Bereit für Bayern? Erkenntnisse aus dem Derbysieg
Vinícius im Big-Game-Modus
Dass er unter Álvaro Arbeloa immer mehr zu alter Stärke wiederfindet, ist keine neue Erkenntnis, und doch haben die vergangenen zehn Tage einen weiteren Beweis dafür geliefert, dass Vinícius Júnior nicht nur wieder mehr trifft und assistiert, sondern vor allem endlich wieder zu dem Unterschiedsspieler wird, der er in der Vergangenheit über mehrere Jahre gewesen war. Erst sorgte er im Champions-League-Playoffs-Hinspiel bei Benfica für den wichtigen Sieg (1:0), traf dann auch im Rückspiel (2:1), um anschließend mit einer Vorlage und zwei Toren entscheidenden Anteil am Weiterkommen gegen Manchester City (3:0 und 2:1) zu haben. Nach dem Derbysieg der Königlichen gegen Atlético Madrid (3:2) am Sonntagabend ist auch endgültig festzuhalten – „Big-Game-Vini“ ist wieder da.
Erst verwandelte der Brasilianer den zweiten wichtigen Elfmeter innerhalb weniger Tage zum Ausgleich, um dann auch mit einem tollen Abschluss den Schlusspunkt unter dem Stadtduell zu setzen – Vinis Tor zum 3:2 sorgte nicht nur für den ersten Liga-Derbysieg seit 2022 und den ersten im Bernabéu seit fast fünf Jahren, sondern auch für die Fortsetzung des Titelrennens zwischen den Blancos und dem FC Barcelona, der noch mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze thront. Vinícius glänzt längst nicht in jedem Spiel und es klappt bei Weitem nicht alles, aber wenn es wichtig wird und Spiele auf der Kippe stehen, ist er in den vergangenen Wochen fast immer zur Stelle. Damit zahlt der Brasilianer Arbeloas Vertrauensvorschuss bisher mehr als erfolgreich zurück – zehn Treffer stehen seit der Amtsübernahme des ehemaligen Castilla-Trainers bei Vini zu Buche. Reals neuer Übungsleiter hatte sich von Beginn an für den bis dato seit mehr als einem Jahr kriselnden Dribbler stark gemacht und dabei vor allem auch öffentlich ordentlich aus dem Fenster gelehnt. Aktuell scheint Arbeloas Strategie aufzugehen, denn pünktlich vor dem europäischen Klassiker gegen den FC Bayern (7. und 15. April) kann Real Madrid wieder auf Vinícius auf höchstem Niveau zählen. Und die Bayern müssen ebenfalls mit ihm rechnen.
Entfesselter Valverde wird zur Schlüsselfigur
Dass es bei den Blancos generell, im Speziellen aber gerade in Spitzenspielen endlich wieder läuft, liegt nicht nur am brasilianischen Angreifer, sondern mindestens in gleichem Maße auch an Federico Valverde. Auch er wurde von Arbeloa demonstrativ mit allen Freiheiten ausgestattet und spielt in 2026 die wohl bisher stärkste Phase seiner ganzen Karriere. Unter Xabi Alonso musste sich der Uruguayer regelmäßig, ob als Rechtsverteidiger oder im Mittelfeld, diversen taktischen Zwängen unterordnen und spielte zwar meistens ordentlich, ohne jedoch entscheidenden Impact zu haben. Seit Januar glänzt er nicht nur defensiv und läuferisch, was bei Valverde grundsätzlich immer mindestens zufriedenstellend was, sondern hat sich inzwischen auch zu einer für die Gegner kaum zu kontrollierenden Offensivwaffe entwickelt.
In den letzten Wochen trifft Valverde fast nach Belieben und es sind nicht nur sehenswerte, es sind in erster Linie eminent wichtige Tore, die er erzielt. So rettete er mit dem Last-Minute-Siegtreffer in Vigo seinem Team die Liga-Saison, um dann das favorisierte Manchester City bereits im Hinspiel mit einem Hattrick in bester Mittelstürmermanier quasi im Alleingang auszuschalten. Auch in Ligaspielen gegen Elche und eben auch Atlético traf der 27-Jährige, der mehr denn je Reals X-Faktor ist – eine feste Position hat er unter Arbeloa nicht, obwohl nominell im Mittelfeld unterwegs. Er hilft hinten rechts regelmäßig aus und unterstützt dabei den defensiv anfälligen Trent Alexander-Arnold, sorgt für Tempo im Spiel nach vorne und ist mittlerweile nicht alleine durch seine Schusskraft auch eine ständige Bedrohung für das gegnerische Tor. Ein weiterer Faktor, der auch den Bayern einiges an Kopfzerbrechen bereiten dürfte.
Defensive wird immer stabiler
Zwar traf Atlético Madrid im Derby doppelt und kam auch darüber hinaus zu einigen gefährlichen Abschlüssen, doch nach dem 3:2 gegen den Stadtrivalen muss auch die neue defensive Stabilität der Königlichen hervorgehoben werden. Die beiden Gegentreffer waren in erster Linie herausragende Aktionen des Gegners, die kaum bis gar nicht zu verteidigen waren, doch vor allem im Strafraum lassen Antonio Rüdiger und Co. zuletzt sehr wenig zu. Mit dem endlich fitten Deutschen und dem wiederstarkten Dean Huijsen scheint Arbeloa das ideale Pärchen im Abwehrzentrum gefunden zu haben – der „Aggressive Leader“ Rüdiger und der ruhigen, mittlerweile aber wieder souverän wirkende Huijsen ergänzen sich ziemlich gut, verteidigen hohe Bälle in der Regel problemlos weg, strahlen aber auch am Ball immer mehr Sicherheit aus. Und auch auf den Außenpositionen passt es immer mehr und besser – rechts unter anderem dank Teamarbeit und Valverde, und auf der linken Seite wirkten zuletzt sowohl Álvaro Carreras als auch Ferland Mendy sowie Fran García sehr solide und stabil.
Das defensive Personal ist jedoch nicht der einzige Grund, warum es bei Real hinten immer besser funktioniert. Mit dem 4-4-2-System, in dem Arbeloa seit Wochen operiert, steht das Team generell deutlich kompakter und viel weniger anfällig als zuvor, auch dank der defensiven mannschaftlichen Geschlossenheit und des Impacts, den diesbezüglich neben Valverde auch Aurelién Tchouaméni, Thiago Pitarch, aber auch Brahim Díaz und in Ansätzen sogar Vinícius haben. Ohnehin ist die seit mindestens zweieinhalb Jahren konstant verletzungsgebeutelte königliche Defensive generell deutlich besser als ihr Ruf: Mit 26 Gegentoren nach 29 Spieltagen stellt Real Madrid die beste LaLiga-Abwehr, noch vor Barcelona und Atlético, die bis dato jeweils 28 Treffer kassiert haben.
Rückkehrer sorgen für Fragezeichen
Also, alles eitel Sonnenschein vor den entscheidenden Wochen der Saison? Ausgerechnet die sich langsam entspannende Personalsituation könnte die neue mannschaftliche Geschlossenheit und Kompaktheit auf die Probe stellen und Arbeloa in der Pause einiges an Kopfzerbrechen bereiten, denn jetzt gilt es die Rückkehrer erfolgreich ins mühsam erbaute Gebilde zu integrieren. Vor allem gilt das für die beiden prominentesten Protagonisten, die zuletzt verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen – Kylian Mbappé und Jude Bellingham. Im Training und neben dem Platz gab und gibt es zwischen Mbappé und Vinícius entgegen aller Behauptungen zwar keinerlei Probleme und Reibungen, doch auf dem Spielfeld stimmte die Chemie zwischen den beiden Superstars bisher sehr selten. Und für Bellingham und Arda Güler gilt im Mittelfeld Ähnliches. So gut wie nie konnten beide gleichzeitig glänzen, meistens wirkte der junge Türke ziemlich fehl am Platz, wenn er mit Bellingham zusammen auf dem Platz stand.
Da steht Arbeloa vor einer kniffligen und undankbaren Aufgabe, denn einerseits gilt es, den neu gewonnenen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten und idealerweise noch zu verbessern, gleichzeitig sind aber sowohl Mbappé als auch Bellingham nicht nur mit ihrem Standing viel zu wichtig und auch viel zu gut, um nicht als unumstrittene Stammspieler betrachtet und eingesetzt zu werden. Auf der anderen Seite hat Reals Coach seit seiner Amtsübernahme bereits einiges an großen Problemen erfolgreich angepackt und gelöst – so beispielsweise die fast schon chronische Schwäche in Spitzenspielen. Arbeloas Team gewann zuletzt derer drei an der Zahl in Serie und der Trainer selbst konnte innerhalb weniger Wochen aus fünf Duellen gegen José Mourinho, Pep Guardiola und Diego Simeone genauso viele Siege verbuchen. Allein schon deshalb hat er sich auch selbst seinen Vertrauensvorschuss im Hinblick auf die kommenden Aufgaben erarbeitet und verdient.
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