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Siegelsbach: Erfolge, Wehmut und Motorradfahren

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Von Christian Beck

Siegelsbach. Einige Siegelsbacher kennen nur ihn als Bürgermeister: 32 Jahre hat Uli Kremsler die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Doch am Freitag endet diese Ära. Woran denkt der scheidende Rathauschef, wenn er auf vier Amtszeiten zurückblickt? Kann er loslassen? Und wie will er seinen Ruhestand verbringen? Diese und viele weitere Fragen beantwortetet Kremsler der RNZ im ausführlichen Gespräch.

Ihr Büro räumen Sie bereits seit einigen Tagen auf. Gibt es etwas, das erst am letzten Tag eingepackt wird?

Uli Kremlser: Natürlich die Dinge, die ich zum Arbeiten brauche. Davon abgesehen werde ich aber ein Bild bis zum Schluss hängenlassen. Zu meinem 50. Geburtstag haben mir das die Kindergärten geschenkt.

Werden Sie beim Zusammenräumen etwas wehmütig?

Ja, natürlich. Bis zur Gemeinderatssitzung im November hatte ich auch immer das Gefühl, ich muss noch etwas bewegen, etwas fertig machen. Seit Dezember freunde ich mich aber damit an, dass diese Zeit endet. Und mittlerweile freue ich mich auch intensiv auf die Zeit danach.

Woran denken Sie, wenn Sie auf 32 Jahre als Bürgermeister zurückblicken?

Wichtig waren für Siegelsbach die Verlagerung der Schule und der Bau des Bürgerzentrums. Außerdem konnten von 1987 bis 2004 mithilfe eines Bundesforschungs- und eines Landessanierungsprogramms beträchtliche Teile des Orts saniert werden - das hat Siegelsbach nachhaltig verändert. So wurde auch das Gewerbegebiet entwickelt. Später ging’s um das Thema Bundeswehr-Konversion, zuletzt dann um die Ansiedelung des Penny-Markts.

Wie schätzen Sie die momentane Lage Siegelsbachs ein?

Siegelsbach ist momentan gut aufgestellt. Wir haben mittlerweile neben Mann und Schröder noch weitere Arbeitgeber im Ort, die auch Gewerbesteuer zahlen.

Seit Jahren fürchten manche Siegelsbacher, dass der Ort seine Selbstständigkeit verlieren könnte.

Für die Zukunft habe ich da keine Sorge. Momentan sind wir finanziell ganz gut ausgestattet. Das war aber auch schon anders.

Das klingt alles sehr positiv. Gibt es Dinge, bei denen Sie sich rückblickend mehr Bewegung gewünscht hätten?

Ich denke, Siegelsbach muss die 2000-Einwohner-Marke anpeilen, um die Schule und alle weitere Infrastruktur mit Leben zu erfüllen. Momentan sind wir bei etwa 1670 Einwohnern. Die Entwicklung neuer Wohnbaugebiete hat sich zu lange hingezogen, die Bauwelle der letzten Jahre konnten wir deshalb nicht mitmachen.

Wie sieht es mit der Sporthalle aus?

Die muss aus meiner Sicht fast neu gebaut werden, die jetzige ist zu klein und fast 50 Jahre alt. Nun stehen Reparaturen an, die nicht notwendig gewesen wären, wenn man die Halle schon vor ein paar Jahren gebaut hätte.

Hat man Ihrer Meinung nach zu lange mit dem Projekt gewartet?

Ja. Denn die Baukosten laufen davon. Wir sind jetzt bei voraussichtlichen Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Ich hätte das Projekt gerne früher in Angriff genommen, damals hat man noch mit einer Million Euro gerechnet. Dass das nicht möglich war, habe ich bedauert.

Einige Siegelsbacher berichten, dass der Ort vor über 30 Jahren teilweise recht wüst ausgesehen hat. Warum haben Sie sich entschieden, hier als Bürgermeister zu kandidieren?

Vielleicht war es die Herausforderung. Außerdem wollte ich im Landkreis bleiben. Die Alternative wäre damals Ittlingen gewesen. Achim Heck und ich hatten uns beides angeschaut.

Haben Sie sich abgesprochen?

Nein, das war eine glückliche Fügung.

Was haben Sie als Bürgermeister am allerliebsten gemacht?

Am liebsten habe ich die Ortsentwicklung betreut. Wenn sich irgendwo was entwickelt hat, war das mein Ding. Das zu begleiten, jeden Tag auf der Baustelle dabei zu sein, zu schauen, ob das in die richtige Richtung läuft. Was entstehen zu sehen.

In einer Stadt hätten Sie hierfür aber mehr Spielraum gehabt.

Ja, das war ein Beweggrund, warum ich im Jahr 1998 bei der Bürgermeisterwahl in Schwaigern angetreten bin. Das hat nicht funktioniert, und ich hadere damit nicht. Siegelsbach hat auch immer interessante Perspektiven geboten.

Haben Sie einmal darüber nachgedacht, noch eine weitere Amtszeit dranzuhängen?

Nein. 32 Jahre sind genug. Für mich, und auch für die Gemeinde. Irgendwann sind neue Ideen gefragt. Und die bringt mein Nachfolger mit.

Die Arbeit als Bürgermeister ist oft zeitintensiv und kräftezehrend. Gab es Momente, in denen Sie gedacht haben: "Ich hätte es auch leichter haben können"?

Ja, schon. Vor drei Jahren hatte ich schwere gesundheitliche Probleme, da hatte ich darüber nachgedacht, früher aufzuhören. Aber Siegelsbach hat mir auch immer die Chance gegeben, einmal durchzuatmen. Hier war ich nicht nur der Bürgermeister, sondern auch Privatperson. Das habe ich geschätzt.

Werden Sie auch in Zukunft in Siegelsbach bleiben?

Ja. Ich habe hier ein schönes Haus. Den Baum reißt man nicht aus und setzt ihn woanders hin.

Was planen Sie für Ihren Ruhestand?

Ich möchte reisen. Und wenn es mir mit meinem Wohnmobil an einem Ort gefällt, möchte ich auch mal länger dort bleiben.

Gibt’s schon konkrete Reiseziele?

Dieses Jahr haben meine Frau und ich uns Norwegen vorgenommen.

Fahren Sie noch Motorrad?

Ja, ich bin ja auch noch der Präsident der "Mayors". Das sind die motorradfahrenden Bürgermeister des Landkreises Heilbronn. Wir haben eine Kutte wie die "Hell’s Angels" (lacht). Und ich organisiere auch weiterhin die Ausfahrten.

Können Sie nach 32 Jahren loslassen?

Ja, ich denke schon. Mir war wichtig, dass sich ein Fachmann bewirbt. Beworben haben sich sogar zwei, einen haben die Siegelsbacher gewählt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Tobias Haucap?

Ich komme mit ihm sehr gut klar.

Haben Sie sich ausgetauscht?

Wir sind im regelmäßigen Austausch. Ich möchte es aber handhaben, wie es mein Vorgänger Kurt Schüssler mit mir gehandhabt hat: Privat hatten wir ein sehr gutes Verhältnis, dienstlich hat er sich aber nicht eingemischt.

Und wenn ihr Nachfolger Sie um einen Rat fragen sollte?

Dann muss ich mich natürlich erst einmal selbst fragen, ob ich Rat geben kann. (lacht) Natürlich wäre das kein Problem. Aber ich habe den Eindruck, dass er Entscheidungen auch gut ohne meinen Rat treffen kann.

Info: Die Verabschiedung von Bürgermeister Uli Kremsler sowie die Amtseinführung seines Nachfolgers Tobias Haucap findet am Freitag, 12. Januar, ab 19 Uhr im Bürgerzentrum statt.

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