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Uwe Gensheimer: Der ungekrönte Star

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Von Michael Wilkening

Köln. Nein, das entsprach gar nicht seinem Wunsch, es war vielmehr eine Strafe. Es bedurfte einiger Überredungskunst eines Mitarbeiters der europäischen Handball-Federation (EHF), um ihn davon zu überzeugen, doch noch einmal auf das Siegerpodest zu steigen. Es gab ein kleines Wortgefecht, ehe er nachgab und emotionslos zurückkehrte. Uwe Gensheimer hatte das Podest, mit einer Silbermedaille dekoriert, gerade erst verlassen und jetzt sollte er noch einmal dorthin zurück. Der Kapitän der Handball-Nationalmannschaft war in der Handball-Champions-League der erfolgreichste Torschütze in der abgelaufenen Saison und wurde deshalb in der Kölner Arena als Torschützenkönig geehrt. "Das bedeutet mir im Moment nichts", sagte Gensheimer. Im vergangenen Sommer war der Mannheimer zu Paris Saint-Germain gewechselt, um mit einem Ensemble der Superstars die Champions League zu gewinnen. Doch dieses Vorhaben scheiterte, denn die Franzosen verloren das Finale gegen RK Vardar Skopje durch einen Treffer in vorletzter Sekunden mit 23:24.

Also stand Gensheimer im Bauch der riesigen Arena und sein Blick verriet die Leere, die in ihm vorherrschte. Unmittelbar nach dem schockierenden Ende für PSG hatte er zunächst regungslos auf dem Feld gestanden, beinahe eine Minute bewegte er sich überhaupt nicht. Später schleuderte er eine Wasserflasche wütend auf den Hallenboden, er warf das Tapeverband frustriert weg, das seine Handgelenke geschützt hatte. Gensheimer musste in seiner sportlichen Laufbahn schon einige bittere Niederlagen einstecken, aber zu einer Routineübung war das deshalb nicht geworden. Es schmerzte, vermutlich war der Schmerz in diesem Moment sogar besonders groß. "Es tut weh. Nicht nur, weil wir verloren haben, sondern auch wie", sagte er.

Acht Sekunden vor dem Ende hatte Paris den Ausgleich zum 23:23 geschafft, die Verlängerung war nah, ehe Ivan Cupic eine Sekunde vor Schluss den Siegtreffer erzielte und Gensheimer einen Stich ins Herz versetzte. Minuten später versuchte eben dieser Cupic, ihn zu trösten. Zwischen 2010 und 2012 spielten beide gemeinsam bei den Rhein-Neckar Löwen, aber der Kroate fand keinen Zugang, Gensheimers Enttäuschung war zu groß. Die Meisterschaft und den nationalen Pokal hat Gensheimer in seinem ersten Jahr in Frankreich gewonnen, doch dafür war er nicht gekommen. Der Triumph in der Champions League ist das erklärte Ziel des Klubs - und das von Gensheimer. "Gebt mir ein paar Tage Zeit", entgegnete er den Journalisten, die nach einer Bilanz der ersten zwölf Monate bei seinem neuen Klub fragten. Zwei Tore hatten im Finale gefehlt, dann wäre diese Bilanz einfach gewesen und in einem Wort ausgefallen - "perfekt."

Als sich Gensheimer vor einem Jahr von seinem Herzensverein lossagte und die Rhein-Neckar Löwen verließ, gab es an seiner sportlichen Eignung, sich dem Verein anzuschließen, der die größte Dichte an Weltstars besitzt, keinen Zweifel. Und dennoch war nicht absehbar, wie sich der Linksaußen in dem neuen Umfeld zurechtfinden würde. Gensheimer hatte im Seniorenbereich nie für einen anderen Verein als die Löwen gespielt, von seinem Elternhaus in einem Mannheimer Vorort kann man mit dem Fahrrad zur Arena fahren. 13 Jahre lang spielte er in seiner Heimat Handball, ehe er in die Metropole an der Seine weiterzog.

Es dauerte nur wenige Monate, dann gab es von PSG-Offiziellen die ersten Anfragen, ob sich Gensheimer nicht vorstellen könne, seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Der aktuelle Kontrakt läuft bis zum Sommer 2019, doch gerne würden die Geldgeber aus Katar den Flügelmann noch länger an sich binden. Eine Investorengruppe aus dem Emirat versorgt neben den Fußballern auch die Handballer von PSG mit den finanziellen Mitteln und der Abgesandte für den Handball schwärmt von Gensheimer. Dessen Identifikation mit dem Arbeitgeber imponiert den Verantwortlichen im Klub. Gensheimer kam nicht nur wegen der üppigen Gehaltschecks nach Paris, oder wegen der Aussicht, große Titel zu gewinnen, Gensheimer wollte vom ersten Tag an ein Teil des Klubs sein - und dafür wird er geliebt.

Die Fans von PSG feiern jedes seiner Tore mit einem eigenen Schlachtruf, so wie sie es auch bei Treffer von Nikola Karabatic, Mikkel Hansen oder Daniel Narcisse oder nach Paraden von Thierry Omeyer tun. Sie sind die Weltstars im Kader der Franzosen. Uwe Gensheimer ist nicht nur ein Linksaußen in diesem Team der Stars, er ist selbst einer. "Uwe ist ein Ausnahmespieler, und ein besonderer Mensch", sagte Karabatic. Der Respekt vor dem Deutschen ist innerhalb der Mannschaft und im Umfeld von PSG groß.

Der Wechsel Gensheimers nach Paris war deshalb eine richtige Entscheidung, auf den Sieg in der Champions League muss er trotzdem noch warten.

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