Rhein-Neckar Löwen: Sie fahren nach Flensburg, "um zu gewinnen"
Von Daniel Hund
Heidelberg. Über 6000 Zuschauer, viele Stehplätze und ganz sicher kein Event-Publikum: In der Flens-Arena wir Handball gelebt. Die Heim-Spielstätte der SG Flensburg-Handewitt zählt zu den Festungen im deutschen Handball-Oberhaus. Wer dort gewinnen will, muss das volle Programm auf die Platte bringen. Leiden und beißen, glänzen und kämpfen. "Dieses Spiel gehört zu den drei schwersten, die du in einer Saison hast", sagt Nikolaj Jacobsen, der Trainer der Rhein-Neckar Löwen. "Die Atmosphäre ist dort immer extrem aufgeheizt."
Wie auch immer, am Montag ab 18.30 Uhr soll die Heimbastion des Meisters mal wieder gestürmt werden. Und wenn einer weiß, wie das geht, dann ist es Jacobsen. Im Mai 2017 machten die Gelben dort den entscheidenden Schritt zur zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Auch diesmal hat man viel vor. Jacobsen selbstbewusst: "Wir fahren dahin, um zu gewinnen."
Doch irgendwie müssen sie das ja auch, die Löwen. Was ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht: Die Nordlichter thronen momentan noch verlustpunktfrei an der Spitze, während die Badener bereits eine Niederlage gegen Kiel und ein Unentschieden gegen Leipzig einstecken mussten. Straucheln ist also quasi verboten, wenn der Traum von der dritten deutschen Meisterschaft weiterleben soll.
Dass Andy Schmid und Co. das Zeug dazu haben, bei den Nordlichtern ein dickes Ausrufezeichen zu setzen, steht außer Frage. Gerade auswärts hat man in dieser Saison schon sehr gute Leistungen abgeliefert. Der Coup in Veszprem (29:28) beim großen Champions-League-Widersacher in der Gruppe A drängt sich hier förmlich auf. Der letzte Mittwoch dagegen weniger. Beim 26:31 in Montpellier erwischte man einen gebrauchten Tag. Oder wie es Jacobsen im RNZ-Gespräch ausdrückte: "Einen Tag zum Vergessen."
Selbst am Freitag wirkte der Däne noch leicht nachdenklich, als man ihn auf das Gastspiel in Frankreich ansprach: "Ganz ehrlich, dort hat überhaupt nichts funktioniert. Solche Spiele gibt es leider. Ich hoffe schwer, dass es noch ganz lange dauert, bis wir wieder mal solch einen Tag erleben."
Ein Grund für den Absturz am Mittwoch könnte die Anreise gewesen sein. Anders als sonst düsten die Löwen mit dem Zug zum Königsklassen-Schlagabtausch, was laut Jacobsen "äußert stressig" gewesen ist. Nach Flensburg geht es nun mit dem Flieger. Von einer entspannten Anreise kann dennoch keine Rede sein. Erst am Montagmorgen, also am Spieltag selbst, hebt die Maschine ab. "Seit ich bei den Löwen bin, haben wir das so noch nie gemacht", berichtet Jacobsen, "aber aus organisatorischen Gründen bleibt uns nichts anderes übrig."
Ob Mikael Appelgren, dem ein Muskelfaserriss im Oberschenkel zu schaffen macht, mit in den Flieger steigen wird, war gestern noch unklar. Erst nach dem heutigen Training, das auf 11 Uhr angesetzt ist, hat man Klarheit. "Wenn ich ehrlich bin", pustet Jacobsen tief durch, "dann habe ich wenig Hoffnung."
Fällt der Löwen-Torhüter tatsächlich weiter aus, wäre das kaum zu kompensieren. Dann würde der Druck zwischen den Pfosten erneut nur auf den Schultern von Andreas Palicka lasten. Der ist zwar auch ein grandioser Schlussmann, kann aber eben auch befreiter aufspielen, wenn er weiß, dass sein kongenialer Partner für den Fall der Fälle bereit steht.

