Verdienter Lohn für eine starke EM-Kampagne
Die jungen Schweizerinnen zeigten in einem Spiel, in dem beide Teams die Achtelfinals nicht mehr erreichen konnten, noch einmal eindrücklich, was sie in den letzten Tagen auszeichnete. Trotz Satzrückstand bewiesen sie Moral, wehrten im dritten Umgang sogar einen Satzball ab und standen am Ende gegen die weitaus höher eingestuften Weissrussinnen als verdiente Siegerinnen da.
Die EM-Kampagne, die - begünstigt durch die Aufstockung von 16 auf 24 Teams - mit der erstmals auf sportlichem Weg erreichten Qualifikation für eine Endrunde begonnen hatte, nahm damit ein erfreuliches Ende. "Wir haben immer an unsere Chance geglaubt, das ist einfach nur fantastisch", freute sich Captain Laura Künzler über den historischen Schweizer Sieg. Letztmals war es im Jahr 1971 einem Frauen-Nationalteam gelungen, an einer Endrunde eine Partie zu gewinnen.
"Wir haben heute Geschichte geschrieben und ich bin sicher, dass die Mannschaft noch mehr Geschichte schreiben wird", meinte ein sichtlich gerührter Nationaltrainer Timo Lippuner. "Wir haben unglaublich viel investiert, und das Team hat sehr viel zurückgegeben. Jetzt gerade habe ich natürlich ein lachendes und ein weinendes Auge."
Die positive Entwicklung des Frauen-Nationalteams seit der Heim-EM 2013 ist zu einem grossen Teil auch Lippuners Verdienst. Mit seiner akribischen Arbeit und Hartnäckigkeit ist es dem 39-jährigen Solothurner gelungen, das Schweizer Volleyball auf ein höheres Level zu bringen. Lippuner war stets darauf bedacht, das professionelle Denken im Verband zu verankern. So steigerte er beispielsweise die Qualität der Trainings mit dem Einsatz von technischen Hilfsmitteln.
Künftig wird Swiss Volley aber auf Lippuners Dienste verzichten müssen. Er wird den Verband auf eigenen Wunsch per Ende Jahr verlassen, um sich voll auf seinen Job als Trainer des bayrischen Bundesliga-Klubs Vilsbiburg zu konzentrieren. "Ich habe gespürt, dass der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist", begründete Lippuner seinen Entscheid, den Verband nach 13 Jahren zu verlassen.
Wer Lippuners Nachfolge als Frauen-Nationaltrainer antritt, ist noch offen. Laut Anne-Sylvie Monnet, der Direktorin Volleyball bei Swiss Volley, werden derzeit noch Gespräche mit möglichen Kandidaten geführt. Bis spätestens Mitte Oktober soll in der Trainerfrage jedoch Klarheit herrschen. Gesucht wird jemand mit internationaler Erfahrung, der im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Verbandes liegt und sich auch arrangieren kann, nicht nur mit Vollprofis zusammen zu arbeiten. Im Vergleich zu den anderen Teams trat die Schweiz an der EM nur mit 2 statt 14 Profis an - Topskorerin Maja Storck und Captain Laura Künzler.
Wichtiger als die Trainerfrage scheint ohnehin, ob der Kern des mit durchschnittlich 21,5 Jahren jüngsten aller 24 EM-Teams weitermacht. Ist das der Fall, wäre ein nächster Schritt auf der europäischen Bühne möglich. Laura Künzler jedenfalls versichert: "Wir sind heiss auf mehr."
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