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Neuer Zoff spaltet die Tennis-Welt

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Neuer Zoff spaltet die Tennis-Welt

Aufbruch zu neuen Ufern oder Festhalten an Altbewährtem?

Im Schatten von Corona ist in der Tenniswelt eine Diskussion um die Zukunft des weißen Sports entfacht. Während eine Fraktion für eine Abschaffung des Best-of-five-Modus plädiert und nur noch auf zwei Gewinnsätze spielen will, spricht sich eine andere Gruppierung vehement für das traditionelle Format, das fast nur bei Grand-Slam-Turnieren gespielt wird, aus.

Welche Bedeutung dieser Richtungsstreit für das Tennis haben kann, zeigt allein schon die Tatsache, dass der Streit nicht nur von Funktionären oder Hinterbänklern ausgetragen wird, sondern beide Parteien von Top-Spielern angeführt werden.

Novak Djokovic ist der Anführer der "Reformer" und spricht sich vehement für eine Abschaffung des Best-of-Five aus. "Ich bin mehr ein Verfechter des Best-of-three bei allen Turnieren, auch wenn Grand-Slam-Events immer im Best-of-five ausgespielt wurden."

Der Serbe bekommt dabei tatkräftige Unterstützung von Daniil Medvedev. Der Russe, der zuletzt seinen ersten Triumph beim ATP Finals feiern konnte, antwortete in London auf diese Frage: "Ich würde das maximal auf drei Sätze verändern, wenn sie mich fragen."

Dass diese Änderung weitreichende Folgen für das Tennis haben könnte, dessen scheint er sich jedoch auch bewusst zu sein und schob direkt hinterher: "Ich weiß, dass diese Meinung nicht sehr populär ist."

Drei Gewinnsätze als ultimative Herausforderung

Wenn man sich die Riege der Verfechter des Fünf-Satz-Modus anschaut, scheint "nicht sehr populär" jedoch noch untertrieben. Rafael Nadal, Roger Federer, Dominic Thiem, Alexander Zverev - sie alle wollen an der Tradition festhalten.

"Einen Grand Slam im Best-of-three zu gewinnen ist einfach etwas anderes", erklärte Nadal im Rahmen der ATP Finals und begründete seine Meinung damit, dass der aktuelle Modus geistig und körperlich fordernder sei. Diese Konstanz über zwei Wochen zu zeigen, sei für Nadal genau "das Richtige".

Federer, der 2021 40 Jahre alt wird, geht sogar noch einen Schritt weiter und will nicht nur bei Grand Slams den Modus beibehalten, sondern noch mehr Turnier über drei Gewinnsätze zu spielen. "Ich würde mehr Best-of-5-Matches in Endspielen auf der ATP-Tour hinzufügen. Bei den Masters-1000-Turnieren haben wir Möglichkeiten dazu, Finals über drei Gewinnsätze zu spielen. Und vor allem bei den ATP World Tour Finals. Es ist bedauerlich, dass wir auf der ATP-Tour keine Best-of-five-Matches haben und nur bei den Grand Slams, im Davis Cup und im Olympiafinale. Das ist eine verschwendete Chance."

Das Hauptargument, das die Fünf-Satz-Gegner immer wieder ins Feld führen, ist die Belastung und daraus resultierende Verletzungsanfälligkeit. "Für mein Gefühl haben wir aber genug Turniere und Matches während des Jahres. Der Tennissport hat die längste Saison aller Sportarten und dauert vom 1. Januar bis Ende November", betonte Djokovic.

Ausgerechnet Gegner Nadal bietet das perfekte Argument für diese Forderung. Bei den US Open 2018 kämpfte sich der Spanier jeweils mit vier Sätzen ins Viertelfinale. Dort musste er Dominic Thiem in einem epischen Fünf-Satz-Match niederringen - um dann im Halbfinale gegen Juan Martín del Potro nach zwei Sätzen verletzungsbedingt aufzugeben.

Tennisexperte: "Best-of-five ist ein Gemetzel"

"Best-of-five ist ein Gemetzel", twitterte im Anschluss an dieses Match Ben Rothenberg von der New York Times.

Doch gerade dieser Anspruch an absolute körperliche Fitness über zwei Wochen ist der besondere Reiz, den dieser Modus ausmacht. "Tatsache ist, dass der Best-of-five-Modus der ultimative Test für mentale und physische Ausdauer ist. Er ist das, was eines Grand-Slam-Events würdig ist", zeigt sich auch Pat Cash, Wimbledon-Sieger von 1987, davon überzeugt.

Die aktuelle Riege der Top-Spieler eignet sich übrigens nicht, um den körperlichen Verschleiß gegen den Best-of-five-Modus ins Feld zu führen. Auch wenn die jüngeren Spieler langsam aber sicher Druck machen, sind es immer noch Nadal, Federer und Djokovic, die zumeist den Ton angeben - und die sind alle jenseits der 30.

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Natürlich haben sich die Meldungen von Operationen bei diesen drei - aber auch del Potro oder Stan Wawrinka - in den letzten Jahren gehäuft. Andy Murray plagt sich sogar mit chronischen Hüftschäden herum. Dennoch ist es Fakt, dass die Spieler immer länger ihre absolute Topleistung abrufen können und körperlich bedeutend länger spielen als zu früheren Zeiten.

Zumal die Abschaffung der drei Gewinnsätze nur ein Tropfen auf den heißen Stein in puncto körperliche Überbeanspruchung wäre. Die Endspiele der Masters-1000-Events gehen seit 2008 nicht mehr über drei Gewinnsätze. Damit bleiben nur die vier Highlights des Tenniskalenders im traditionellen Modus.

Görges plädiert für drei Gewinnsätze

Auch die mittlerweile zurückgetretene Julia Görges will von einer Regeländerung hin zu zwei Gewinnsätzen nichts wissen. Zwar könne sie sich Neuerungen wie die Shotclock vorstellen, "gravierende Änderungen am Spiel aber bitte nicht. Also auch nicht Best-of-five bei den Herren abschaffen. Fitness ist ein großer Aspekt im Sport und das sollte er auch bleiben."

Zumal die Verantwortlichen schon reagiert haben. Lediglich bei den French Open wird der fünfte Satz noch ohne Tie-Break gespielt. Bei den anderen Grand Slams gibt es verschiedene Entscheidungsformen, die ausufernde Partien verhindern sollen.

Dabei sind es gerade diese Momente, die als epische Duelle in die Tennisgeschichte eingehen. Unvergessen ist das Wimbledon-Finale 2019. Vier Stunden und 57 Minuten lang kämpften Djokovic und Federer um den Sieg beim prestigeträchtigsten Turnier der Welt. Erst nach zwei abgewehrten Matchbällen setzte sich der Serbe mit 13:12 im Entscheidungssatz durch.

Genau hierin liegt aber auch die große Angst der Turnierveranstalter. Im Best-of-three sind die Spiele oft nicht so umkämpft. Spiele, die wie bei den Damen nicht mal eine Stunde dauern, könnten zum Dauerzustand werden. Nimmt man die Halbfinalpaarungen 2018 und 2019 in Wimbledon, kommt man im Männerwettbewerb auf 232 Spiele in 18 Sätzen. Bei den Damen waren es lediglich 67 Spiele in acht Sätzen. Während die Männer also knapp 13 Spiele pro Sätzen hatten, kommen die Damen lediglich auf etwas mehr als acht Spiele im Schnitt.

Die Zuschauer würden also bedeutend weniger Tennis geboten bekommen.

Fünf Sätze nicht mehr zeitgemäß?

Aber vielleicht wollen die Zuschauer auch gar nicht mehr so viel Tennis?

"Diese neue Generation von Fans, die Millenials, hat nicht mehr diese große Aufmerksamkeitsspanne. Sie wollen, dass die Dinge schnell passieren. Für die Spieler und auch, um mehr Menschen anzuziehen - mehr Zuschauer eines jüngeren Publikums - müssen wir die Spiele also dynamisch halten", ist sich Djokovic sicher.

In diesem Punkt bekommt er unerwarteten Zuspruch von Murray. Der Schotte ist Verfechter des Best-of-five, wie er in einem Gespräch mit der New York Times zugab, offenbarte aber auch, dass er die Zuschauer verstehen könne. Er selbst war bei Wimbledon 2018 als Experte im Einsatz und kommentierte das Viertelfinalspiel zwischen Nadal und del Potro. Nach vier Stunden und 47 Minuten hatte er eine Tischreservierung verpasst und seine Meinung ein Stück weit geändert: "Es war ein erstaunliches Spiel, es war eine brillante Partie, aber es war wirklich lang, als Zuschauer dort zu sitzen."

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Zverev fordert mehr Freizeit

Für Alexander Zverev wird die ganze Diskussion jedoch an der falschen Stelle geführt. Nicht die Menge der Spiele sei das Problem, sondern "wie viel Freizeit wir tatsächlich haben können. Selbst wenn man eine Woche lang nicht bei einem Turnier spielt, kann man diese Woche nicht frei nehmen, man muss trainieren. (...) Wir haben keine Zeit, uns auszuruhen." Zum Thema drei Gewinnsätze hat er eine klare Meinung: "Es sollte für immer so bleiben."

Oder um es mit den Worten von Thiem zu sagen: "Ich denke, die Majors sollten Best-of-five bleiben. Das ist Tradition. Es ist so, wie es immer war, und das macht es zu etwas ganz Besonderem."

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