Tennis
News melden
Nachrichten

Tick-tack, tick-tack…

Von Jörg Linden.

Für uns Menschen hat die Zeit, je nach individueller Lebenssituation und Ausübung der Tätigkeit, privat, beruflich oder im Sport völlig unterschiedliche Bedeutung. Leider oder zum Glück steckt es in unserer DNA, diese unschätzbare »Macht der Zeit« nicht immer optimal zu nutzen, sogar fahrlässig mit ihr umzugehen.

Beim Schreiben meines Buches habe ich immer wieder feststellen müssen, dass ganz viele Aspekte des alltäglichen Lebens 1:1 auf uns Tennisspieler zutreffen. Dazu gehört die »Zeit«. Aus aktuellem Anlass und persönlichen Gründen lasse ich das Thema »Zeit für Tennisspieler« nun weg und beschäftige mich neu mit den »Zeichen der Zeit« historisch mit der realen Zeit in der schwersten Krise der neuen Welt.

Ich habe mir schon lange darüber Gedanken gemacht, was »Zeit« eigentlich für uns Menschen bedeuten könnte. Meine erste These war, dass für jeden von uns diese »Running Clock« eine komplett andere Bedeutung, eine individuelle Messung hat, bei der einem Angst und Bange wird, sobald man die persönliche Haltbarkeitsdauer der Zeit wirklich hinterfragt. Ich muss nun feststellen, dass wir bei jedem Tag der Ausgangssperre und Hilflosigkeit durch die aktuellen Ereignisse eine neue Definition der Zeit erleben. Jeder von uns findet und erfindet sich selbst in dieser unwirklichen »Dimension der Zeit«.

Ein kleines, gar lächerliches Beispiel ist meine Gewohnheit, Auto zu fahren. Früher, also vor drei Wochen, konnte ich nicht schnell genug von A nach B kommen. Als stolzer Fahrer eines Autos, dass innerhalb 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, fahre ich nun mit dem »schlappen« anderen Fahrzeug, im Schneckentempo zur Apotheke, zum Supermarkt und nutze den rechten Fahrstreifen, um möglichst langsam mein Ziel zu erreichen.

Durch alte Mechanismen des alltäglichen »Übels der Zeit« funktionieren sowie schnell und quantitativ produktiv sein zu müssen, entsteht plötzlich eine Leere. Eine ungewollte Schwerelosigkeit. Ein Zeitfenster wie im Weltall. Auf einmal überlege ich mir jeden Schritt dreimal, fange an, alltägliche Dinge mit Ruhe und Gelassenheit, vor allem nicht selbstverständlich anzugehen. Jede Sekunde wird nun ausgenutzt und muss wohl überlegt sein, Hektik sowie Selbstverarschung sind fehl am Platz.

Was ist eigentlich Zeit?

Die Zeit ist eigentlich nur ein Wort, oder etwa mehr? Ich behaupte die Zeit ist ALLES! Warum gehen wir manchmal so fahrlässig mit diesem kostbaren Schatz um, obwohl wir wissen, dass wir diesen einzigartigen Trunk des Universums niemals zurückholen können? Einerseits haben wir große Ängste das höchste »Gut der Menschheit« aus den Augen zu verlieren, anderseits treten wir diese Chance des Momentum mit Füßen.

Die Zeit bestimmt unseren Alltag und alle Sekunden während des Ballwechsels, Stunden davor, während und nach dem Match. Die Zeit sind Tage, Minuten im normalen Leben, vor und nach dem Spiel unseres geschenkten Lebens, äh des geliebten Spiels… Die Zeit ist »IMMER DA«! Mal haben wir zu viel Zeit oder wiederum zu wenig. Der Mensch ist »seines Zeichen der Zeit«. Er wird geboren, er lebt irgendwie vor sich hin, er altert, er stirbt. So paradox es klingt, ohne dieses »furchtlose« und »unverstandene« Zeitgefühl, würden wir alle ja doch älter werden.

Ist die Zeit eine von uns Menschen erfundene »Einheit der Wissenschaft«, um den Alltag planbarer zu machen? Würde die Menschheit im Chaos versinken, wenn wir keine Termine planen könnten? Wäre dann nicht alles unorganisiert? Oder wären wir ohne die Zeit »frei wie ein Vogel« und lieben, leben nur den Moment? Die Mischung macht es! Sportwissenschaftlich spielt die Zeit eine mächtig übergeordnete Rolle.  Oder könnten wir nur auf unser Gefühl vertrauen und das Training würde uns mindestens genauso, nicht minder zum gewünschten Erfolg tragen Uns zu vertrauen, in uns hinein zu horchen, ohne Zeit und irgendwelche Störfeuer, ohne jegliche Abhängigkeit –  würde uns das nicht noch größer machen?

Abhängige Klammeraffen

Wir Menschen klammern uns an die Zeit. Habe ich kein Handy oder eine Uhr zu Hand? Man werde ich nervös! Niemand, der mir die Zeit sagen wird? Dann orientiere ich mich an der Sonne, den Sternen, der inneren Uhr! Au Backe, das kann ich ja gar nicht! Ich habe niemals gelernt, im besten Fall verlernt, an meiner innere Uhr zu drehen. Wer kann schon ins Bett gehen, nur weil er müde ist? Der Tatort im TV ist nicht vorbei, also kann ich doch noch nicht ins Bett gehen, oder doch? Die innere Uhr sagt ab ins Bett, aber der Zeiger auf meinem Handgelenk, die Ziffer auf dem Handy, die Tagesschau im Fernsehen zeigt mir, was zu tun ist. Die innere Uhr ist im Urlaub, auf Reisen ins »Zeitlosland«. Wer geht schon um 19 Uhr ins Bett, nur weil unser »Ich I« müde ist, der Köper im Stummmodus zu sein scheint? Die Zeit, die Uhrzeit regiert die Welt und bestimmt die Musik meiner »Big Band des Zeitgeistes«.

Wer kennt nicht das Gefühl, dass die Zeit bei tollen Erlebnissen zu schnell tickt, wohingegen bei Verpflichtungen und langweiligen Aktionen die Zeit die Sekunden nur zäh heruntertröpfeln lässt. Ein Hauptdilemma des unsäglichen Umgangs mit der Zeit ist, dass wir uns im inneren unser Lebenszeituhr bewusst sind, dass unsere Zeit irgendwann abgelaufen ist. Wir haben Angst vor dieser Realität, verdrängen es mit Bravur, oder auch nicht! Unsere Zeit hatte persönlich irgendwann mal einen Anfang, jedoch hat die wirkliche Zeit weder einen Anfang noch ein Ende. Sollte kein Leben mehr auf der Erde sein, würde die Zeit weiterlaufen. Niemand könnte dieses Ereignis weiterverfolgen. Also lege Dich nicht mit der Zeit an, sondern nutze sie! Sie ist größer, als wir alle jemals sein werden. Erkenne Deine Chance und nutze jede Sekunde.

Für manche Menschen scheint es erstrebenswert zu sein, möglichst alt zu werden. Für mich irgendwie auch. Die Frage ist nur wie und warum? Wenn wir mal von unserem naiven Zeitgefühl loslassen und uns mit dem Universum gleichschalten, vergeht die Zeit im Weltall deutlich langsamer. Hätten wir alle mehr Lebenszeit, würden wir alle auch mehr Fehler machen. Jeder von uns führt ein Leben mit guten und schlechten Zeiten. Hätten wir mehr Zeit, würden wir mehr erleben und ebenso mehr Fehler und Gutes machen. Umso wichtiger ist es, die Zeit des Lebens sinnvoll zu nutzen. Erfahrungen, Wissenschaft und Liebe als nicht gegeben hinzunehmen, sondern es als verdammte Pflicht zu sehen, die Zeit nicht zu verschenken. Jede Sekunde ist ein Geschenk Gottes oder von wem auch immer. Jede Verschwendung ist ein Schlag ins Kontor und schäme Dich einfach, Deine Zeit zu verschwenden!

Wir verschwenden die Zeit, regen uns auf als wenn wir unendlich leben. Aber fallt nicht auf den Trick der Zeit hinein. Die Lebenszeit meint es nicht immer gut mit uns. Du wirst geboren, lebst irgendwie und dann bist tot. Du brichst mit Deinem Leben, aber irgendwo anders wird gerade die Zeit für ein neues Leben geboren. Die unendliche Zeit zu verstehen, ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit.

Die Zeit ist endlos. Fange keinen Krieg mit ihr an. Finde Lösungen, um ihr bester Freund zu werden. Die Zeit besiegt Dich, so oder so. Die Zeit hat nie existiert, nur wir Menschen haben aufgehört zu akzeptieren, dass jede Sekunde Glück ist und wir mit der unendlichen Zeit ganz wenig gemein haben. Wir sind so klein und winzig, dass wir es mit der Zeit überhaupt nicht aufnehmen können. Genieße, lerne, arbeite und schaffe es, jeden Tag in den Spiegel zu gucken. Lebe Deinen Traum, versuche es zumindest und lass Dich nicht von zeitlosen Geistern herunterziehen. Sie sind kleiner als das Licht und die Lichtgeschwindigkeit wird in Zeit bemessen. Die Arschgeigen des Lebens sind nichts gegen Deinen Glauben an Dich!

Die Zeit rennt. Tick-tack, Tick-tack…

März 2020 · Photocredit: Jörg Linden/Pixabay

Der Beitrag Tick-tack, tick-tack… erschien zuerst auf »Tennisredaktion.de«.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten

Sponsored