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Er hat die Besten stark gemacht: Kraftdiagnostiker und -trainer Helmut Müller verstorben

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Von Claus-Peter Bach

Heidelberg. Eine der größten Athletinnen, die Deutschland je hatte, sagte einfach: "Danke, Helmut!" Steffi Graf, die vierfache Wimbledon-Siegerin und Tennis-Olympiasiegerin von 1988 in Seoul, ist der Überzeugung, dass Helmut Müller "mich auf das beste körperliche Niveau gebracht hat, das ich je hatte."

Kraft-Müller, kein lauter Kraftmeier, sondern ein stiller, bescheiden auftretender und ein bisschen geheimnisvoller Mann mit klaren Prinzipien und asketischer Lebensweise, habe sie, die von Erfolg zu Erfolg eilende Athletin, "sportlich und persönlich eng begleitet. Ich werde unsere gemeinsame Zeit immer in Erinnerung behalten", sagte Graf.

Helmut Müller, Würzburger, Franke, kam als Zeitsoldat bei der Bundeswehr mit dem Spitzensport in Berührung und wurde durch sein Studium zum Diplomtrainer an der Trainerakademie in Köln und durch seine jahrzehntelange Eigen-Fortbildung und wissenschaftliche Neugier zu einem bundesweit anerkannten Kraftdiagnostiker und Krafttrainer. Die Hochleistungssportler der Kurpfalz hatten das einmalige Glück, von ihm im weiten Kraftraum des Olympiastützpunkts Metropolregion Rhein-Neckar betreut, geformt und ausgebildet zu werden.

"Helmut hatte ein gigantisches Fachwissen", sagt Peter Immesberger, der für den Gewichtheber-Nachwuchs in Baden-Württemberg zuständig ist und Müller 1983, als es noch kein Heber-BLZ in Leimen gab, während eines Trainingslagers bei Emil Beck am Fechtzentrum Tauberbischofsheim erstmals begegnet war.

Der heute 58-jährige Bronzemedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 1988 in Seoul war von Müllers Art, die jungen Sportler zu Höchstleistungen zu kitzeln, sofort begeistert und bereitete sich folgerichtig in der Sportfördergruppe Sonthofen konsequent auf Olympia 1984 in Los Angeles vor. "Wir nannten ihn scherzhaft ,Extremist’, weil er nie Ruhe gab und immer noch eine Schippe drauflegte, um uns besser zu machen", erinnert sich Peter Immesberger ebenso dankbar an die Hilfen dieses großen Trainers wie Olympiasieger Matthias Steiner, der 2008 in Peking der stärkste Mann der Welt war.

"Ein typischer Helmut-Müller-Spruch: Was ist? War das schon alles, Steiner? - Und es war klar: Ich muss beißen", sagte Matthias Steiner, der als junger Athlet schnell begriffen hatte, dass es nichts Besseres gibt, als die Ratschläge dieses Trainers zu befolgen.

Helmut Müller, der von 1987 bis zuletzt am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar angestellt war und sich von Krankheit und Wetter kaum abhalten ließ, täglich mit dem Fahrrad zu dem nach seinen Vorstellungen eingerichteten Kraftraum zu eilen, lebte seinen Athleten den Leistungssport vor. Er trank keinen Alkohol, er rauchte nie, er bewegte sich täglich mit Lust an der frischen Luft, er war gertenschlank und so ein Vorbild für manchen trainingsfaulen Zeitgenossen, und er verschwendete im Dialog mit den Sportlern keine Zeit: "Da bist Du schwach, das musst Du an diesem Gerät machen, so und so oft."

Anweisungen gab er nur einmal. Wer nicht zuhörte, hatte Pech gehabt. Zu Korrekturen und tausend guten Tipps war er immer bereit. "Helmut hat maßgeblichen Anteil daran, dass mir die vielen Stunden im Kraftraum unvergesslich bleiben. Die Gespräche zwischen den Geräten erweiterten meinen Horizont", sagte Verena Sailer, die 2010 die schnellste Frau Europas war: "Helmut schaffte es, den Blick auf das Positive zu lenken."

Am 20. August ist Helmut Müller 66-jährig einer unerbittlichen Krankheit erlegen. Seine Familie und seine Athletinnen und Athleten nehmen am 2. Oktober um 14 Uhr auf dem Friedhof in Brühl-Rohrhof Abschied.

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