Rhein-Neckar Löwen: Sieg mit Licht und Schatten
Von Daniel Hund
Stuttgart. Es war mal wieder eines dieser Spiele, in denen es eigentlich nur einen Sieger geben kann: die Rhein-Neckar Löwen. Den zweifachen deutschen Handball-Meister. Diesmal war die Reise kurz. Von Baden nach Schwaben. Rüber in die Stuttgarter Porsche Arena. Der TBV Stuttgart bat zum Tanz.
Kein schlechter Gegner, aber im Normalfall eben auch kein echter Prüfstein für die Stars um Kapitän Andy Schmid. Genau so kam es dann auch: Mit 26:20 (14:9) setzten sich die Löwen durch, hüpften nach der Schlusssirene Arm in Arm durchs Arena-Oval.
Und einer grinste bis über beide Ohren: Torhüter Mikael Appelgren. "Das war heute wieder ein gutes Spiel von uns und ich freue mich natürlich auch, dass ich mit meinen Paraden zum Sieg beitragen konnte", sagte der Schwede.
Im linken Rückraum begann erneut Steffen Fäth. Und der Rückkehrer zeigte sofort, was er kann. Nämlich nicht nur Raketen aus dem Rückraum abfeuern, sondern auch dirigieren, geniale Pässe aus dem rechten Handgelenk schütteln. Es waren keine acht Minuten gespielt, da zirkelte der 28-Jährige einen No-Look-Pass zu Jannik Kohlbacher an den Kreis, der den Ball im Tiefflug versenkte. So schön kann Handball sein!
Wenig später deutete dann schon alles auf einen ganz entspannten Spätsommerabend hin: Unter dem Trommelwirbel der mitgereisten Löwen-Fans knallte Schmid den Ball zum 7:2 in den Winkel (12.). Einen großen Anteil am gelben Blitzstart hatte aber auch die Abwehr. Gedeon Guardiola und Neuzugang Ilija Abutovic bilden im Innenblock mittlerweile schon eine Wand, meterhoch und schier unüberwindbar.
Und falls dann doch mal ein Ball durchflutscht, stehen da bei den Löwen ja noch zwei Ausnahmekönner zwischen den Pfosten: Mikael Appelgren und Andreas Palicka. Diesmal bekam Appelgren den Vorzug - und der machte Eigenwerbung. Mit Paraden im Minutentakt, mit blitzgescheiten Pässen, die mehrere Gegenstöße einleiteten.
Wunschlos glücklich stiefelten die Löwen trotzdem nicht in die Pause, denn die 14:9-Führung spiegelte den Spielverlauf nicht wider. Sie hätten bereits höher führen müssen, die Pokalsieger aus Kronau. Weiter machen war also angesagt, Vollgas zwischen den Kreisen.
Genau das hatte der TVB auch vor. Trainer Jürgen Schweikardt ging nach dem Wechsel Risiko, nahm den Torhüter runter und schickte den siebten Feldspieler auf die Platte. Ein gut gemeinter Schachzug, der aber nach hinten losging.
Die Löwen klauten zwei Bälle und bauten ihren Vorsprung auf 16:9 aus (32.). Das musste es doch nun eigentlich gewesen sein, war es aber nicht: Stuttgart antwortete erneut, pirschte sich wieder auf 13:17 (37.) heran. Ein verrücktes Spiel ...
Oder lag es vielleicht auch einfach daran, dass der Umbruch bei den Löwen - fünf neue Spieler müssen integriert werden - eben doch noch lange nicht komplett abgehakt ist? Gute und schlechte Phasen wechseln sich noch ab. Egal, zum Schluss hatten die Löwen wieder eine gute, schaukelten den Vorsprung locker über die Zeit.
"Uns ist klar, dass momentan noch nicht alles klappt, aber wenn wir es derzeit taktisch nicht hinkriegen, lösen wir es über Kampf", lächelte Appelgren und verabschiedete sich in Richtung Kabine.
Stenogramm: 0:2, 2:5, 3:8, 6:10, 8:11, 9:14 (Halbzeit), 9:16, 13:17, 14:22, 15:24, 20:26 (Endstand).
Stuttgart: Schimmelbauer 2, Weiß 1, Schagen 2/2, Schweikardt 2, Späth 1, Kraus 2/2, Baumgarten 2, von Deschwanden 2, Pfattheicher 1, Schmidt 4, Markotic 1.
Löwen: Schmid 6/1, Sigurdsson 6/2, Mensah Larsen 1, Fäth 3, Groetzki 3, Petersson 2, Kohlbacher 5.

