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Volkshochschule Sinsheim: Europapolitiker knöpft sich Euro-Skeptiker vor

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Sinsheim. (ubk) "Europa ist ein paradoxes System - es hat das Höchstmaß an geistiger Einheit verwirklicht […] und das Höchstmaß an Zerrissenheit in Hinsicht auf die Willenskräfte", soll der französische Philosoph und Lyriker Paul Valéry schon vor beinahe 100 Jahren notiert haben.

Und doch gibt es Lichtpunkte genug, ist zumindest leiser Optimismus angesagt, wie der Vortrag Rainer Wielands, Vizepräsident des Europaparlaments und Bundesvorsitzender der überparteilich organisierten "Europa Union Deutschland" in der Volkshochschule zeigte.

Christdemokrat Wieland, der seit über 20 Jahren dem EU-Parlament angehört, knöpfte sich in seiner Rede vor allem die Euro-Skeptiker vor. Er bezeichnete die Einführung der gemeinsamen Währung als "einen der großen Glücksgriffe europäischer Politik".

Der Euro zeige sich insgesamt stabiler, als dies bei der D-Mark jemals der Fall gewesen sei. Das "Nichtwissen über Europa" und seine subtilen Mechanismen seien Hauptgrund der verbreiteten Ablehnung.

Was die Verschuldungsfrage angehe, so wies er - gerade mit Blick auf das "politisch wackelige" Italien - darauf hin, dass der Apenninenstaat im Gegensatz zu Griechenland zu 70 Prozent "bei den eigenen Bürgern" verschuldet sei - was in diesem Ausmaß auf kein anderes EU-Mitglied zutreffe.

Wieland griff auch den "Brexit" auf. Hier gehe es nach wie vor um einen "harten oder weichen Abschied" aus der Union. Vieles sei noch im "Nebulösen". Am Beispiel der friedlichen Kernkraftnutzung machte der Politiker klar, was für die Briten zum Beispiel ein Ausstieg aus Euratom bedeuten würde. Nicht zuletzt aus nuklearmedizinischer Perspektive wären spürbare Einschnitte hinzunehmen.

Dass Europa - und nicht nur Europa - vor allem die Flüchtlingskrise und die damit zusammenhängenden Konflikte "bewegt", war Schwerpunktthema des Referats. Gerade diese Problematik habe "Spaltungsqualität", so Wieland.

Zu lange habe man weggeschaut, zu lange verharmlost, was sich im Südosten Europas sowie in der arabisch-afrikanischen Hemisphäre "bewege". Mit einem zeitnahen und realistischen Einwanderungsgesetz hätte man schon früh die "Ströme lenken", gewinnbringende Verteilungen sowie Zuweisungen auf den Weg bringen können, hob der Europaexperte hervor.

Aber noch sei es nicht zu spät. In Sachen "Subsidiarität" - sprich: nationalstaatliche Kompetenzenregelung - redete er einem "Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten" das Wort.

Wielands engagierte Ausführungen waren ermutigend. Sie lassen hoffen, dass die zwölf Sterne auf der EU-Flagge, die Einheit und Vollkommenheit symbolisieren sollen, tatsächlich nicht nur Wunschdenken widerspiegeln: Per aspera ad astra … Auf rauen (steinigen) Wegen zu den Sternen.

In diesem Zusammenhang wies der Vorsitzende der "Europa Union Rhein-Neckar", der frühere Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen (SPD), auf eine ihn optimistisch stimmende Jugendstudie des Reiseveranstalters TUI hin: 71 Prozent aller befragten jungen Menschen in den Ländern der Europäischen Union (auch in Großbritannien) seien für einen Erhalt der EU und für die Mitgliedschaft ihres Landes. Wenn das nichts ist.

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