Nachwuchs unter der Lupe
Wie viele Titel Roger Federer oder Steffi Graf in ihren Karrieren eingeheimst haben, wissen wir alle. Doch wer von Euch weiß eigentlich, wer sich in der Geschichte des Tennissports die Juniorinnen- und Juniorentitel bei den vier Grand-Slam-Turnieren geschnappt hat? Und wie viele DTB-Nachwuchscracks waren unter den zahlreichen Champions? »Tennisredaktion.de« hat durch die deutsche Brille mal etwas genauer hingeschaut und für Euch recherchiert…
Fünf DTB-Juniorinnen-Titel
Bei den weiblichen Cracks war Ilse Buding 1957 mit ihrem Sieg bei den French Open die erste Deutsche, die sich eine Juniorinnen-Grand-Slam-Trophäe schnappen konnte, gefolgt von Barbara Rittner (1991 in Wimbledon). Zwei Jahre später siegte Heike Rusch bei den Australian Open. Es dauerte bis 2003, ehe Anna-Lena Grönefeld in Paris nachlegen konnte. Annika Beck wiederholte dieses Kunststück im Bois de Boulogne im Jahre 2012. Seitdem wartet der Deutsche Tennis Bund auf einen Juniorinnenerfolg bei einem der Majors. Mit fünf Titeln liegt Deutschland im »ewigen Ranking« zusammen mit Argentinien, Bulgarien, Italien, Kroatien und den Niederlanden auf Rang Zwölf. Australien führt mit sage und schreibe 61 Titeln (54 davon allerdings »daheim« in Melbourne, vorrangig in den Jahren 1930 bis 1981). Legenden wie Steffi Graf (Brühl), Martina Navratilova (USA), Monica Seles (Kroatien) oder Chris Evert (USA) sucht man in der Siegerliste der Juniorinnen übrigens vergeblich.
Neun DTB-Junioren-Titel
Beim männlichen Nachwuchs schaut es aus deutscher Sicht etwas besser aus. Ingo Buding konnte 1959 und 1960 als Junior bei den French Open gewinnen. Satte dreißig Jahre sollte es dauern, bis der nächste deutsche Sieg eingetütet war: Dirk Dier siegte 1990 bei den Australian Open und Nicolas Kiefer triumphierte 1995 in Melbourne und New York. Drei Titel nacheinander gewann Daniel Elsner. Er schnappte sich zunächst den US-Open-Titel 1996 und siegte dann im neuen Jahr auch in Melbourne und Paris. 2014 war es dann Alexander Zverev, der als bislang letzter Deutscher einen Junioren-Grand-Slam-Titel einfuhr (2014 in Melbourne). Der DTB liegt im »ewigen Ranking« mit neun Titeln auf Rang Sieben. Australien führt das – wie bei den Damen etwas verzerrte – Ranking mit 77 Titeln (davon 63 Australian-Open-Titel) an. Erst seit 1973 werden bei allen vier Grand-Slam-Turnieren die Nachwuchssiegerinnen und -sieger ausgespielt, anfangs lediglich in Australien.
Nur Edberg gelang »der große Wurf«
1998 tauchte übrigens auch der Name von Rekord-Grand-Slam-Sieger Roger Federer (Schweiz) dank seines Titels an der Londoner Church Road erstmals auf. Dem Schweden Stefan Edberg gelang 1983 der lupenreine Junioren-Grand-Slam. Bis heute einmalig in der Tennisgeschichte, wobei ihm der Australier Mark Kratzman ein Jahr später dicht auf den Fersen war. Nur in Paris konnte der talentierte »Aussie« nicht gewinnen. Der Venezolaner Nicolas Pereira gewann 1993 wie Gael Monfils (Frankreich/2004) ebenfalls drei von vier Grand-Slam-Trophäen. Einige große Namen sucht man bei den Juniorensiegern vergeblich: Pete Sampras (USA), Novak Djokovic (Serbien) und Rafael Nadal (Spanien) beispielsweise. Die zündeten bekanntlich erst bei den »Großen«. Da aber dann richtig… Und Boris Becker machte es ganz anders: der Leimener siegte einfach im Juniorenalter schon bei den »Großen«. Mit 17 Jahren und sieben Monaten ist er noch immer der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten. Jüngster Grand-Slam-Sieger überhaupt ist Michael Chang aus den USA, der bei seinem sensationellen Sieg 1989 in Paris gar noch vier Monate jünger war als unser Boris…
Fakt ist: von sehr, sehr vielen Nachwuchsspielerinnen und -spielern, die in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York einst triumphierten, hat man im weiteren Verlauf der Karrieren wenig bis gar nichts mehr gehört. Einige aber haben dieses Sprungbrett genutzt und zur ganz, ganz großen Karriere angesetzt.
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