Corona bei Rhein-Neckar Löwen: "Wir wurden von Tag zu Tag weniger"
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. Patrick Groetzki meldete sich aus dem Supermarkt. "Können wir später sprechen?", fragte er. Ein gutes Zeichen: Der Rekordspieler der Rhein-Neckar Löwen darf das Haus verlassen und sich zwischen Gemüse- und Käsetheke aufhalten – er ist nicht auf die eigenen vier Wände begrenzt.
Bei den Bundesliga-Handballern befinden sich aktuell lediglich die positiv getesteten Spieler in Quarantäne. Alle anderen Jungs sind momentan auf sich alleine gestellt und vorsichtshalber nicht zusammen. Doch der Reihe nach: Noch montags zeigten die Tests zweier Spieler positive Ergebnisse, wenige Tage später gab’s weitere Corona-Fälle innerhalb der Mannschaft, weshalb sich der Verein gemeinsam mit der Handball-Bundesliga entschied, das für diesen Samstag angesetzte Spiel gegen Leipzig abzusagen.
"Von Tag zu Tag wurden wir im Training weniger", sagt Groetzki zur RNZ. So fehlte neben den betroffenen Jungs auch Andy Schmid aufgrund einer Bänderverletzung, die er sich im Spiel gegen den Bergischen HC am Sonntag zugezogen hatte. Groetzki: "Irgendwann hat’s dann keinen Sinn mehr gemacht. Am Donnerstagmittag haben wir von der endgültigen Absage erfahren."
Schon die gesamte Woche wurden und werden weiterhin alle Spieler – aus der Profi-Mannschaft sind fast alle geimpft – täglich getestet. In den vergangenen Tagen gab’s dabei keine weiteren positiven Fälle. Auch die Gegner-Akteure des Bergischen HC sind bisher ohne Corona-Fall davon gekommen.
Momentan halten sich Uwe Gensheimer und Co. also (wie schon beim ersten Corona-Ausbruch im März vergangenen Jahres) daheim fit, das nächste Teamtraining ist für kommenden Montag angesetzt. Groetzki sagt: "Wir hoffen, dass bis dahin keine neuen Fälle auftreten und wir wieder einsteigen können."
Geschäftsführerin Jennifer Kettemann befindet sich gerade in Urlaub und organisiert die Situation aus der Ferne – die "freie Zeit" hätte sich die 39-Jährige sicher auch entspannter vorgestellt.
Wie konnte es also zum Corona-Ausbruch kommen? Alle betroffenen Spieler sind vollständig geimpft (und haben nahezu keine Symptome). Juri Knorr, David Späth und Philipp Ahouansou waren noch am Montag beim DHB-Lehrgang in Hennef, absolvierten dort aber nur eine Trainingseinheit und reisten dann direkt ab.
Derweil waren in Kronau schon parallel die ersten positiven Fälle aufgetreten. "Man muss immer vorsichtig sein und damit rechnen", sagt Groetzki. Der Familienvater war bereits im vergangenen Jahr selbst mit dem Coronavirus infiziert. Heute steht der Nationalspieler sinnbildlich für 3G: Er ist geimpft, genesen und täglich frisch getestet. Sein Ergebnis war zuletzt stets negativ, Groetzki geht’s gut. Er sagt: "Wir alle müssen einfach lernen, mit diesem Virus zu leben."
Nach RNZ-Informationen ist auch die Drittliga-Mannschaft der Junglöwen, von der regelmäßig Spieler bei den Profis mit trainieren, nicht von Corona-Fällen verschont geblieben. Das Auswärtsspiel bei der SG Pforzheim/Eutingen (Samstag/20 Uhr) ist aber nicht in Gefahr.
Die Profis sollen dann am kommenden Sonntag (24. Oktober) wieder in der Liga bei der HSG Wetzlar spielen. Sollten bis dahin keine weiteren Fälle innerhalb der Mannschaft auftreten, wird diese Begegnung regulär über die Bühne gehen. "Wir hätten schon sehr gerne auch an diesem Wochenende gegen Leipzig gespielt", sagt Groetzki: "Aber mit so einem ausgedünnten Kader ist eine Absage wahrscheinlich für alle die bessere Variante. Jetzt haben wir mehr Zeit, um uns auf das nächste Spiel vorzubereiten."
Es bleibt spannend, wie hoch die Trainingsbeteiligung am Montag sein wird.

