Wenn auch Kampf nicht mehr reicht
Halbwegs okay gespielt, wieder verloren, wieder als Aufbaugegner. Die Alarmglocken schrillen laut, denn es wird langsam immer mehr klar, dass die Mannschaft es vielleicht nicht besser kann.
Immerhin, so möchte ich einsteigen, konnte man der Mannschaft beim am Ende etwas zu deutlichen 0:3 in Frankfurt fehlenden Einsatz und Willen nicht absprechen. Was es vielleicht noch schlimmer macht. Sie haben gekämpft, sind viel gelaufen, haben die Zweikämpfe angenommen und sich sogar ein Plus an Torschüssen erspielt. Gleichwohl Borussia wohl noch drei Tage hätten spiele können, ein Treffer wäre nicht vergönnt gewesen. Nach Wochen der Lethargie und erschreckender Gleichgültigkeit, hat Borussia in den Spielen gegen Leverkusen und nun Frankfurt zumindest wieder den nötigen Einsatz. Fußballerisch hingegen sind die Auftritte weiterhin nicht erstligatauglich. Honorat ist seit Wochen ohne Form, Tabakovic ist und bleibt ein One-Trick-Pony, Reitz wirkt brutal überspielt und die linke Seite ist faktisch nicht existent. Neuzugang Hugo Bolin, von Polanski unter der Woche noch über den grünen Klee gelobt, bekommt weiterhin nur wenige Minuten.
Polanski hatte fast die gleiche Elf ins Rennen geschickt wie beim unglücklichen Remis gegen Bayer Leverkusen, das wie ein zartes Pflänzchen der Hoffnung erschien. Für den gelbgesperrten Kevin Diks durfte Winterzugang Kota Takai von Beginn an ran, der nach vielen sehr guten Auftritten mit einem üblen Patzer in der zweiten Hälfte leider die endgültige Entscheidung zugunsten der Gastgeber herbeiführen sollte.
Den Frankfurtern war die lange Serie von sieglosen Spielen von Beginn ebenso anzumerken. Wenig war zu sehen von der sonst so gewohnten Dominanz, Borussia agierte mutig, gewan ihre Zweikämpfe und spielte nach vorne. Dass es zur Halbzeit dann 2:0 für die Eintracht stand, war gleichsam bitter wie vielsagend. Denn während Borussia sich im vorderen Drittel zu oft verhedderte und Dinge unnötig verkomplizierte, war jeder Frankfurter Schuss ein Treffer. Ein xGoals-Wert von unter 1,0 stand zur Halbzeit für Frankfurt in den Statistikbögen, dummerweise aber ein 2:0 auf der Anzeigetafel. Vorm 1:0 durch Brown verhielt sich der ansonsten wieder umtriebige und engagierte Castrop unglücklich und ließ sich auf dem Flügel mit einem Doppelpass überspielen, beim 2:0 fälscht der wieder schwache Lukas Ullrich den Schuss von Amaimouni-Echgbouyab leicht ab. Schon in der Vorwoche reichte Bayer Leverkusen ein einziger Torschuss (und viel Hilfe durch Philipp Sander), um Moritz Nicolas zu bezwingen.
Ansonsten kam von Frankfurt nicht viel, musste es aber auch nicht. Die Frankfurter, viele Wochen durch eine Gegentorflut so sehr gebeutelt, dass sie sogar das eigentliche Gladbacher Attribut „Schießbude“ erhielten, verteidigten gegen den Ball leidenschaftlich, warfen sich in jeden Schuss, hatten immer ein Bein oder einen Körper dazwischen. Borussia machte es den Hessen jedoch auch oft leicht, mit reinem Einsatz zu verteidigen. Torschuss ist eben nicht gleich Torschuss. 20:12 Torschüsse für Borussia wiesen die Statistikbögen nach Abpfiff aus, aber eben 9:3 FÜR Frankfurt bei den Schüssen aufs Tor.
Zu Beginn der zweiten Hälfte orakelte der Autor dieser Zeilen in der redaktionsinternen WhatsApp-Gruppe: Wenn Borussia bis „zur 70. Minute den Anschluss erzielt, dann ist hier ein Punkt drin“, um dann gewohnt zynisch hinterherzuschieben, dass „vorher Frankfurt natürlich das dritte Tor machen wird“. Und so kam es dann auch: Takai unterschätzte einen langen Ball von Frankfurts Torwart Santos zuerst enorm und verlor dann den entscheidenden Zweikampf gegen Ansgar Knauff, der die Entscheidung erzielte. Auch danach steckte Borussia nicht auf, spielte weiter nach vorne, hatte viele Strafraumaktionen. Eine zwingende Torchance gab es jedoch nicht mehr. Man kann es nicht mehr abstreiten: der Abstiegskampf ist längst in den Beinen und Köpfen der Mannschaft angekommen. Gut so, möchte man hier ausrufen!
Und so wird Woche für Woche mehr klar, was sich schon im Winter abzeichnete: Borussia wird auf einige Endspiele hoffen (müssen), um die Liga halten zu können. Es ist ein gefährliches Spiel, darauf zu hoffen, dass es mit Siegen gegen Heidenheim, St. Pauli oder Köln schon irgendwie reichen wird. Tabellerisch mag das richtig sein, wahrscheinlich braucht es diese Saison nur knappe 30 Punkte, um Spiele gegen Nürnberg oder Düsseldorf in der neuen Saison zu umgehen. Mit der Leistung aus der ersten Halbzeit gegen Leverkusen und in weiten Teilen aus dem Spiel in Frankfurt könnte es tatsächlich reichen, die fehlenden acht bis neun Punkte zu holen.
Es ist und bleibt ein absurdes Vabanquespiel; aber auf mehr als den Klassenerhalt zu hoffen, verbietet sich diese Saison. Und wahrscheinlich auch in der kommenden.

