Feuerwerk zu sehen. "Das ist schon etwas, das mich geprägt hat." Den Aufwand hat er inzwischen aber deutlich zurückgefahren. Dieses Jahr sitzt er mit einer guten Freundin ganz entspannt auf der Neckarwiese nahe der Heuss-Brücke - aber immerhin auf denselben Campingstühlen wie früher.
Die Verliebten: Thomas Kachel überredete seine Freundin, Adriana Appenzeller, mitzukommen. Für sie ist es die erste Schlossbeleuchtung. "Wir sind frisch verliebt, da dachte ich, ich zeig es ihr mal", schmunzelt Kachel, der sich sogar um die Verpflegung gekümmert hat. Seine Freundin ist bereits gespannt: Silvester hat die Mannheimerin vor mehr als zehn Jahren auf dem Schloss gefeiert und schwärmt noch heute: "Das war der Wahnsinn."
Die Fotografin: Cindy Mayer hat schon gegen 21 Uhr ihre Kamera am Neckarufer aufgebaut: "Ich hab’s bisher nie geschafft, wollte aber immer mal her", erzählt die Hobbyfotografin. Dabei wäre das fast noch schief gegangen: Erst machte die Bahn Probleme, dann waren die Busse zu voll, um noch rein zu kommen. Letztendlich musste die Mannheimerin vom Hauptbahnhof bis zur Alten Brücke laufen. Zuletzt hatte Mayer in Barcelona probiert, ein Feuerwerk zu fotografieren, "aber die Fotos waren nicht so der Bringer", lacht die 24-Jährige. Jetzt soll alles besser werden: "Damals kannte ich mich eben noch nicht so gut mit der Kamera aus", so die Studentin.
Die Spontanen: Nicht weit von ihr sitzen zwei alte Damen: "Schreiben Sie ,zwei Omas’", amüsieren sich die beiden, die anonym bleiben wollen - und kriegen sich kaum mehr ein. "Dabei haben wir doch nur ein Bier getrunken", sagt die eine zur anderen. Aus Kaiserslautern kamen sie nach Heidelberg - "bestimmt zum zehnten Mal" seien sie in der Stadt. Aber noch nie haben sie eine Schlossbeleuchtung gesehen. Doch die Stadtführerin sagte ihnen, dass sie das nicht verpassen dürften. Als die beiden dann sahen, dass auf der Neckarwiese nur junge Leute saßen, hatten sie ihren perfekten Platz gefunden: "Wir sind mit Abstand die Ältesten hier", glucksen sie vergnügt.
Die Stammgäste: Kurz bevor es losgeht haben Uwe und Silvia Herzl ihren Stammplatz auf der Theodor-Heuss-Brücke gesichert. Auch wenn sie nicht jede Schlossbeleuchtung mitnehmen, haben sie doch ihre Prinzipien: "Wenn schon Schlossbeleuchtung, dann die erste oder letzte", erklärt Uwe Herzl. Seine Frau musste er am Samstag nicht lange überreden: "Das Feuerwerk hat einfach was und ist ein schöner Abschluss des Abends", erklärt Silvia Herzl noch schnell, als abrupt die Straßenlaternen ausgehen und auch die letzten, die noch keinen Platz gefunden haben, einfach stehen bleiben und zur Alten Brücke schauen. Um 22.22 Uhr kommt der erste Knall, die Herzen, der Goldregen - und um 22.35 Uhr ist auch schon wieder Schluss. Zumindest fürs Erste in diesem Jahr.

