Roth nach EM-Aus: Hat nicht gepasst zwischen Team und Trainer
Melsungen (dpa) - Trainer Michael Roth vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen hat nach dem EM-Aus der Nationalmannschaft Bundestrainer Christian Prokop schwer kritisiert. «Man muss kein Handball-Fachmann sein, um zu sehen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft nicht richtig gepasst hat», sagte der 44-malige Nationalspieler am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Das ging schon vor dem Turnier mit bestimmten Personalentscheidungen los. Man kann als Trainer ja ein System im Kopf haben, aber man muss es an die Mannschaft anpassen und nicht seine Vorstellungen mit Gewalt platzieren.»Roth, Olympia-Zweiter mit der DHB-Mannschaft 1984, sprach von einem Vertrauensverlust zwischen Team und Trainer. «Vertrauen ist aber die Basis zum Erfolg. Da ist viel Porzellan zerschlagen worden. Mannschaft und Trainer sind ins Wanken geraten.» Ein weiterer Vorwurf war: «Eine Stammformation konnte man nicht erkennen. Es sind viele Dinge passiert, die hätten nicht passieren dürfen, viele hausgemachte eigene Fehler.»Prokop habe man «die fehlende Erfahrung angemerkt», sagte Roth, der mit dem TV Großwallstadt 1990 deutscher Meister wurde. «Er hat eine gewisse Unsicherheit ausgestrahlt. Aber letztlich liegt das in der Verantwortung von Bob Hanning. Er hat ihn geholt.» Der Melsunger Trainer warf zudem dem Spielerrat vor, nicht das Gespräch mit dem Bundestrainer gesucht zu haben. Trainer Kai Wandschneider von der HSG Wetzlar mutmaßte: «Da scheint irgendetwas führungsmäßig nicht gestimmt zu haben. Die Kommunikation scheint in allen Bereichen gestört zu sein. Wenn es intern aber nicht stimmt, kann man nicht erfolgreich Handball spielen.»Prokop habe «in seinem geschützten Umfeld in Leipzig» hervorragende Arbeit geleistet. «Aber wahrscheinlich lässt sich das nicht auf die Nationalmannschaft übertragen», sagte Wandschneider.

