Downhill World Cup 2023 – Loudenvielle: Fliegende Bikes und brutale Motivation – Rennbericht von Andi Kolb
Rang 15 für Andi Kolb beim Downhill World Cup in Loudenvielle – und für Andi war es in vielerlei Hinsicht ein sonderbares Rennwochenende. Wo seine Probleme an diesem Wochenende lagen, warum man manchmal „safety first“ fahren sollte und weshalb er sich extrem auf Les Gets freut, erklärt er in diesem Artikel.
Der Weg nach Loudenvielle! Erstes Mal ein Weltcup in Loudenvielle, ich war generell noch nie in der Gegend. Nicht weit weg von Andorra, es waren für mich nur so 4 Stunden Autofahrt, daher war es also schon eine ganz entspannte Anreise. Aber ich wusste schon, dass die Woche sicher tricky werden wird und ich mit meinem Knöchel vom Sturz im Finale in Andorra doch etwas zu tun habe. Ich hatte zwar keine genaue Diagnose, aber es war auf jeden Fall etwas unangenehm. Dennoch war ich motiviert auf das Rennen in Loudenvielle: Die Strecke hat schon mal mega gut ausgeschaut.
Oben zwar, wenn man ehrlich gesteht, etwas langweilig: sehr flach und die Kurven und Sprünge waren jetzt auch nicht irgendwie etwas Besonderes. Ich glaube, da hätten sie eigentlich den Start etwas weiter unten bauen können. Aber von dem Whoops Walljump, wo es dann wirklich steil wird, von dort weg war es wirklich allererste Sahne. Insgesamt also eine wirklich mega geile Strecke, nur die Finish Area wurde dann wieder etwas komisch: Ein Flat Drop und eine Art Dirt Jump/Double in eine komische Linkskurve ins Ziel rein. Aber der Rest war wirklich mega cool.
Terminverschiebungen und Slopestyle-Tricks
Für den ersten Trainingstag hatte ich mir ordentlich den Knöchel getapet – ab da wusste ich auch, dass ein Fahren sonst eh nicht möglich gewesen wäre. Vor allem mit den großen Drops im Ziel unten, da geht der Schmerz dann doch ordentlich rein. Ich habe trotzdem gleich probiert, im ersten Run alles zu springen – das war dann aber doch etwas schmerzhaft, sodass ich für das restliche Training am ersten Tag die Sprünge ausließ, weil ich wusste, dass es sonst einfach zu viel werden würde.
Es war generell schon einiges für den Knöchel los: Erst der Trackwalk, dann direkt danach das Training. Grund für die Terminierung war wieder das Wetter, die zweite Woche nacheinander. Am Samstag wurde abgesagt, direkt nach dem Trackwalk fand daher schon das Training statt und die Quali startete einen Tag früher als gedacht. Das Finale am Sonntag fand wie geplant statt, inklusive Semi-Finale.
Drei Tage im Voraus das Wetter in den Bergen hervorzusagen war meiner Meinung nach schon ein bisschen eigenartig. Ich glaube, jeder war etwas verwundert. Der Quali-Tag war dann eigentlich ganz okay. Ich hatte mich an den Schmerz im Knöchel langsam gewöhnt, ein bisschen Ibuprofen half natürlich auch – und Adrenalin. Auf der Strecke fand ich echt gut in den Flow, nur im oberen flachen Teil struggelte ich immer ein wenig, dafür hatte ich unten echt mega Spaß.
Beim letzten Trainingslauf wollte ich noch mal ordentlich Gas geben und beim Walljump, wo manche sich sogar ganz drüber gelassen haben, ordentlich mit Speed wegscrubben – nur wurde aus dem Wegscrubben dann aber mehr oder weniger ein Slopestyle-Trick. Ich war leider mit etwas zu wenig Reifendruck unterwegs, 23 PSI am Vorderrad waren mit Matschreifen und warmen Temperaturen einfach nicht genug. So walkte der Reifen weg und ich flog ziemlich hart über den Lenker ab. Ich habe zwar selber nicht wirklich was abbekommen und vor allem Gott sei dank den Fotografen nicht erschlagen, aber es war doch ein ziemlich guter Abflug.
Zum Glück hatte ich bis zur Quali nicht viel Zeit zum Nachdenken, sodass diese ganz gut verlief. Ich hatte zwar bei dem Walljump ein bisschen Speed rausgenommen und in den Offcamber-Sektionen leichte Probleme gehabt, aber sonst war es, glaube ich, ein ganz ein guter Lauf auf Platz 4. Nur 1,7 Sekunden oder so was lag ich hinten. Auf jeden Fall war das sehr zufriedenstellend für das, wie der Tag bis dort schon verlaufen ist. Und vor allem hatte man in den Sektorzeiten gesehen: Wenn ich die Fehler auslasse und oben ein bisschen mehr Commitment habe, wo der Sturz passiert ist, sind wir ganz vorne mit dabei.
Fragwürdige Orga
Der nächste Tag Day Off war dann irgendwie komisch. Sogar die Juniors wurden abgesagt. Was sich dann im Nachhinein herausgestellt hat, war, dass wohl nicht nur das Wetter schuld hatte, sondern auch die ganze Organisation. Die B-Zone war einfach eine Katastrophe. Sprich, die Rettungskräfte hätten teilweise nicht ordentlich zu verletzten Fahrern kommen können und es gab zu wenig Rettungskräfte und was weiß ich … Da war dann wohl einiges mehr dahinter als nur schlechtes Wetter, was man dann so mitbekommen hat. Es wurde dann das Junior-Rennen abgesagt, was, wenn natürlich zu wenig Rettungskräfte da sind, eine richtige Entscheidung ist, aber das sollte natürlich bei einem Weltcup nicht das Problem sein. Etwas fragwürdig, die ganze Organisation, würde ich sagen.
Aber es sollte nicht meine Entscheidung oder mein Problem sein. Wir hatten dann noch ein Riders Meeting, um sicherzustellen, dass das bei uns dann sicher alles passt. Ich glaube, an der Strecke wurde auch noch einiges gemacht. Auf jeden Fall war’s eine eigenartige Situation, aber wir bekamen dann das Go für den nächsten Tag, dass das alles passt. Ich war sowieso mehr als motiviert, auf der Strecke im Nassen Gas zu geben.
Linien-Struggle und Safety First im Finale
Am Finaltag im Training struggelte ich dann doch etwas, was meine Linien anging. Ich wollte zu sehr auf meinen Linien bleiben und hatte sicher ein paar Linienfehler gemacht, weil ich die Tage schon die gleichen Linien trainiert habe. Den ersten Run bin ich dann wieder gleich gefahren und das hatte nicht ganz funktioniert. Es ist aber leider auf der Strecke teilweise so, dass man nicht wirklich hochschieben kann, weil die B-Zone so blöd ist. Im Anschluss hatte ich noch mal einen Trainingslauf, um zwei, drei andere Linien zu fahren – also etwas zu wenig, um wirklich Gas zu geben. Im Semifinale gab es dann gute Zwischenzeiten und ich war auch oben dort gut dabei, wo ich davor gestruggelt hatte.
Zur Zwischenzeit lag ich an Nummer 3 oder 4 – dann bin ich leider in einer Linkskurve, wo ich es wirklich nicht erwartet hätte, weggerutscht und abgestiegen. Eine eigenartige Situation: Da hatte sich einer der Zuseher reingelehnt, ich hatte mich kurzzeitig auf ihn konzentriert, dann war das Vorderrad auch weg und ich war gestürzt. Das soll jetzt keine Ausrede wegen des Zusehers sein, aber wenn irgendwo kurz einmal die Aufmerksamkeit weg ist, braucht nur ein kleiner Rutscher kommen, der dann auch zum Sturz wird. Körperlich war ich somit doch schon ziemlich angeschlagen, muss ich ehrlich gestehen. Von Andorra mit dem Knöchel angereist, dann der Sturz am Qualitag und jetzt noch ein Sturz. Dennoch auf Platz 16 mit Sturz im Semifinale, womit ich glaube sehr zufrieden sein kann, dass ich noch gute Punkte mitnehme.
Leider war dann irgendwie der Kopf fürs Finale nicht mehr ganz dabei. Ich hatte noch probiert mich zu motivieren und normalerweise bin ich der Typ, der sich am Start eher beruhigen muss. Ich bin ein sehr aktiver Typ beim Warm-up und muss eher schauen, dass ich nicht zu nervös bin. Jetzt für das Finale war es aber genau das Gegenteil. Ich habe schauen müssen, dass ich mich motiviere und ja irgendwie in den Flow-State reinfinde. Das glückte mir nicht wirklich, das habe ich körperlich einfach gemerkt. Ich hatte das Gefühl, dass ich einen Safe Run machen und nicht irgendwie jetzt was riskieren will. Aber wenn man mit dem Mindset reingeht, dann ist es natürlich eh vorbei.
Ich dachte zwar dennoch, dass der Run nicht zu schlecht war, bin aber nur auf Rang 15 gekommen. Was zurzeit mit der Form, die ich momentan wohl habe, nicht wirklich zufriedenstellend ist … und so war ich dann nicht wirklich happy. Im Ziel sah ich dann, dass der Charly, mein Teamkollege, auch gestürzt ist und noch einige andere Stürze mit anzusehen, war auch irgendwie schade. Generell war es irgendwie ein komisches Rennen. Das Mittelfeld, in dem ich mit Vergier und Co. dabei war, war von den Bedingungen her auch irgendwie eigenartig. Im oberen Split, in dem ich geglaubt habe, dass es okay gewesen wäre, war ich ewig weit hinten und Vergier ebenso. Komisch, aber das muss man akzeptieren. Im Nachhinein war ich dennoch sehr zufrieden, weil ich nicht sinnlos etwas riskiert habe, obwohl ich es nicht fühlte, sondern mich für einen sicheren Run entschieden hatte.
Die Motivation für den Weltcup jetzt in Les Gets ist wieder extrem gestiegen. Ich glaube, dass ich vielleicht einen kleinen Klaps auf den Kopf gebraucht habe, damit ich wieder wirklich bei mir bin und wieder richtig Gas geben kann. Les Gets ist eine von meinen Lieblingsstrecken. Die Motivation ist brutal und ich freue mich schon, wenn es wieder weitergeht. Ich bin im Gesamtwettkampf immer noch auf Platz 6, sprich immer noch ganz gut und ich kann zufrieden sein. Mal schauen, was die Woche geht!
Seid ihr eher Team „Safe Run“ oder Team Vollgas?
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