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Grün-Weiss Mannheim: Tommy Haas glänzte ein letztes Mal

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Von Daniel Hund

Mannheim. "Mami, wie alt ist Tommy Haas denn eigentlich?", fragt das kleine blonde Mädchen mit dem Zopf. "Wie vor fünf Minuten - immer noch 39", lacht die Mama. "Was, da ist er ja fast schon so alt wie du. Dass der noch so gut ist..."

Schon am Eingangsbereich von Grün-Weiss Mannheim gab es gestern nur ein Thema: Tommy Haas, den Altmeister, den Mann, der seine ruhmreiche Tennis-Karriere 1997 begann und sie in diesem Jahr ausklingen lässt. Gestern servierte Haas zum letzten Mal auf deutschem Boden. 4500 Zuschauer waren dabei, feierten ein rauschendes Tennisfest. Mit Mannheimer Happy End: Grün-Weiss schoss sich im Spitzenspiel gegen Kurhaus Aachen zu einem 4:2, träumt vom Titel! "Jetzt sind wir ganz dick dabei", grinste Mannheims Teammanager Gerald Marzenell übers ganze Gesicht, "es gibt wohl einen Zweikampf mit Halle."

Schon rund eine Stunde bevor Haas überhaupt loslegte, herrschte rings um den Center Court der Ausnahmezustand. Teilweise kam man sich vor, wie irgendwo an der Costa Brava. Plätze wurden reserviert, ganze Reihen freigehalten. Jeder wollte den Familienvater sehen, ihm noch einmal zujubeln, ihn ein letztes Mal bewundern. Und die Fans sollten ihr Kommen nicht bereuen. Denn es ist nach wie vor ein Genuss, Haas in Aktion zu sehen. Vor allem sein Aufschlag, der mittlerweile nach all den Schulter-Operationen zwar nicht mehr die Power von einst hat, dafür aber ungemein präzise im gegnerischen Rechteck einschlägt.

Ärgern kann er sich auch noch. Wenn es mal nicht so läuft, schimpft er wie ein junger Hüpfer, schreit seinen Frust heraus. "So war ich schon immer", lächelt er, "bereits mit sechs Jahren habe ich die Bälle dann frustriert weggeschossen." Und weiter: "Ohne dieses Feuer hätte ich wohl schon längst aufgehört." In Kürze wird dieses Feuer nur noch zuhause lodern. Insbesondere für seinen beiden Töchter. Spricht er über sie, beginnen seine Augen zu leuchten. Trotzdem fällt der ehemaligen Nummer zwei der Welt der Schritt zum Tennis-Rentner nicht leicht. Haas seufzt: "Ich werde das alles unglaublich vermissen. So ein geiles Publikum wie hier in Mannheim wird mir fehlen."

Allerdings wird Haas nicht ganz von der Tennisbühne verschwinden. Beim traditionsreichen ATP-Turnier von Indian Wells ist er Turnierdirektor, tauscht die Rollen. So wie gestern nach seinem 7:6, 6:3-Sieg über Nils Langer (ATP 359): Als der Tennisschläger schon in der Tasche verstaut war, zückte er den Kugelschreiber. Haas stellte sich dem Selfie- und Unterschriften-Marathon. Im Regen. Bei orkanartigen Windböen. Fannähe ist für Haas nach wie vor Ehrensache.

Der Druck auf Haas war enorm. Radu Albot (ATP 132) und Andreas Beck hatten ihre Einzel zuvor in den Sand gesetzt. Beck, der nicht mehr auf der ATP-Tour umherreist, hatte es im deutschen Duell mit Matthias Bachinger (ATP 340) zu tun. Beide ähneln sich in ihrer Spielanlage. Sie lieben es knallhart von der Grundlinie, gehen meist auf direkte Winner. Das Problem: Beck fehlte die Präzision. Viele Bälle landeten neben oder hinter der Linie. Irgendwie schien der Aufschlag-Riese auch gehandicapt zu sein. Und so war es auch. Beim Stand von 3:6 und 0:3 nahm er eine Verletzungspause. Es war die Schulter, die zwickte. Doch es half alles nichts: Becks erste Einzelpleite war nicht mehr abzuwenden.

Aber wie heißt es doch so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Nicolas Kicker (ATP 96) und Haas sorgten für das 2:2. Und dann war Doppel-Time. Hier ist Grün-Weiss meist eine Macht. So auch gestern: Daniel Brands und Robin Kern watschten Cedric-Marcel Stebe und Dominik Meffert mit 6:3, 4:6 und 10:2 ab.

Parallel dazu ließen es auch Tommy Haas und Andreas Beck krachen: Mit 3:6, 6:3 und 10:8 schickten sie Langer und Bachinger auf die Heimreise. Es war ein Sieg mit vielen Helden. Doch einer stach heraus: "Tommy hat uns zum Sieg geführt, ganz klar. Jetzt feiern wir alle zusammen." Sagt Marzenell und lacht: "Ein paar Radler sind heute schon erlaubt."

Einzel: Kicker - Elias 7:6, 7:5; Albot - Stebe 2:6, 0:6; Haas - Langer 7:6, 6:3; Beck - Bachinger 3:6, 1:6; Doppel: Haas/Beck - Langer/Bachinger 3:6, 6:3, 10:8; Brands/Kern - Stebe/Meffert 6:3, 4:6, 10:2.

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