Fußball
News melden
Nachrichten

Mit weichen Knien gegen die Eisernen

0 7

Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin. Da kann es nur einen Favoriten geben. Union Berlin. Dafür spricht zunächst einmal die aktuelle sportliche Situation. Während sich Union Berlin in den Jahren der Bundesligazugehörigkeit seit 2019 mit einigen Ausschlägen nach unten und nach oben zunehmend in Richtung eines Mittelfeldklubs entwickelt, der mit dem Abstieg wenig und mit dem Europapokal nur bei günstigem Verlauf etwas zu tun hat, kennt die Entwicklung von Borussia Mönchengladbach seit einigen Jahren nur eine Richtung: Abwärts. So ist es kein Zufall, dass der Tabellenvierzehnte Gladbach – in akuter Abstiegsangst – auf den Tabellenneunten Union trifft.

Neben den aktuellen Werten lohnt sich aber auch ein Blick auf den direkten Vergleich. 14-mal trafen beide Vereine bisher aufeinander, es gab 3 Unentschieden, 3 Siege für Gladbach, aber 8 Erfolge für Union. Am denkwürdigsten – aber natürlich für die aktuelle Betrachtung auch am irrelevantesten – die Gladbacher Niederlage im Halbfinale des DFB-Pokal 2001 gegen den damaligen Regionalligisten. Seit 2019 spielt Union Berlin in der Bundesliga und es ist sicher nicht übertrieben, wenn man dem kommenden Gegner bescheinigt, für Borussia Mönchengladbach ein unangenehmer Spielpartner zu sein. Die Elf aus Köpenick spielt einen kompakten Fußball aus einer sicheren Defensive heraus, gegen die man sich schon in den Champions-League-Zeiten erkennbar schwertat.

Hatte man damals wenigstens noch von der Papierform her die fußballerischen Mittel, um gegen einen solchen Gegner zu bestehen, kann davon momentan keine Rede mehr sein. In den letzten Spielen konnte man eine Gladbacher Mannschaft beobachten, die zwar defensiv so einigermaßen funktionierte, aber dennoch den Gegnern regelmäßig Tore und Torchancen ermöglichte, bei denen der Mangel an Qualität und Erfahrung überdeutlich zu Tage trat. Genauso wie Konzentrationslöcher, beispielsweise bei der Slapstickeinlage des ansonsten soliden Neuzugangs Takai in Frankfurt.  Offensiv – und das ist noch viel dramatischer – fand die Mannschaft in den letzten Spielen schlicht und einfach nicht statt. Einzig gegen an diesem Tag relativ indisponierte Leverkusener konnte man sich Torchancen erarbeiten, in allen anderen Spielen seit dem Sieg gegen Augsburg war keinerlei strukturiertes Offensivspiel mehr zu erkennen. Hier stellt sich auch die Systemfrage. Zwar hat die Umstellung auf Dreier- oder Fünferkette gegen den Ball Stabilität gebracht. Das führt allerdings dazu, dass die sogenannten Schienenspieler ca. 70 Meter Anlauf brauchen, bis sie eine Flanke in den Strafraum schlagen können. Was zuletzt fast nie mehr gelang. Auf genau solche Anspiele ist aber Haris Tabakovic als einziger Stürmer angewiesen. Tabakovic – das wird immer deutlicher – ist kein Stürmer, mit dem man sich gepflegt nach vorne durchkombinieren kann. Tabakovic ist auch kein Stürmer, mit dem man Konter über den ganzen Platz fahren kann. Tabakovic ist ein echter Strafraumstürmer. Wenn er dort an den Ball kommt, ist die Chance auf einen Torerfolg oder eine verwertbare Ablage hoch. Aber nur dort. Also muss es Aufgabe der Mannschaft sein, ihm genau diese Bälle zu liefern. Und Aufgabe des Trainers, der Mannschaft ein System zu vermitteln, in dem das gelingen kann. Auch weil das zuletzt so gar nicht mehr funktioniert hat, mehren sich in Mönchengladbach die – natürlich auch von interessierten Medien geschürten – Zweifel daran, ob Eugen Polanski auf lange Sicht der richtige Trainer für Borussia Mönchengladbach ist.

Wenn Sportdirektor Schröder vor dem Spiel gegen Union mit den Worten „Wir sind gut genug für die Fußball-Bundesliga, aber wir müssen einiges dafür tun." zitiert wird, klingt das auch nach ein bisschen Unzufriedenheit mit der Mentalität der Mannschaft. Weltmeister Kramer wird hier widersprechen und darauf verweisen, dass jeder, der es in den Profifussball geschafft hat, eine „unfassbare Mentalität“ haben müsse. Dennoch deuten die deutlichen Schwankungen teilweise auch innerhalb eines Spiels sehr darauf hin, dass die Struktur des Kaders nicht nur in Bezug auf die Positionsbesetzungen unausgewogen ist, sondern auch in Bezug auf Stichworte wie Einsatzbereitschaft, Widerstandsfähigkeit, Führung. Warum kann die Mannschaft eine halbe Stunde lang Leverkusen an die Wand spielen? Warum kann man gegen Freiburg plötzlich Druck machen, als das Spiel im Grunde schon verloren ist? Warum geht aber beim Stand von 0:0 regelmäßig nicht viel zusammen? Fragen, die man von außen schwer beantworten kann, deren Beantwortung aber auch mit darüber entscheiden wird, ob Gladbach auch in der Saison 26/27 Bundesliga spielt. Momentan bleibt nur Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Mannschaft gegen Union damit anfängt, wenigstens ein bisschen von dem Potential auszuschöpfen, was sie bisher gut versteckt.

Der SEITENWAHL-Tipp: 

Uwe Pirl: Die einen können nicht. Die anderen wollen nicht. Aus dieser Mischung entwickelt sich ein unansehnliches Spiel, in dem Borussia das Glück hat, dass der Ball einmal auf den Kopf von Tabakovic fällt. Am Ende steht ein 1:1, das uns nicht weiterbringt.

Michael Heinen: Borussia hamstert sich weiter in den Abstiegskampf. Das 1:1 gegen Union ist zum Absteigen zu viel, aber zum sicheren Klassenerhalt zu wenig.

Mike Lukanz: Borussia gewinnt 3:1. Nicht, weil ich das wirklich glaube. Sondern weil sie muss.

Claus-Dieter Mayer: Kein schönes Spiel, aber das hat wohl auch keiner erwartet. Aber der Borussia gelingt es in den entscheidenden Momenten die Tore zu machen und 2:0 zu gewinnen.

Christian Spoo: Borussia hat die Hosen voll und mit vollen Hosen ist schlecht spielen. Am Ende sind wir erleichtert, wenn der Schiedsrichter die torlose Partie abpfeift.

Michael Oehm: Sensation: Die gesamte Redaktion tippt auf Punktgewinn zuhause gegen Union Berlin. Da kann ich nicht ausscheren und rechne mit einem 1:1.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten

Sponsored