Rhein-Neckar Löwen im Endspurt: Drei Siege fehlen den Löwen noch zum Titel-Hattrick
Von Daniel Hund
Heidelberg. Es waren Bilder, die man als Löwen-Fan nicht gerne sieht. Bilder von gefallenen Helden, von geschlagenen Handballern, die in den 60 Minuten zuvor nicht mal ansatzweise an ihrem Limit gekratzt hatten. Nein, Berlin war für die Rhein-Neckar Löwen am letzten Wochenende keine Reise wert. Beim 23:29 in der Hauptstadt standen die Gelben neben sich, probierten viel und schafften nichts. "Ja, das war leider so", seufzt Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen mit ein paar Tagen Abstand, "wir hatten einen Plan, konnten ihn mental und körperlich aber nicht umsetzen."
Das vierte Spiel in acht Tagen war eins zu viel. Doch bei all dem Frust, vielleicht hatte die Pleite im Fuchsbau auch ihr Gutes: "Ich denke, dass unsere Sinne jetzt erst recht geschärft sind und wir voll fokussiert in die letzten vier Partien gehen." Sagte Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen, zur RNZ. Da befand sich der lange Blonde gerade auf dem Weg in den Kabinentrakt der Max-Schmeling-Halle. Geknickt war er, aber nicht am Boden zerstört, eher kämpferisch. Wirkte wie ein geschlagener Boxer, der schon den nächsten Knock-out im Sinn hatte.
So wie Jacobsen, der Meistermacher. Der will die kürzliche Pleite auch nicht überbewerten. Seine Rechnung ist einfach: Vier Spiele, drei Siege - und die nächste gelbe Party-Welle kann durch die SAP Arena schwappen. "Wir haben zwei Punkte Vorsprung auf Flensburg und noch dazu das wesentlich bessere Torverhältnis", stellt Jacobsen klar, "wichtig ist jetzt, dass wir eben auch noch diesen letzten Schritt gehen."
Der Anfang soll am Sonntag ab 15 Uhr in der Arena Nürnberg gegen den HC Erlangen gemacht werden. Beim 13. der Tabelle. Einer Mannschaft, die im Normalfall nicht gegen die Löwen gewinnen kann. Aber was ist schon normal im Titelkampf. Selbst bei erfahrenen Profis wie den Löwen schlottern da schon mal die Knie. Jacobsen sagt es so: "Durch die Niederlage in Berlin ist der Druck natürlich größer geworden." Doch die Vorzeichen sind sehr gut. Denn anders als zuletzt war unter der Woche endlich mal wieder trainieren angesagt. Also mit allen Assen. "Selbst Mads Mensah Larsen hat seine Verletzung auskuriert", verrät der Däne. Wobei es schon den einen oder anderen Löwen gibt, der derzeit nicht ganz bei hundert Prozent ist. "Aber das ist ganz normal", zuckt Jacobsen mit den Schultern, "in dieser Phase der Saison sowieso."
Zurück zum HC Erlangen. Gibt’s dort jemanden zum Fürchten? Die Link-Brüder vielleicht: Jonas und Nikolai sind im Rückraum eine Bank, treffen an guten Tagen aus allen Lagen. Nicht zu vergessen: Christoph Steinert - ein weiterer Rückraum-Kunstschütze.
Jacobsen weiß genau, was da auf sein Personal zu kommt. Per Videostudium werden Andy Schmid und Co. entsprechend instruiert. "Bei uns wird jeder einen genauen Plan darüber haben, was zu tun ist", betont Jacobsen und legt nach: "Wir sind nach Niederlagen bislang eigentlich immer stark zurückgekommen."
Widerspruch zwecklos. Dass man auch rein gar nichts dem Zufall überlassen wird, zeigt das ganze Drumherum: Trotz der recht kurzen Anreise startet die Erlangen-Mission schon am Samstagnachmittag. Jacobsen: "Vormittags trainieren wir noch in Kronau, abends essen wir dann schon von Ort."

