H3: Gipfelstürmer beim angeschlagenen Goliath in der Residenzstadt
Wie die H3 des 1.VSV Jena 90 den Goliath aus Gotha zu Fall brachten:
Es gibt Tage, da fährt man nicht einfach nur zu einem Auswärtsspiel. Es gibt Tage, da begibt man sich auf eine Expedition. Das Ziel: Der Volleyball-Gipfel der Thüringenliga. Der Gegner: Ein gefährlicher Mix aus erfahrenen, altehrwürdigen Spielern mit langjähriger Bundesliga Erfahrung und athletischer Jugend. Zudem ein 2 Meter Mittelblock-Hüne, der Gerüchten zufolge noch vor kurzem in der 2. Bundesliga die Bälle so hart in den Boden geschlagen hat, dass heute noch Risse im Hallenboden zu sehen sind.
Der VC Gotha III empfing uns am 31.01.2026 in heimischer Halle, war aber bereits leicht angeknackst. Ohne Bergführer Franzl verloren sie das erste Spiel ihres Heimspieltages eindeutig gegen den Geraer VC und wirkten emotional so stabil wie eine marode Schutzhütte im Schneesturm. Als amtierender Tabellenführer der Thüringenliga war unsere Mission nun noch deutlicher: Wir wollten nicht nur den Finger in die Wunde der Gothaer Hinspielniederlage legen, wir wollten darin genüsslich herumrühren, um unsere Spitzenposition weiter auszubauen.
Bevor es losging, versammelte Coach L. Winkler jedoch erst einmal die Truppe um sich. In einer Ansprache, die vermutlich auch als Drehbuch für einen Bergsteiger-Epos durchgehen würde, schwor er uns ein: „Männer, wir stehen auf dem Gipfel der Thüringenliga. Die Aussicht ist fantastisch, die Luft ist dünn, aber sie gehört uns! Gotha schaut von der Nordwand hoch, sie krallen sich bibbernd am Felsen fest und versuchen, zu unserem Gipfel vorzudringen. Aber wir treten ihnen auf die Finger, bis sie loslassen!“ Die Botschaft saß. Letzte Saison mochte Gotha uns zweimal geärgert haben, aber seit wir den letztjährigen Meister am Anfang der Saison in die Schranken gewiesen hatten, war die Angst vor dem „Goliath“ dem Jenaer Selbstbewusstsein gewichen.
Der Start war wie immer zuletzt – diplomatisch ausgedrückt – etwas eingerostet. Beide Teams agierten nervös, die Ballwechsel waren lang, zäh und von taktischem Abtasten geprägt. Es war ein klassisches Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem sich niemand so recht absetzen konnte. Doch als die Anzeigetafel die 20er-Marke überschritt, bewies die Jenaer Trupp eiskalte Nerven. Mit 25:23 sackten wir den ersten Satz ein.
Wer dachte, das wird nun ein Spaziergang zum Gipfel, wurde im zweiten Satz eines Besseren belehrt. Unsere Aufschläge entwickelten eine magische Anziehungskraft zum Netz. Gotha nutzte die Geschenke dankend aus. Zu allem Überfluss passierte das Unheil: Mittelblockerlegende Dr. Prüfer hielt sich die Wade. Diagnose: Ende im Gelände für heute, Abstieg noch bevor der Gipfel gesichert ist. Die Moral bröckelte wie die Eiswand im Frühling und der Satz ging mit 22:25 an die Hausherren. Der Goliath lachte kurz auf und streckte die Hand zum Gipfel.
Satz Drei war ein taktisches Schachspiel und nichts für schwache Nerven. Es war ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Beide Trainer zückten ihre taktischen Auszeiten, intensive Ballwechsel forderten beide Teams. Aufschlagwechsel folgten auf Aufschlagwechsel. Beide Teams spielten ihre Trümpfe aus, doch Jena bewies erneut Nervenstärke. Mit einem hauchdünnen 26:24 drückten wir die ausgestreckte Hand zur Seite setzten selbst zuerst den Fuß auf´s Gipfelplateau.
Im vierten Satz warf Gotha nochmal alles in die Waagschale. Frühe Auszeiten, ständige Wechsel – sie versuchten weiterhin, den Jenaer Gipfel-Express zu stoppen. Wir hielten jedoch mit purer Willenskraft dagegen und erklommen einen konstanten Vorsprung. Als wir schließlich davonzogen und phasenweise die doppelte Punktzahl auf dem Konto hatten, war der Antrieb zur Gipfel Erklimmung bei den Gastgebern scheinbar erloschen. Jena blickte nun souverän vom Gipfelkreuz und beendete das Spektakel mit einem deutlichen 25:18.
Mit einem 3:1 im Rucksack traten wir die Heimreise an. Der strauchelnde Goliath Gotha war nun zu Fall gebracht und stellt vorerst keine Gefahr mehr für unseren Thron dar. Besonders hervorzuheben ist unser Diagonalangreifer Dennis Schulze, der völlig zurecht zum MVP gekürt wurde. Dennis zwirbelte die Bälle in einer Tour durch, über oder einfach stumpf am Gothaer Block vorbei, dass den Zuschauern schwindelig wurde. Stabil ist kein Ausdruck für diese Leistung!
Die Mannschaft hat mit Feuer, Zusammenhalt und einer ordentlichen Portion Siegeswillen die Gipfelverteidigung erreicht – und die Aussicht ist verdammt schön und man kann schon bis Nordhausen sehen. Dort erfolgt der nächste Auftritt am kommenden Samstag. Wir werden wieder berichten.
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