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Handball-EM: Für den DHB-Trainer Alfred Gíslason geht es um alles

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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich bei der EM schon in der Vorrunde in eine schwierige Situation manövriert. Für den Bundestrainer geht es um alles. Aus Silkeborg berichtet Nils Kögler Der Bundestrainer wirkte immer noch geknickt, als er wenige Stunden nach der bitteren Vorrundenpleite bei der Handball-EM gegen Serbien im dänischen Silkeborg zur Pressekonferenz erschien. Nachdem die deutsche Mannschaft von Alfreð Gíslason am Vorabend noch mit einer Vier-Tore-Führung in die Halbzeitpause gegangen war, hieß es bedingt durch eine vor allem offensiv desolate zweite Halbzeit am Ende 27:30. Während sich die DHB-Auswahl zur Pause schon mit einem Fuß in der Hauptrunde wähnte, muss sie nun mehr denn je um den Einzug in die nächste Turnierphase zittern. Doch nicht nur für die Hauptrundenteilnahme muss im letzten Gruppenspiel gegen die bislang souveränen Spanier am Montag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online) ein Sieg her. Für den Bundestrainer geht es um nicht weniger als seinen Job. Der Aufwärtstrend ist ins Stocken geraten Ein Blick zurück: Gíslason trat das Amt des Bundestrainers im Februar 2020 an. Zuvor war das Experiment mit dem vergleichsweise jungen Christian Prokop gescheitert. Mit all seiner Erfahrung, die er während seiner langen und erfolgreichen Karriere als Bundesliga-Trainer gesammelt hatte, gestaltete Gíslason beim DHB einen Umbruch. Stück für Stück baute der Isländer den Kader um, verjüngte das Team deutlich. Trotz des Umbruchs zeigte der Trend unter dem langjährigen Erfolgscoach des Bundesligisten THW Kiel stets nach oben. Bei der WM 2021 startete Gíslason mit Platz zwölf, bei Olympia in Tokio erreichte Deutschland das Viertelfinale, bei der EM 2022 reichte es zu Platz sieben, bei der WM 2023 zu Platz fünf, bei der EM 2024 wurde es Platz vier. Der Höhepunkt folgte dann bei Olympia in Paris. Mit dem Gewinn der Silbermedaille scheiterte die Mannschaft nur knapp am großen Coup. Doch seither stockt die Entwicklung der Mannschaft. Bereits die Weltmeisterschaft 2025, bei der die DHB-Auswahl mit Titelambitionen gestartet war, wurde zur Enttäuschung. Nach durchwachsenen Leistungen in der Vor- und Hauptrunde scheiterte Deutschland bereits im Viertelfinale an Portugal. Es war ein Rückschlag, der durchaus nachhallte, denn schon vor Beginn der aktuellen Europameisterschaft zählte DHB-Präsident Andreas Michelmann Gíslason, dessen Vertrag eigentlich noch bis nach der Heim-WM 2027 läuft, plötzlich an. "Es ist doch klar, dass wir darüber nachdenken würden, wenn die Mannschaft – wovon ich nicht ausgehe – bei der EM absolut nicht performt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur über eine mögliche vorzeitige Trennung von Gíslason. "Nach jedem Turnier der Männer und Frauen berichten die Bundestrainer an die DHB-Führung. Auf Basis dieser Bilanzen und Analysen werden dann entsprechende Schlüsse gezogen", so Michelmann weiter. Auch unmittelbar vor dem Spanien-Spiel vermied der Präsident ein klares Bekenntnis, sprach Gíslason lediglich für das letzte Gruppenspiel das Vertrauen aus. Gíslason baute für Misserfolg vor Gíslason selbst hatte vor Turnierbeginn ebenfalls schon einmal vorgebaut. "Es wird das schwierigste Turnier sein, das ich je gespielt habe", hatte er mit Blick auf die schwere Auslosung in einem Interview mit der Europäischen Handballföderation (EHF) gesagt – was danach klang, als würde er schon Argumente für eine Weiterbeschäftigung im Falle eines frühen Ausscheidens sammeln. "Unser Ziel bei jedem Turnier ist es, das Halbfinale zu erreichen. Aber dieses Mal ist es anders. Das erste Ziel ist einfach, die Hauptrunde zu erreichen, idealerweise mit einer weißen Weste. Das wird schon schwierig genug sein", so Gíslason in dem Interview weiter. Genau dieses Ziel hat die DHB-Auswahl mit der Pleite gegen Serbien nun schon verpasst. Das Erreichen der K.-o.-Runde ist so schon jetzt in weite Ferne gerückt. Denn sollte Serbien mit einem Sieg gegen Österreich am Montag den Einzug in die Hauptrunde klarmachen, würde Deutschland im Anschluss durch einen Sieg mit mindestens drei Toren Vorsprung gegen Spanien zwar ebenfalls in die nächste Runde einziehen können. Doch da die Mannschaften nur die Punkte in die Hauptrunde mitnehmen, die sie gegen das jeweils andere qualifizierte Team aus ihrer Vorrundengruppe errungen haben, stünde die DHB-Auswahl durch die Serbien-Pleite ohne Punkte da. Die denkbar schlechteste Ausgangslage für die dann wohl anstehenden Kracherduelle gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark sowie EM-Titelverteidiger Frankreich. Gíslason beschwört das Wunder Vorher geht es für Gíslason und seine Mannschaft aber erst einmal darum, das erste Vorrunden-Aus einer DHB-Auswahl seit Einführung des aktuellen EM-Modus mit Vor- und Hauptrunde gegen Spanien abzuwenden. Dass das schwierig genug werden dürfte, weiß auch Gíslason. "Die Spanier waren die Mannschaft, die bislang am besten performt hat", sagte er am Sonntag mit Blick auf die eigene Vorrundengruppe. Er beschwor den Geist der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024. Dort hatten die Deutschen hintereinander Frankreich im Viertelfinale und Spanien im Halbfinale in zwei engen Krimi-Spielen ausgeschaltet. "Wir wissen, dass wir die beiden Olympia-Wunder wiederholen müssen, wenn wir weiterkommen wollen", so Gíslason. Dass er Teil eins dieses Wunders am Montag auch braucht, um seinen Job zu retten, ließ DHB-Präsident Michelmann am Sonntag ein weiteres Mal durchblicken. "Der Trainer und die Mannschaft haben die Chance, morgen im Spiel gegen Spanien alles wiedergutzumachen", wählte er zwar eine verhältnismäßig weiche Formulierung. Das Herausheben der eigenen Person und die Drohung darin dürfte Gíslason in dem Statement aber nicht überhört haben.

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