Reals zweite titellose Saison quasi besiegelt: Und jetzt?
Ein Spielverlauf symptomatisch für die gesamte Saison
Der europäische Klassiker ist um ein weiteres mitreißendes Kapitel reicher: Real Madrid und der FC Bayern München lieferten sich auch im Viertelfinal-Rückspiel der diesjährigen Königsklassen-Saison einen leidenschaftlichen Kampf, der diesmal – das erste Mal seit 2012 – das bessere Ende für den deutschen Rekordmeister parat hielt. Auf Madrider Seite zeigte man sich nach Schlusspfiff zwar sichtlich erbost, ob des sehr harten Platzverweises gegen Eduardo Camavinga in der 86. Minute, der sicherlich dazu beitrug, dass die Münchner die Partie durch Tore von Luis Díaz (89.) und Michael Olise (90.+4) noch spät zu ihren Gunsten drehten. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass sich der Franzose in jener Situation nicht gerade clever anstellte und die Gelbe Karte wegen Spielverzögerung durchaus vermeidbar gewesen wäre.
Und in gewisser Weise spiegelte der Spielverlauf an diesem Abend in der Allianz Arena auch die gesamte Saison der Königlichen in vielen Aspekten wider. Es war zu sehen, dass man – wenn Einstellung und Wille stimmen – mit den Großen in Europa durchaus auf Augenhöhe agieren kann, in den entscheidenden Momenten fehlen aktuell jedoch die entscheidenden Prozente. Sei es die – im Vergleich zu den letzten Jahren – fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse, die unausgewogene Kaderzusammenstellung oder eigene Undiszipliniertheiten – in den wichtigen Momenten in dieser Saison, fielen den Blancos ebenjene Dinge auf die Füße.
Für den Moment mag das Ausscheiden gegen die Bayern und insbesondere die Art und Weise des Zustandekommens selbstredend weh tun, mittelfristig könnte es jedoch der entscheidende Dominostein gewesen sein, um notwendige Prozesse bei den Königlichen in Gang zu setzen – und zwar auf jeglichen Ebenen. Die große Frage lautet jedoch: Ist die Bereitschaft an der Concha Espina dafür vorhanden?
Gibt es die notwendige Kader-Restrukturierung?
Ansatzpunkt Nummer eins ist und bleibt die Kaderzusammenstellung. Dass der aktuelle Kader eher nach Namen denn nach Profilen zusammengestellt wurde, ist beileibe keine neue Erkenntnis. Dass den Blancos in dieser Saison allzu oft das Profil des tiefliegenden Spielmachers abging, ebenfalls nicht. Und dass sowohl Xabi Alonso – der Spanier soll im Sommer bereits einen Mittelfeldchef wie Martin Zubimendi gefordert haben – als auch Álvaro Arbeloa Probleme hatten, eine ihren Ansprüchen entsprechende ausbalancierte Top-Elf zu finden, untermauert dieses Problem noch einmal.
Zudem wurde einmal mehr ersichtlich, dass nicht alle Spieler im Kader die Entwicklung nahmen, die man vor wenigen Jahren noch erwartet hatte. Dazu zählt unter anderem jener Eduardo Camavinga, der nicht zum ersten Mal in einem Top-Spiel durch eine unüberlegte Aktion auffiel und seit längerer Zeit in seiner Entwicklung stagniert. Doch der Franzose ist beileibe nicht der einzige, der dieser Kategorie zuzuordnen ist. Mit Blick auf den Transfersommer stehen einige richtungsweisende Personalentscheidungen an, die mitunter auch die Kategorie unangenehm fallen dürften, mit Blick auf die Gesamtsituation aber unausweichlich erscheinen. Doch auch hier lautet die alles entscheidende Frage: Ist die Bereitschaft und vor allem das Bewusstsein für diese Restrukturierung auch wirklich da?
Was passiert auf der Trainerposition?
Ein ebenso großes Fragezeichen steht hinter der Besetzung der Trainerposition: Álvaro Arbeloa ist alles in allem nicht viel vorzuwerfen. Zumindest auf der großen Champions-League-Bühne schaffte es der ehemalige Rechtsverteidiger immer wieder, sein Team top einzustellen. Anders als sein Vorgänger Xabi Alonso wählte der 43-Jährige einen sehr spielerzentrierten Ansatz und nahm die seinen vor allem medial immer wieder aus der Schusslinie, wodurch zumindest international Einsatz und Aufopferung stimmten, wie gegen ManCity. Auf der anderen Seite zeigte sich jedoch auch, dass dieser Ansatz für den langwierigen Liga-Alltag, wo eher Konstanz statt einzelne Spitzenleistungen entscheidend sind, wiederum nicht unbedingt zielführend war.
Alles in allem wurde im Saisonverlauf aber auch eine Sache offensichtlich: Die Königlichen haben nicht zwangsläufig ein Trainerproblem, die Probleme sind anderweitig gelagert. In der Struktur des Kaders. In fehlenden Spielerprofilen. Und auch in den Persönlichkeiten innerhalb des Teams. So erscheint es unabdingbar, dass der Trainer für die kommende Saison – auf welchen Namen auch immer dieser hören mag – ein gehöriges Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung und -ausrichtung benötigt, um die strukturellen Probleme entsprechend angehen zu können.
Stellt sich Real auch institutionell neu auf?
Die alles entscheidende Frage dürfte jedoch eine völlig andere sein: Ist Real Madrid bereit sich institutionell in gewisser Weise neu aufzustellen? Die Nebengeräusche fernab des sportlichen Geschehens nahmen diese Saison eine Dimension an, die selbst für die Königlichen enorm war: Angebliche interne Machtkämpfe, veraltete Strukturen, die modernen Fortschritt verhindern, wilde Gerüchte um die medizinische Abteilung und die Einflussnahme einzelner Spielercamps und Berater, dazu eine gewisse Intransparenz mit Interview-Boykotts nach Patzern und so weiter. Alles in allem gab man bei Real Madrid in dieser Saison ein Bild ab, das keineswegs mit den eigenen Ansprüchen vereinbar ist. Und dieses Bild gab man in gewisser Weise auch auf dem Platz ab angesichts vieler Platzverweise. Vielleicht nicht explizit in den Begegnungen mit Bayern, aber über die gesamte Spielzeit. Dass man nun also das zweite Jahr in Folge ohne Titel da steht – das gab es zuletzt 2009 und 2010 –, ist daher folgerichtig. Weil man aktuell – wenn man ehrlich ist – weder sportlich noch institutionell dafür aufgestellt ist. Dies mag eine schmerzhafte Erkenntnis sein, doch um sich strukturell wieder zu erholen, muss man bei Real Madrid dieser Wahrheit ins Auge blicken und entsprechend gegensteuern. Um eine dritte Saison ohne (großen) Titel zu verhindern!
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