Handball-Bundesliga: Rhein-Neckar-Löwen siegen und bleiben Spitzenreiter
Von Daniel Hund
Erlangen/Heidelberg. Es war ein Gegner, vor dem der Respekt groß war. HC Erlangen, ein Aufsteiger, aber ein richtig guter. Neunter waren die Mittelfranken, als am Sonntag die Rhein-Neckar Löwen aufkreuzten. In der Arena Nürnberg stand man sich gegenüber.
Und tja, nach 60 Handball-Minuten war es so wie zuletzt immer, wenn die Löwen die Krallen ausgefahren haben. Sie jubelten, feierten und tanzten vor Glück. Denn auch Erlangen, das in dieser Saison schon für ein paar Überraschungen gesorgt hatte, wurde überrollt, mit 37:26 (19:13) vernichtend geschlagen. "Das war eine souveräne Angelegenheit", freute sich Trainer Nikolaj Jacobsen, "wir haben mit viel Tempo gespielt und konnten so einige Tore über die zweite Welle erzielen."
Was Erlangen drauf hat, bewies es in der Anfangsphase. Die Heimsieben legte immer wieder vor, profitierte dabei auch von Nikolas Katsigiannis. Der HC-Keeper war zunächst hellwach, pflückte mehrere Würfe runter. Der Lohn: Eine schnelle 5:2-Führung für den Neuling.
Musste man sich etwa Sorgen machen? Nicht wirklich. Die Gelben schlugen schnell zurück, drehten das 2:5 in ein 7:6 (12.). "Zu Beginn haben wir etwas zu überhastet abgeschlossen", analysierte Jacobsen, "als wir das abgestellt haben und auch noch auf eine 5:1-Abwehr umgestellt hatten, lief es besser."
Das kann man so sagen. Der Meister baute den Vorsprung kontinuierlich aus, führte nach 21 Minuten mit 13:9. War der spielstarke Aufsteiger da vielleicht sogar schon geknackt? Noch nicht ganz. Als es dann wenig später mit einem 19:13 in die Pause ging, war die Vorentscheidung gefallen.
Das sah man am Gegner. An der Gestik und Mimik, an den hängenden Köpfen und Schultern. Ernüchtert wirkten sie, tief enttäuscht. Und auch nach dem Wechsel gab es kein Zurück mehr. Die Löwen spielten ihren Stiefel nun runter. Ganz ruhig, ganz souverän. Im Stile eines Meisters.
Hauptdarsteller gab es mal wieder einige. Insbesondere Regisseur Andy Schmid und Rückraum-Mann Kim Ekdahl du Rietz stachen heraus. Das Duo hebelte den Erlanger Abwehrriegel immer wieder aus. Nutznießer war häufig Gudjon Valur Sigurdsson. Der Isländer brannte auf der linken Außenbahn ein Feuerwerk ab. Zehn Tore gingen auf seine Kappe.
Und was heißt der dritte deutliche Sieg in Serie nun für den Titelkampf? Na, dass das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Löwen (49:5 Punkte) und Flensburg (48:6) weiter geht. Viele Experten tippen deshalb auf ein echtes Endspiel am 28. Mai im hohen Norden, wenn die Löwen dort auflaufen.
Jacobsen sieht das möglicherweise ähnlich, sagt es aber nicht: "Von mir wirst du so etwas nicht hören, denn selbst wenn wir dort gewinnen sollten, warten danach noch drei schwere Spiele auf uns." Stimmt: Auch gegen Kiel, Wetzlar und Melsungen gewinnt man nicht im Vorbeigehen.
Vom Masterplan von Gedeon Guardiola, der kürzlich erklärt hatte, dass man Flensburg auch noch in Sachen Tordifferenz einholen möchte, hält der Däne nicht viel. "Die liegen über 40 Tore vor uns, das ist schon eine Menge." Er verfolgt eine andere Rechnung. Eine ganz simple: "Wenn wir alle restlichen Spiele gewinnen, kann uns keiner mehr aufhalten."
In dieser Woche kehrt nun erstmal Ruhe ins Kronauer Trainingszentrum ein. Die Nationalmannschaften rufen. Bis auf Alexander Petersson, Kim Ekdahl du Rietz, Rafa Baena und Marius Steinhauser sind alle Asse ausgeflogen. Jacobsen findet das nicht gut.
Der Meistertrainer: "Wir haben zurzeit einen Super-Lauf und hätten gerne sofort weiter gemacht." Das nächste Bundesliga-Duell steigt am 17. Mai. Dann gastiert der Bergische HC in der Mannheimer SAP Arena.
HC Erlangen: Theilinger 2, J. Link 8, Guardiola 3, Herbst 2, Bissel 2, Stranovsky 3/1, Horak 1, N. Link 2, Thümmler 3.
Rhein-Neckar Löwen: Schmid 5, Sigurdsson 10/5, Mensah 1, Pekeler 7, Groetzki 2, Reinkind 1, Guardiola 1, Petersson 7, Ekdahl du Rietz 3.
Spielfilm: 2:0, 5:2, 6:7, 12:15, 13:19 (Halbzeit), 18:23, 20:26, 21:30, 26:37 (Endstand)

